Paulus Ponziak hat das Foto „Facing the Mountains“ spontan mit einem iPhone im Allgäu gemacht.
Foto: Paulus Ponizak

BerlinIm Kampf um ihre Kunden setzen die großen Smartphone-Hersteller in diesem Jahr besonders auf die Qualität ihrer integrierten Kameras. Aber welche Foto-Qualität ist mit den Geräten tatsächlich erreichbar? Ein Gespräch mit Paulus Ponizak, er ist Fotograf der Berliner Zeitung und war im vergangenen Jahr Finalist beim renommierten „Miami Street Photography Festival“ während der Art Basel in Miami in den USA.

Herr Ponizak, die Kamera hat sich zu einem zentralen Feature in modernen Smartphones entwickelt. Was halten Sie von den technischen Möglichkeiten?

Die sind aus meiner Sicht hervorragend. Unter Fotografen gilt der Satz, dass die beste Kamera immer verfügbar ist. Smartphones erfüllen im Alltag dieses Kriterium. Kein moderner Mensch geht morgens ohne Smartphone los, die Kamera ist also ständig dabei. Damit ist das wichtigste Kriterium erfüllt.

Und dann ist sie – anders als eine Spiegelreflex- oder eine Sucherkamera auch sofort einsetzbar.

Genau, entsperren und dann Point und Shoot, also Fokussieren und Abdrücken. In wenigen Sekunden kann man so Fotos schießen. Und die werden oft auch gut, weil die Entwicklung der Kameras so weit fortgeschritten ist, dass die Software dahinter genau das liefert, was der Fotograf braucht. Es geht ja in der Regel um einen Sonnenuntergang im Urlaub, ein Erinnerungsfoto vom Familientreffen, auf solche Sachen ist die intelligente Software bestens vorbereitet, sie liefert warme Töne, schöne Farben – der Enduser ist meistens glücklich mit dem Ergebnis.

Und wie sehen Sie das als professioneller Fotograf?

Auch bei meiner Arbeit rückt das Smartphone mehr und mehr in den Vordergrund. Es ist handlich, klein, leicht, auch bei der Schärfe gibt es keine Abstriche, die Größe der Dateien passt, die Reaktionszeit ist auch gut. Manchmal gelingen so auch außergewöhnliche Aufnahmen.

Meinen Sie Ihre Aufnahme, mit der Sie Finalist beim renommierten „Miami Street Photography Festival“ in den USA wurden?

Genau, damals war ich in Bayern im Skiurlaub. Kurz nach der Ankunft haben wir noch auf dem Balkon des Appartements gestanden, die Sonne ging unter, blaue Stunde, ein großartiges Licht. Auf einmal tauchte die Tochter von Freunden hinter einer Glasscheibe auf, sie schaute aus dem Fenster in die Ferne. Ich habe spontan mein iPhone gezückt und das Foto geschossen. So kam das. Es war also ein Schnappschuss. Aber auch darauf kommt es manchmal an. Und manchmal hat man Glück.

Wann haben Sie eigentlich angefangen, der digitalen Technik zu vertrauen?

Anfang der 90er-Jahre habe ich bei der Nachrichtenagentur AP gearbeitet, damals hat Kodak in Kooperation mit Nikon eine erste professionelle digitale Spiegelreflexkamera (Kodak DSC 200) entwickelt, die wir ausprobieren durften. Die hatte eine Auflösung von 1,5 Megapixel. Das war damals gigantisch – aus heutiger Sicht ist das absolut lächerlich. Die Kamera glich durch ihre Größe und ihrem Gewicht eigentlich zwei Ziegelsteinen, vor allem wegen der des Akkublocks. Außerdem war der Speicherplatz noch wahnsinnig teuer. Mit dieser Kamera konnte man nie mehr als 15 bis 20 Aufnahmen machen, es hat auch gefühlte fünf Sekunden gedauert, bis die Bilder abgespeichert waren. Die Funktion, Bilder auszudrucken, war dabei nicht vorgesehen.

