Von Smartphones bis VR-Brillen: Die Auswahl ist groß.
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Berlin In der Berliner Start-up-Szene sorgt eine neue Geschäftsidee für Furore. Es geht um Miet-Commerce für Unterhaltungselektronik. Für kleines Geld können Konsumenten beim Start-up „Grover“ Produkte aus der Elektronikbranche mieten, statt zu kaufen.  Ein Gespräch mit Michael Cassau. Er ist gebürtiger Berliner und Gründer und Geschäftsführer des jungen Unternehmens.

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Zur Person

Michael Cassau (34) hat im Investmentbanking bei Goldman Sachs in London angefangen. Von 2014 bis 2015 war er bei Rocket Internet für die internationale Verbreitung verantwortlich. Der Gründer von „Grover“ fungiert zurzeit auch als dessen Geschäftsführer.
Das Start-up „Grover“ hat mehr als 100 Mitarbeiter aus mehr als 30 Nationen. Große Kooperationen gibt es seit 2017, es ging mit MediaMarkt los, 2018 kam dann Saturn dazu.

Herr Cassau, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, Elektronikprodukte zu vermieten?
Vor fünf Jahren gab es da ein Schlüsselerlebnis. Damals musste ich für wenige Monate von London nach Berlin umziehen. Für den definierten Zeitraum gab es nur die Möglichkeit, Möbel zu kaufen, um die Wohnung einzurichten. Ich hielt das für eine ziemlich ineffiziente Nutzung meines Kapitals.

Inzwischen kann man überall möblierte Wohnung in Berlin finden. Damals konnte man  Filme, Musik, Fahrräder und Autos mieten, den Rest aber nicht. Und so ist „Grover“ zu meiner Antwort auf die „Access over Ownership“-Bewegung geworden, es geht also um den Zugang und nicht den Besitz.

Warum ist das Mietmodell die Zukunft auch im Elektronikbereich? Kunden legen immer mehr Wert auf Flexibilität im Zugang zu und im Umgang mit Produkten. Es geht dabei nicht mehr um den Besitz, sondern ausschließlich um die nützliche Dauer: Man nutzt ein Produkt nur so lange, wie es einem nützlich ist.

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Konsumenten sind aber oft unberechenbar. Der Trend könnte auch schnell wieder vorbei sein.
Ich gehe davon aus, dass das Geschäftsmodell sich durch die zunehmende Zeitknappheit verstärken wird. Bedarfsorientierte, kurzfristige Konsumentscheidungen werden zur Norm werden.

Wer zahlt, wenn etwas kaputt geht?
Wir bieten einen Service, der übernimmt 90 Prozent der Reparaturkosten bei Unfallschäden wie Displaybruch, Wasserschäden und technischen Defekten. Bei Hersteller- oder Softwarefehlern trägt der Kunde keine Kosten. Bei Verlust oder Diebstahl trägt der Kunde die Kosten – oder es greift die private Haftpflichtversicherung.

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Auch deshalb ist das Mietmodell zukunftsweisend. Es ist ressourcensparender als der konventionelle Konsum. Die Vermietung von Produkten – im Fall von „Grover“ eben Unterhaltungselektronik – an mehrere Nutzer über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg ermöglicht es, jedes Gerät so lange wie möglich zu nutzen. Das reduziert auch die Menge des Abfalls. Bei „Grover“ reduzieren wir somit Elektroschrott.  Allein im vergangenen Jahr haben wir fast 100 000 Geräte rezirkuliert.

Wie haben Sie die Menschen von Ihrer Geschäftsidee überzeugt?
Der Start im Gründungsjahr 2015 war von den üblichen Start-up-Hürden geprägt. Damals haben wir die Bestellungen noch direkt aus unserem Büro versendet. Investoren zu überzeugen, war nicht einfach.

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Wann hat sich das geändert?  
Mit der Erweiterung unseres Produktangebots – beispielsweise um das neue iPhone damals – nahm die Zahl der Bestellungen zu. Danach hat sich unser Geschäftsmodell schnell bewährt.

Warum ist Berlin der richtige Standort für ein Start-up wie Grover?
Weil ich in Berlin aufgewachsen bin, in Charlottenburg genau.

Und warum noch?
Die Standortkosten sind noch bezahlbar, es herrscht ein solides Umfeld für Finanzierung mit einem guten Netzwerk für Gründer.

Was passiert in Zukunft?
Wir wollen der Öffentlichkeit die besten und technisch fortschrittlichsten E-Mikrofahrzeuge zur flexiblen Monatsmiete bereitstellen.