Berlin - In unter einer Minute 35 Apps über mobile Daten aktualisiert – das geht, und zwar mit 5G. Die neue Funktechnik verspricht bis zu 1 Gigabit pro Sekunde und extrem schnelle Reaktionszeiten. Immer mehr Antennen werden jede Woche aktiviert und die Mobilfunkanbieter rühren die Werbetrommel. Die Frage also stellt sich: Lohnt sich der Umstieg auf 5G schon?

„Ich bezeichne 5G momentan noch als Marketing,“ sagt Thorsten Neuhetzki. Der Mobilfunkexperte beim Technikmagazin inside digital sieht in den nächsten ein bis zwei Jahren noch keinen großen Nutzen für private 5G-Tarife, weil der Netzausbau erst am Anfang steht. Bislang gebe es nämlich erst wenige echte 5G-Antennen, sagt Neuhetzki.

Ein Großteil dessen, was die Mobilfunkanbieter momentan 5G nennen, läuft über 4G- und 3G-Antennen und die dahinter liegende Infrastruktur. Schnell ist die Verbindung trotzdem, nur eben noch weit davon entfernt, was 5G am Ende leisten kann. Hinzu kommt: Nicht jedes als 5G-fähig verkaufte Smartphone kommt mit der aktuellen Technik aus LTE-Ankerzelle und 5G-Turbo klar, sagt Neuhetzki.

Sein Urteil: „Für den ganz normalen Privatkunden sehe ich bisher wenig Mehrwert durch 5G.“ Momentan sei den meisten Nutzern mit einem gut ausgebauten LTE-Netz besser gedient. Schaden könne 5G aber auch nicht. „Der große Vorteil ist: Im 5G-Netz ist man bislang recht alleine.“ Und je weniger Nutzer, desto schneller surft der Einzelne.

In den großen Städten ist das Netz teilweise schon gut ausgebaut, man profitiert von schnellen Downloads und Reaktionszeiten. Fragt man bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) nach dem Ausbaustand, hört man, dass das deutsche 5G-Netz auf einem ganz guten Weg sei. Zumindest gemessen an der Ausbaugeschwindigkeit vorheriger Standards wie UMTS (3G) und LTE (4G) gehe es bei 5G schon deutlich schneller. Parallel geht auch der Ausbau des LTE-Netz weiter.

Welche Technik die Netzanbieter für den Ausbau und das Erfüllen der BNetzA-Auflagen nutzen, bleibt dabei ihnen überlassen. Bis Ende 2022 müssen sie nach Angaben der BNetzA zum Beispiel die Hauptverkehrswege in Deutschland und 98 Prozent der Haushalte mit einer Bandbreite von 100 Megabit pro Sekunde (100 MBit/s) versorgen. Ende 2024 sollen alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 MBit/s sowie alle Landes- und Staatsstraßen, die Seehäfen und wichtigsten Wasserstraßen und alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 MBit/s versorgt werden. Das kann mit LTE geschehen oder eben mit 5G-Technik.

Perspektivisch kann man also sagen: In ausgebauten Bereichen lohnt sich 5G schon – und die ausgebauten Bereiche wachsen. „Es schadet nicht“, sagt Thorsten Neuhetzki zu 5G-Wechselwilligen. Das Schlimmste, was passieren könne, sei, dass man im 5G-Netz an manchen Stellen langsamer unterwegs sei als im LTE-Netz.