Eine berührungslose Gestensteuerung, wie sie das neue Pixel 4 haben soll, bietet bereits das LG G8 ThinQ.
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Als der damalige Apple-Chef Steve Jobs 2007 der Weltöffentlichkeit das neue iPhone vorstellte, da war die Rede vom revolutionären Mobiltelefon nicht bloß Werberhetorik, sondern Programm: Das iPhone als digitaler Alleskönner hat die Welt verändert.

Seit dem ersten iPhone haben sich die Nachfolgemodelle abgesehen von neuen Authentifizierungsstandards wie Fingerabdruck und Gesichtsscan sowie schnellerer Prozessoren jedoch kaum verändert. Man bewegt die Finger weiterhin auf dem Display oder steuert das Gerät per Sprachsteuerung (mit der Sprachassistentin Siri). Der Smartphone-Markt ist übersättigt, es fehlen die Innovationen, sagen Analysten. Faltbare Handys, wie sie Samsung und Huawei in diesem Jahr auf den Markt gebracht haben, sind in ersten Tests zunächst durchgefallen.

Erinnerung an Tom Cruise

Im Windschatten der Konkurrenz hat Google fünf Jahre an der nächsten Smartphone-Generation getüftelt: Der Konzern hat eine Radartechnologie entwickelt, die feinste Hand- und Fingergesten erkennt. In das neue Pixel 4-Smartphone, das am Dienstagabend offiziell vorgestellt werden sollte, wird im oberen Bereich in der Nähe der Frontkamera ein winzig kleiner Radarchip integriert sein, der mithilfe von Algorithmen wahrnimmt, ob der Nutzer in der Nähe ist. Der Sensor emittiert elektromagnetische Wellen, die Bewegungen reflektieren und dies in Daten übersetzen.

Ortung von Flugzeugen

Der Erfinder: Als einer der maßgeblichen Erfinder der Radar-Technik gilt der schottische Physiker Robert Alexander Watson-Watt. Er forschte über die Reflexion von Radiowellen in der Meteorologie. 1919 ließ er sich ein Verfahren zur Ortung von Objekten mittels Radiowellen (Radar) patentieren.                                                                                                Erster Einsatz: Im Februar 1935 gelang es Robert Alexander Watson-Watt, den testweise den Ort Daventry anfliegenden Bomber des Typs Handley Page H.P.50 mittels Radar zu entdecken. Watson-Watt war maßgeblich an der Entwicklung der britischen Radaranlagen im Zweiten Weltkrieg beteiligt.                                                                Ständiges Ärgernis: Inzwischen gehören Bordradargeräte zur Standardausstattung von Flugzeugen und Schiffen. Dazu kommt der ständige Einsatz zur Erstellung von
Wettervorhersagen und nicht zu vergessen – das Ärgernis der Autofahrer – Radargeräte zur Messung der Geschwindigkeit im Straßenverkehr.

„Das Pixel 4 wird das erste Gerät sein, dass mit Soli, dem neuen Bewegungssensor ausgestattet ist“, heißt es in einem Blog-Post des Unternehmens. Was das bedeutet, war bei einer Präsentation am vergangenen Freitag in Berlin zu sehen. Sherry Lin, Produktmanagerin am Firmensitz im Silicon Valley, bewegte ihre Hand über das Display und schon reagierte das Gerät und spielte den nächsten Song bei Spotify der nächste Song gespielt.

Das Google Pixel 4 hat eine doppelt ausgelegte Kamera (rechts im Foto), mit 12 Megapixeln Auflösung.
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Es geht also darum, das Smartphone zu steuern, ohne das Display zu berühren. Die neue Technik könne sehr hilfreich bei der Küchenarbeit sein, wenn die Finger verschmutzt sind, aber auch helfen, wenn das Telefon des Smartphones sich in Besprechungen bemerkbar macht oder der Wecker frühmorgens noch einmal ausgestellt werden soll, sagt Lin. Aber das sind nur erste Möglichkeiten, die Google-Entwickler gehen davon aus, dass den Tüftlern weltweit noch mehr Funktionen einfallen werden.

