Was soll mit meinen Daten passieren, wenn ich einmal nicht mehr bin? Mit dieser Frage beschäftigen sich nur wenige. Neun von zehn Internetnutzern (93 Prozent) haben für den Fall ihres Todes ihren „digitalen Nachlass“ nicht geregelt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom von 2015, das Sabine Landes und Dennis Schmolk zu denken gegeben hat. Sie haben daraufhin die Plattform digital-danach.de gegründet. Auf der Republica 2017 in Berlin sprachen sie über Strategien im Umgang mit dem digitalen Nachlass – und plädierten davor, rechtzeitig vorzusorgen.

„Vorsorge ist das Beste, was man tun kann“

Stirbt ein Mensch, bleibt eine Menge von ihm im Netz und auf Datenträgern zurück - von offenen Facebook-Konversationen über Social-Media-Profile, die längst vergessen sind, bis hin zu eigenen Blogs, Mail-Accounts und Fotosammlungen. Verantwortlich dafür sind dann die Erben. Doch Hinterbliebene seien mit der unübersichtlichen Masse oft überfordert: Alleine, alle relevanten Accounts zu finden, sei eine Herausforderung, so Landes und Schmolk.

„Vorsorge ist das Beste, was man tun kann“, sagt Landes. Dazu gehöre zunächst, sich mit selbst einen Überblick über das digitale Leben zu verschaffen und etwa eine Liste mit allen Accounts, Konten, Profilen und wichtigen Passwörtern zu erstellen. Im zweiten Schritt sollte dann entschieden werden, was mit den jeweiligen Daten passieren soll. Soll das Facebook-Profil nach dem Tod gelöscht werden oder erhalten bleiben? Was ist mit dem Instagram-Account, den E-Mails und den Daten auf dem Laptop und der Cloud? Was bleiben und was gelöscht werden soll, sollte genau geregelt werden, so Landes. Denn gerade digital weniger affine Erben hätten selten eine Ahnung, was sich der Verstorbene für einzelne Daten und Inhalte gewünscht hätte.

Testament, Vollmacht, Passwörter

„Es ist wichtig, mit Angehörigen und Freunden darüber zu sprechen“, sagt Landes. Zudem sollten die Wünsche dokumentiert werden, zum Beispiel im Testament oder mit Hilfe einer Vollmacht. Auch sollte überlegt werden, wer im Falle des Todes Zugang zu bestimmten Daten erhalten soll – und welche Passwörter er dafür benötigt. Diese könnten etwa auf einem verschlüsselten USB-Stick oder handschriftlich hinterlegt werden, etwa in einem Safe.

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Manche Plattformen würden zudem bereits eigene Möglichkeiten bieten, das digitale Erbe zu regeln, so Landes und Schmolk. Bei Facebook etwa können Nutzer festlegen, ob das Profil im Falle ihres Todes gelöscht oder erhalten bleiben soll. Im letzteren Fall wird das Benutzerkonto dann „in den Gedenkzustand versetzt“, wie es Facebook nennt. Dann steht neben dem Benutzernamen „In Erinnerung an“. Zudem kann ein Nachlasskontakt festgelegt werden, der sich dann um das Profil kümmert und etwa einen letzten Beitrag verfasst, Informationen zur Beerdigung verbreitet oder das Profilbild aktualisiert.

Auch Google biete mit dem „Inactive Account Manager“ eine Möglichkeit an, mit dem ein Nutzer zu Lebzeiten bereits einstellen kann, was nach seinem Tod mit dem Account passieren soll. Das müssten Nutzer jedoch auch tun, sagen die beiden Experten. Denn nur dann lasse sich mitgestalten, was mit dem eigenen digitalen Nachlass passiert.