Klingt aus heutiger Sicht irgendwie nach Steinzeit …

… und hatte zur Folge, dass ich erst viele Jahre später auf eine Digitalkamera umgestiegen bin, es war eine Canon Eos 1d. Bei dieser Kamera hatte ich erstmals den Eindruck, dass sie alltagstauglich und ausgereift genug für eine schnelle Nutzung sein könnte.

Aber das war noch eine Spiegelreflex-Kamera.

Das iPhone gab es zu der Zeit noch nicht, das kam erst 2007 auf den Markt . Bis dahin war die Kamera im Handy nur eine Nebensache, nichts Ernstzunehmendes. Die Aufnahmen waren bis dahin unscharf verpixelt, es gab keine intelligente Software, keine Selfie-Funktion. Damals war das Smartphone noch ein reines Telefon und gar nicht smart.

Seit wann nutzen Sie das Smartphone so richtig?

Seit 2011. Damals haben wir für die Berliner Zeitung ein Sonderprojekt zu „125 Jahre Kurfürstendamm“ gestartet. Da bin ich mit dem iPhone 4 losgezogen, das Projekt wurde auch mit dem hausinternen Dumont-Jounalistenpreis für „Außergewöhnliche journalistische Leitungen“ ausgezeichnet. Die Qualität der Aufnahmen war noch nicht atemberaubend, die Daten waren nicht so fein, dass du sie hättest in einem Hochglanz-Magazin drucken können. Das Projekt hatte aber Charme, ich konnte aus den bewährtem Arbeitsmodus ausbrechen und experimentieren. Das Arbeiten mit dem iPhone war sehr diskret.

Was meinen Sie damit?

Als professioneller Fotograf will man nicht erkannt werden, weil es passieren kann, dass man mit seinem großen Equipment die Leute verschreckt. Deshalb haben Fotografen wie Henri Cartier-Besson und Robert Capa mit kleinen Leica-Sucherkameras gearbeitet, um möglichst unbemerkt an die Situationen und Objekte heranzukommen.

Und was ist seitdem alles technisch passiert?

Die physische Linse ist mittlerweile hervorragend, die Auflösung entspricht professionellen Ansprüchen. Die intelligente Software dahinter sorgt dafür, dass die Bilder immer perfekter werden, die Farben sind satter geworden, die Schärfe und die Datenmenge erfüllen auch den Anspruch aufwendiger Produktionen. Und den Hobbyfotografen hilft das Maschinenlernen gerade bei Porträts, den Hintergrund unscharf zu gestalten und die Person in den Vordergrund zu rücken. Außerdem wissen die Hersteller sehr genau, was die Kunden wollen. Sonnenuntergänge, Gegenlicht – auch bei solchen Themen werden die Geräte immer besser.

Nutzen Sie auch die Filter- und Bildbearbeitungsfunktionen?

Das mache ich eher selten, Filter so gut wie gar nicht, ich nutze Adobes Photoshop Lightroom oder CaptureOne, das Angebot ermöglicht die Nachbearbeitung, die Fotografen früher in der Dunkelkammer gemacht haben.

Für einen Amateurfotografen ist es insgesamt schwer nachvollziehbar, dass Sie so die Smartphone-Kameras loben.

Ich weiß, ich merke das ja auch bei den Freunden, die immer noch denken, dass eine Kamera schwer und groß sein muss. Und natürlich Wechselobjektive unentbehrlich sind. Für einen Berufsfotografen stimmt das ja auch, aber wir reden hier von einem kleinen Device, das in der Lage ist, im Alltag Momente festzuhalten.

Was raten Sie also Freunden, die in Urlaub fahren?

Den Fall hatte ich neulich, dass mich ein Freund gefragt hat.

Und?

Er sagte, er hätte recherchiert und sich für eine kleine Kompaktkamera mit 20-fachem Zoom entschieden. Ich wusste, das er ein hochwertiges Smartphone besitzt und habe ihm geantwortet: „Spare das Geld, du hast schon ein Gerät, das der Kompaktkamera ebenbürtig ist. Er hat trotzdem die Kamera gekauft und sie mitgeschleppt.

Haben Sie die Ergebnisse gesehen?

Ja, ich habe ihm mitgeteilt, dass ich keine Unterschiede sehe.

Und seine Reaktion?

Er stimmte mir zu.

Das Interview führte Jörg Hunke.