Neue Technik soll auch Energie sparen

Die neue Technik soll auch dabei helfen, Energie zu sparen. Entfernt sich der Nutzer ein wenig von seinem Smartphone wird die Beleuchtung des Bildschirms reduziert, kommt er wieder näher, strahlt das Display wieder. Ambient computing, so heißt das Schlagwort bei Google dahinter, es geht also darum, den Umgang mit den digitalen Geräten angenehmer zu machen.

Die Gestensteuerung wirkt wie eine Reminiszenz an den Science-Fiction-Streifen „Minority Report“, in dem Tom Cruise als junger Hauptdarsteller einen futuristischen Computer allein mit Handbewegungen und ohne Berührung steuert. Die Szene hat es unter Futuristen zu einiger Berühmtheit gebracht. Fünf Jahre haben die Forscher des Advanced Technology and Projects (ATAP), das im Zuge der Motorola-Übernahme gegründet wurde, in ihren geheimen Laboren an dem Projekt gearbeitet. Anfang des Jahres erhielt Google von der US-Telekom-Aufsicht Federal Communications Commission (FCC) die Genehmigung für die Technologie.

Quantensprung in der Bedienung digitaler Endgeräte

Der sogenannte Hands-free-Ansatz könnte einen Quantensprung in der Bedienung digitaler Endgeräte bedeuten. Das Technik-Magazin Wired nannte Gestensteuerung das nächste große Ding – einen Weg, unsere Bildschirme mit Handbewegungen zu steuern, so wie es ein Dirigent nur mit seinem Taktstock seinem Orchester zeigt, was zu tun ist.

Google ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das an Gestensteuerung forscht. BMW arbeitet an einem System namens „Natural Interaction“, das bestimmte Funktionen per Zeigegestik aktivieren soll. Wenn der Fahrer während der Fahrt auf ein Restaurant am Straßenrand zeigt, soll der digitale Assistent automatisch den Namen und die Kundenbewertungen ansagen und auf Wunsch eine Tischreservierung per Sprachbefehl vornehmen. Mithilfe von Sensoren und hochauflösenden Kameras sollen Gesten und Gesichtsausdruck des Fahrers im Innenraum präzise erfasst werden. In drei Jahren soll „iNext“ auf den Markt kommen.

Das Ende der Knöpfe

Gestensteuerung als paralleler Strang der Sprachsteuerung setzt eine Entwicklung fort, bei der Eingabeeinheiten wie Maus, Tastatur, aber auch alte Hardware wie Knöpfe immer unwichtiger werden. Wer braucht noch Maus-Räder, wenn sich die Lautstärke mit Gesten regulieren lässt? Die Interaktion mit Geräten wird zunehmend kontaktloser. Aus hygienetechnischen Gründen mag dies ein Fortschritt sein. Das Smartphone-Display, das wir Studien zufolge 2 500 Mal am Tag berühren, ist eine veritable Bakterienschleuder. Doch sind Gesten – wie auch der Gang und Tastaturbewegungen – ein sensibles biometrisches Merkmal. Jeder Mensch tippt und gestikuliert anders. Das macht ihn einzigartig, aber auch erkennbar.

Als einer der maßgeblichen Erfinder der Radar-Technik gilt übrigens der schottische Physiker Robert Alexander Watson-Watt. Er forschte über die Reflexion von Radiowellen in der Meteorologie. 1919 ließ er sich ein Verfahren zur Ortung von Objekten mittels Radiowellen (Radar) patentieren, das 16 Jahre später zur Radarortung von Flugzeugen eingesetzt werden konnte. Im Februar 1935 gelang es ihm, den testweise den Ort Daventry anfliegenden Bomber des Typs Handley Page H.P.50 mittels Radar zu entdecken. Watson-Watt war maßgeblich an der Entwicklung der britischen Radaranlagen im Zweiten Weltkrieg beteiligt. Der Durchbruch der Radartechnik folgte dann kurz vor und während des Zweiten Weltkrieges. Inzwischen gehören Bordradargeräte zur Standardausstattung von zivilen Flugzeugen und Schiffen. Eine der ersten und bis heute wichtigsten zivilen Anwendungen ist die Überwachung des Luftverkehrs, dazu kommt der Wetterradar und nicht zu vergessen Radargeräte zur Messung der Geschwindigkeit im Straßenverkehr.