Stammzellen: Zellverjüngung im lebendigen Mäuseleib

Ein neues, im Magazin Nature veröffentlichtes Ergebnis der Stammzellforschung weckt die Hoffnung, eines Tages zerstörte Körperteile an Ort und Stelle wieder aufbauen zu können. Spanischen Forschern ist es gelungen, ausgereifte Zellen direkt im Körper in iPS-Zellen zu verwandeln – in jene induzierten pluripotenten Stammzellen also, aus denen alle Zelltypen des Körpers hervorgehen können. Bislang hat das Team um María Abad und Manuel Serrano vom Nationalen Krebsforschungszentrum CNIO in Madrid seine Methode allerdings nur an Mäusen getestet.

Besonders erfreulich war das Verfahren, bei dem die Forscher auf den bewährten Cocktail der vier Gene Oct4, Sox2, Klf4 and c-Myc zurückgriffen, für die Tiere nicht: Die Nager entwickelten Teratome in den Nieren, im Magen, im Darm und an anderen Stellen. Teratome sind Tumore, die sich aus Stammzellen entwickeln.

Begeistert sind die Forscher aber darüber, dass die im Körper geschaffenen iPS-Zellen ein noch größeres Potenzial zur Verwandlung als iPS-Zellen aus der Petrischale und sogar als embryonale Stammzellen besitzen. Beide gelten als pluripotent. Das heißt, aus ihnen können alle Zelltypen eines sich entwickelnden Embryos hervorgehen. Die von Abad und Serrano geschaffenen iPS-Zellen scheinen sogar Eigenschaften von totipotenten Zellen zu haben, also von Zellen, aus denen ganze Individuen hervorgehen können.

„Entwicklungsbiologisch gesehen ist diese Studie höchst interessant“, urteilt der deutsche Stammzellforscher Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. „Tatsächlich scheinen die von Abad und Serrano generierten Zellen sich in einem noch früheren Entwicklungsstadium zu befinden als embryonale Stammzellen.“

Schöler plant, seine spanischen Kollegen um ein paar der in vivo gezüchteten Zellen zu bitten. „Ich würde gerne herausfinden, ob sie den Zellen des Morula-Stadiums entsprechen, und ob man embryonale Stammzellen in dieses noch frühere Entwicklungsstadium versetzen kann.“ Als Morula wird ein kugelförmiges Gebilde bezeichnet, das am dritten Tag nach der Befruchtung entsteht und aus 16, 32 oder 64 Zellen besteht. Aus der Morula geht am vierten Tag die Blastozyste hervor, die die embryonalen Stammzellen enthält.

Einen therapeutischen Nutzen sieht Schöler allerdings nicht direkt: „Innerhalb des Körpers werden sich die iPS-Zellen in ihrer Entwicklung kaum in eine gewünschte Richtung dirigieren lassen.“ Die Regeneration an Ort und Stelle, bleibt wohl auf lange Sicht, wenn nicht für immer, Utopie. (bro.)