Mit Beziehungen ist das ja immer so eine Sache. Wie lange halten sie nur? Der Kabarettist Bernd Stelter amüsiert seine Gäste bei seinem Auftritten mit der Beobachtung, dass man bei manchen Paaren schon auf dem Standesamt wisse, dass eine Sanduhr genügen wird, um die Dauer der Beziehung zu messen. Die Liebe wird Minuten, Stunden, höchstens ein paar Tage halten. Aber wie Gewissheit erlangen, dass es nicht so kommt?

Verräterische Stimme

Forscher in England haben jetzt Sprachdaten ausgewertet – und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass die Haushaltshelfer wie Alexa oder Google Home in Zukunft unsere Unterhaltungen so gut auswerten können, dass sie in Stresssituationen beruhigend wirken können und zudem wichtige Indizien dafür liefern, wer wirklich zu uns passt.

Dagmar M. Schuller kennt sich aus mit Sprachsteuerung. Sie ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Audeering. Das Unternehmen aus Bayern hat sich auf die Auswertung von Audiosignalen spezialisiert und ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Eine erste Datenanalyse der Stimmungspersönlichkeit würde für Frau Schuller ergeben: schnelle Sprachfrequenz, engagiert und temperamentvoll. Die Technik sei wirklich auf einem guten Weg, um auch emotionale Intelligenz anwenden zu können, sagt die Forscherin.

Schon jetzt werden Gespräche in Call-Centern aufgezeichnet und ausgewertet. Wer hat was gesagt? Wer hatte welchen Gesprächsanteil? Wie war die Stimmung während des Dialogs? Solche Sachen kann nicht nur das bayerische Unternehmen analysieren.

Algorithmen erkennen Emotionen

Um das hinzukriegen, sind mehrere Faktoren wichtig: Die Technik muss zunächst erkennen können, wer überhaupt spricht. Die einfachen Haushaltshilfen heutzutage bemerken nur, dass jemand spricht, können aber noch nicht unterscheiden zwischen verschiedenen Personen. „Das ist aber nur eine Frage der Zeit, wann das Standard wird“, sagt Schuller. Im Laborbetrieb klappe das schon in mehr als 90 Prozent der Fälle.

Und dann geht es um die Befindlichkeit der Personen. Wie geht es wem? Früher haben Wissenschaftler geglaubt, dass der Gesichtsausdruck am meisten über unser Empfinden verrät. Doch wenn es darum geht, Daten auszuwerten, ist unsere Stimme viel hilfreicher. Etwa 50 emotionale Zustände können die Algorithmen inzwischen erkennen. Bei Audeering ist auf einem Video zu sehen, wie auf spielerische Weise die Rechner trainiert werden.

Mehrere Probanden sitzen vor ihren Bildschirmen und sollen bei einem Computerspiel ihren Langläufer mit anspornenden Kommandos oder Lauten nach vorne bringen. In dem Video wird es richtig laut. So lernen die Systeme beispielsweise, wie sich menschliche Emotionen anhören, wenn es um Motivation, Erfolg und Enttäuschung geht. Am Anfang hat Audeering mit Schauspielern gearbeitet, doch das Ergebnis war nicht überzeugend, Wut-Attacken oder Tränenausbrüche wirkten gekünstelt.

KI hat Einfluss auf Kommunikation

Der nächste Schritt: Wo befinden sich die Personen? Das ist nicht sonderlich schwierig zu analysieren, denn die Mikrofone arbeiten heutzutage so präzise, dass sie Umgebungsgeräusche sehr genau ermitteln können, denn auf der Straße hört man Autos, im Wald das Rascheln der Blätter und zu Hause ist es eher ruhig.

Mit diesen Informationen können die Programme eine Menge machen. Die Wissenschaftler in England gehen davon aus, dass Künstliche Intelligenz (KI) einen signifikanten Einfluss auf die Kommunikationsmuster in Beziehungen haben werden. KI könne verpasste Hinweise in Gesprächen aufgreifen und intervenieren.

Hilfe bei der Partnerwahl

Frau Schuller nennt zwei Beispiele. Wenn ein Paar streitet, dann könnte der Lautsprecher vorschlagen: „Wollen Sie sich nicht beruhigen?“ Bei einer sogenannten Feeback-Schleife würde das Gerät die Emotion erkennen und fragen, ob irgendetwas gerade nicht in Ordnung sei. Und später ist dann eine genaue Analyse möglich: Wer ist wem wie oft ins Wort gefallen? Wer hat den anderen nie ausreden lassen? So etwas ließe sich ermitteln und könnte für einen Paartherapeuten hilfreich sein.

Spracherkennung und andere Aspekte, die auf Künstlicher Intelligenz beruhen, könnten auch bei der Partnerwahl in Zukunft noch stärker eingesetzt werden. Schon jetzt setzen Dating-Börsen auf Maschinenlernen, aber das ließe sich noch verfeinern, sagen die Wissenschaftler aus England. Mit Hilfe von Wearables, also den Minicomputern am Handgelenk, könnten Körpertemperatur und Blutdruck gemessen werden, wenn es um die Liebe des Lebens geht. Dazu eine gute Gen-Analyse, dann dürfte die Partnerwahl nicht mehr schwierig sein. So sehen das jedenfalls die Wissenschaftler in England.