Wenn Leute bereit sind, Tausende von Euro als Finderlohn für eine Wohnungsvermittlung auszugeben, wenn 800 Menschen sich um eine Wohnung bewerben und dann die Besichtigung doch ausfällt, dann weiß man: Es ist 2018. Und wir sind in Berlin.

Es gibt zwei Männer, die das ändern wollen. Sebastian Melchert und Raymond Naseem vom Start-up „Housy“ wollen Wohnungssuchenden und Vermietern eine Menge Frust ersparen, indem sie Mieter und Vermieter nach dem Datingprinzip miteinander matchen, also zusammenbringen.

Vermieter bittet um Kontakt

Die beiden Urberliner kennen sich seit der Grundschule und haben zusammen Abi gemacht, dann erst getrennte berufliche Wege eingeschlagen. Als sie später zusammen auf Wohnungssuche waren, ging es ihnen wie den meisten Berlinern: Sie scrollten durch die Immobilienportale und standen mit Dutzenden anderen Interessenten in den Warteschlangen. „Wir fanden dieses Prozedere damals schon unsinnig – wenn der Vermieter jemanden im Vorfeld nicht haben will, soll er einem das mitteilen können. Das spart Zeit“, sagt Sebastian Melchert.

Um das zu erreichen, muss der natürliche Prozess komplett umgekehrt werden. Als Mieter solle man seine Suchkriterien definieren, und der Vermieter könne dann entscheiden, ob der potenzielle Mieter in Frage kommt, so die Gründer. Die Idee zu „Housy“ war geboren: ein unabhängiger Marktplatz, der den veralteten Prozess der Wohnungssuche erneuern soll. Dort können sich Mieter und Vermieter ähnlich wie bei Dating-Portalen registrieren und miteinander in Kontakt treten, wenn sie einander als „Match“ vorgeschlagen wurden. „Wir sind die neue Immobilien-Plattform“, sagt Melchert. Der Prozess ist kostenlos, erst bei erfolgreicher Vermittlung fällt einmalig eine halbe Nettokaltmiete für den Vermieter an.

Kleinere Anbieter legen auch Wert auf soziale Faktoren

Auf der Homepage von „Housy“ strahlt ein glückliches Pärchen den Leser an. Vielleicht haben sie gerade die Zusage für die Drei-Zimmer Altbauwohnung mit Stuck am Landwehrkanal bekommen. „Lass auch du dich von Vermietern finden“ steht daneben. Hier kann man sich ein Suchprofil samt Wunschwohnung, eigenem Einkommen und anderen persönlichen Details wie der Bonitätsauskunft anlegen. Mehr braucht man nicht zu tun. Dann heißt es abwarten. Wenn dem Vermieter das Basisprofil des potenziellen Mieters gefällt, kann er in Kontakt treten und sein Objekt an ihn versenden. Erst dann ist direkter Kontakt zwischen dem Vermieter und dem Wohnungssuchenden möglich.

Aber suchen nicht alle Vermieter Mieter mit Festanstellung und einem Einkommen von mehr 3000 Euro? „So unterschiedlich die Mieter sind, so unterschiedlich sind auch die Vermieter“, sagt Sebastian Melchert. Die großen Hausverwaltungen hätten natürlich sehr strikte Kriterien, wenn es um Bonitätsfaktoren geht. Es gäbe aber auch viele mittelgroße und kleinere Anbieter, die auf soziale Faktoren Wert legen und nicht Hunderte ungefilterte Bewerbungen bekommen wollen. Es sei interessanter für diese Vermieter, eine Vorauswahl zu treffen und im Gespräch herauszufinden, wer passen könnte.

„Housy“ arbeitet auch mit vielen Verwaltungen zusammen, auch solche die WBS-Wohnungen anbieten. Hier hätten die Vermieter Schwierigkeiten, den Mieter mit dem richtigen Schein zu finden. Die Prämisse von „Housy“ wirkt fast zu schön, um wahr zu sein. Wie soll das auf dem aktuellen Markt funktionieren, wo die Nachfrage höher als das Angebot ist? „Wir können keine Häuser bauen, aber wir wollen die Prozesse optimieren“ sagt Raymond Naseem.

Vermieter bleibt anonym

Und was passiert mit den Nutzerdaten? „Wir achten auf die Daten unserer Wohnungssuchenden“, erklärt Naseem. Die Nutzerdaten bleiben geschützt bei „Housy“, die Wohnungssuchenden entscheiden selber, wem und wann sie diese übermitteln wollen. Davor bleiben potenzielle Mieter für die Vermieter also anonym. Die Vermieter sehen nur, dass der Interessent verifiziert ist und welche Unterlagen vorhanden sind, können diese aber nicht einsehen. Das passiert erst nach einem Match und auf Wunsch des Mieters. Nach dem Namen kann dementsprechend nicht selektiert werden, auch Bilder gibt es im Vorfeld nicht zu sehen. „Es sollte egal sein, wer in der Wohnung wohnt, solange er Miete zahlt“, sagt Melchert.

Generell scheint die Datenschutzgrundverordnung bei allen Beteiligten im Netz etwas angestoßen zu haben. Naseem und Melchert berichten von Usern, die explizit ein Löschen ihres Accounts verlangten. Die Nutzer scheinen verstanden zu haben, aber nicht nur sie. „Nach der DSGVO haben auch die Start-ups sich schnell angepasst“, sagt Melchert. Bisher sind 5500 Nutzer bei „Housy“ registriert. Die langfristige, hoch ambitionierte Vision des Portals ist es, eine Wohnung so einfach mieten zu können wie ein Hotelzimmer. Und das nicht nur in Berlin, die Macher von „Housy“ hoffen, auch in anderen deutschen Städten aktiv werden zu können.