Die Warn-App „StopCovid“ soll ab 2. Juni in Frankreich zur Verfügung stehen. (Symbolbild) Foto: imago images/Sabine Gudath

ParisNach Indien, Deutschland und England plant nun auch Frankreich eine eigene Corona-Warn-App zu starten. Bereits Anfang Juni soll „StopCovid“ verfügbar sein, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Kommende Woche befassen sich demnach das Parlament in Paris sowie Datenschützer mit den Plänen. AFP hat einen Überblick zu den wichtigsten Fragen erstellt:

Was für eine Corona-App ist geplant?

Die Warn-App „StopCovid“ soll ab dem 2. Juni in Frankreich zur Verfügung stehen - rund zwei Wochen vor der deutschen App. Alle Interessierten können die Anwendung freiwillig auf ihr Handy laden. Sie soll auf Apple-Handys sowie auf Smartphones mit dem Betriebssystem Android laufen. Technisch ist sie von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig, betont die französische Regierung.

Wie funktioniert „StopCovid“?

Mithilfe der Bluetooth-Technologie soll ein Nutzer erkennen können, ob er sich zuletzt in der Nähe eines Corona-Infizierten aufgehalten hat. Er erhält dann eine Warn-Nachricht. Voraussetzung ist allerdings, dass die andere Person auch diese Funktion eingeschaltet hat. Der Gewarnte kann sich dann testen lassen oder sich freiwillig in Quarantäne begeben.

Warum ist „StopCovid“ mit der geplanten deutschen App nicht kompatibel?

Anders als Deutschland hat sich Frankreich für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Das könnte die Interoperabilität zwischen den beiden Systemen massiv erschweren, wie es aus Regierungskreisen heißt.

Warum ist das ein Problem?

Zehntausende Grenzgänger können voraussichtlich erst einmal nicht von der Alarmfunktion profitieren. Das ist heikel, weil es im französischen Grenzgebiet zu Deutschland seit März sehr viele Coronavirus-Fälle gab und die Krankenhäuser dort überlastet waren. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben.

Wie steht es um Corona und den Datenschutz?

Das ist in Frankreich wie in Deutschland umstritten. „Es handelt sich nicht um eine Überwachungs-App“, beschwichtigte der Chef des französischen Technik-Forschungsinstituts Inria, das die Entwicklung der App beaufsichtigt. Laut einer Umfrage von Harris Interactive sind 59 Prozent der Franzosen grundsätzlich für die App, 54 Prozent machen sich aber Sorgen um Datenmissbrauch. Richtig ist: Die App ist anonymisiert. Mehr als 150 IT-Sicherheitsexperten fürchten dennoch, dass Daten abgefischt und zu bestimmten Personen zurückverfolgt werden könnten.

Welche Sorgen gibt es zur Corona-App noch?

IT-Experten warnen zudem vor Falschalarmen oder auch Fehlinterpretationen durch die Nutzer. Denn durch eine Warnung sei nicht klar ersichtlich, wer der Infizierte sei. Wenn jemand in einem kleinen Laden etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus - auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Wie geht es mit „StopCovid“ nun weiter?

Am kommenden Mittwoch soll zunächst die französische Nationalversammlung - das Unterhaus des Parlaments - über die App diskutieren. Auch die Datenschutzbehörde Cnil soll sich im Laufe der Woche äußern. Die Stellungnahmen sind jedoch nicht verbindlich. Da die Nutzung der App freiwillig ist, ist laut Regierung keine gesetzliche Regelung notwendig.