Soldaten der Bundeswehr testen als erste die neue App, die in wenigen Tagen verfügbar sein soll.
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BerlinMit einer App sollen auch in Deutschland künftig Kontaktpersonen von Corona-Infizierten verfolgbar werden. Ein Verbund von Konzernen und Universitäten aus Europa arbeitet nach eigenen Angaben mit 130 Mitarbeitern an der technischen Umsetzung. Seit dem 1. April soll die Entwicklung abgeschlossen sein.

Es existiert keine fertige Applikation zum Download, sondern eine Software, die in unterschiedlichen Apps integrierbar sein soll. Denn das System soll auch in verschiedenen Ländern in Europa angewendet werden können.

Das System nennt sich PEPP-PT, was für „Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing“ steht. Frei übersetzt also ein pan-europäisches Nachverfolgungssystem, das die Privatsphäre schützt.

Alles soll mit dem Datenschutz vereinbar sein

PEPP-PT soll in Übereinstimmung mit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung stehen und auch bei Reisen zwischen Ländern einen anonymen, länderübergreifenden Austauschmechanismus ermöglichen, wie das Heinrich-Hertz-Institut auf seiner Homepage mitteilt. Demnach würden keine persönlichen Daten, kein Standort, keine MAC-Adresse gespeichert oder übertragen. „PEPP-PT ist so konzipiert, dass es als Kontaktverfolgungsfunktion in nationale Corona-Handy-Apps eingebunden werden kann und die Integration in die Prozesse der nationalen Gesundheitsdienste ermöglicht“, heißt es weiter. Es gehe um einen „Mehrländer-Austauschmechanismus“.

Die Technologie soll auf Freiwilligkeit basieren und Anwender, die den Dienst nutzen, sollen künftig darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten haben. Voraussetzung ist, dass beide Personen die App nutzen und Bluetooth freigeschaltet haben. Denn darauf basiert der Mechanismus.


Ein Algorithmus errechnet dann mit statistischen Modellen die Wahrscheinlichkeiten einer Übertragung des Virus


Das Smartphone sendet dann per Bluetooth eine Identifikationssignatur und empfängt auch die Signaturen anderer Nutzer der App, die sich in der Nähe aufhalten. Dann tauschen die Anwender IDs aus und speichern sie verschlüsselt lokal auf dem Handy ab. Der Alarm bei einer infizierten Person soll dann nachträglich erfolgen. Es wäre damit sichergestellt, dass auch anonym bleibt, wer die infizierte Person ist.

Für die deutsche Applikation solle das Robert-Koch-Institut zuständig sein. An dem Projekt ist auch die TU Berlin, die TU Dresden, die Leibniz-Gemeinschaft und die ETH Zürich beteiligt. Ebenso Konzerne wie Vodafone und Arago, die auf Automatisierungsprozesse mithilfe Künstlicher Intelligenz spezialisiert sind.

Arago-Chef Chris Boos berät als Mitglied des Digitalrats ohnehin die Bundesregierung. Er stellte das Projekt ausgewählten Medien vorab vor. Etwa der Bild-Zeitung. Demnach soll das digitale Meldesystem ab dem 7. April einsatzfähig sein und bislang keine Kosten verursacht haben. Später soll laut der Zeitung ein Verein in der Schweiz gegründet werden, der das System betreibt und sich aus Spenden finanzieren soll.

Den wirtschaftlichen Kollaps verhindern

Durch Bluetooth kann das System die Entfernung zwischen Nutzer messen und auch wie lange sie beieinander waren. Ein Algorithmus errechnet dann mit statistischen Modellen die Wahrscheinlichkeiten einer Übertragung des Virus. Ist das der Fall, speichern die Geräte auf ihrem Speicher den jeweils empfangenen Zahlencode. Erkrankt einer der beiden Nutzer am Coronavirus, leitet sein Smartphone die ID an einen zentralen Server weiter, mit denen er während seiner Inkubationszeit Kontakt hatte. Das System warnt die entsprechenden Kontaktpersonen dann mit einer Benachrichtigung. Diese Nutzer können sich dann Quarantäne begeben.

Die App sammelt keine Standortdaten wie GPS-Signale. Das hatten zuvor Datenschützer gefordert, die auch betont hatten, dass eine solche App freiwillig sein müsse. Organisiert in dem Joint Venture sind auch Beratungsfirmen wie Hering Schuppner aber auch das European Laboratory for Learning and intelligent Systems (Ellis), ein Netzwerk, das die Erforschung künstlich intelligente Systeme in Europa vorantreiben will und sich als Gegengewicht zu US-amerikanischen und chinesischen Vorherrschaft auf dem Gebiet versteht.

In einer Art Manifest betonen die Partner, dass es möglich sei, die Pandemie in einer „sozial, ökonomisch und menschlich akzeptablen Weise zu managen, die zu keinem wirtschaftlichen Kollaps führen muss“.