Berlin - Die Tech-Branche gilt oft als innovativ und vorwärtsgewandt: Bei den Gehaltszahlungen passt das allerdings nicht. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass  Frauen noch immer schlechter bezahlt werden als Männer. In Berlin verdienen die Frauen pro Jahr im Schnitt 3000 Euro weniger, in München ist die Differenz ähnlich hoch, in Hamburg ist dagegen ein deutlicher Unterschied von 11 Prozent zu erkennen (63.000 Euro Männer/57.000 Euro Frauen).

Aus Sicht der Beobachter des Arbeitsmarktes vergeben Start-ups damit eine große Chance, talentierte weibliche Angestellte zu finden. „Wir brauchen Anreize dafür, dass wir mehr Frauen für Tech Berufe begeistern – ein Gender Pay Gap bewirkt das Gegenteil davon“, teilte Philipp Goos, Geschäftsführer bei Honeypot, Europas größter tech-fokussierter Jobplattform, der Berliner Zeitung mit.

Auch im Bereich der Gründungen zeigen Zahlen immer wieder, dass Frauen unterrepräsentiert sind. Der Anteil der Gründerinnen lag bei der letzten Erhebung bei etwa 15 Prozent. „Auch wenn sich längerfristig ein leichter Anstieg verzeichnen lässt, deuten die letzten beiden Jahre eher auf eine Stagnation hin“, hieß es in dem Bericht, der im Herbst vorgestellt wurde.

Die Zahlen zu der Bezahlung in der Branche zeigen aber auch, dass Berlin noch immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Auch im vergangenen Jahr bot Berlin die beste Kombination aus Gehalt und Mietkosten. Die Umfrage des Unternehmens Honeypot ergab, dass in Berlin ein Durchschnittsgehalt von 5417 Euro pro Monat gezahlt wird, in München sind es zwar nur ungefähr 40 Euro weniger, dafür sind aber die Lebenshaltungskosten deutlich höher. „Insbesondere für junge Menschen, die ihre Karriere starten wollen oder nach Deutschland umziehen wollen, ist Berlin ein geeigneter Standort“, sagte Geschäftsführer Goos.

An der durchschnittlichen Gehaltshöhe hat auch die Corona-Zeit kaum etwas geändert, das Jahresgehalt pendelte in 2020 zwischen 62.000 und 65.000 Euro in Deutschland. Das durchschnittliche Gehalt für Entwickler ist von 2016 bis einschließlich 2020 stetig gestiegen, von etwa 50.000 Euro auf 63.000  Euro (ein Plus von 26 Prozent).

In den vergangenen Jahren haben große Techkonzerne auch dafür gesorgt, dass der Standort Berlin und die Region weiter an Bedeutung gewinnen. Erinnert sei nur an die Ansiedlung von Tesla in Brandenburg, den Umzug der Berliner Dependance von Google und das Siemensprojekt in Spandau. Vor einem Jahr sagte Axel Bard Bringéus, der als Investment Advisor für den Geldgeber EQT Ventures arbeitet, dass der Trend nicht aufzuhalten sei. „Berlin wird sich zur Tech-Metropole entwickeln“, lautet seine Prognose. Die Rahmenbedingungen dafür scheinen noch immer zu stimmen.

Allerdings hat die Corona-Zeit auch dafür gesorgt, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiten können. Nicht selten ist gerade das in der gut vernetzten Techbranche möglich. Für die Wahl des Wohnorts bedeutet das: Die Mitarbeiter haben oft die Möglichkeit, dort zu arbeiten, wo es ihnen passt – unabhängig vom Standort des Arbeitgebers. Erst in Zukunft wird sich zeigen, wie sich dieser Trend auf Großstädte wie Berlin auswirkt.