Jamule gehört zu den deutschen Musikern, die bei den Streamingdiensten besonders oft angesteuert werden.
Foto: A Million Life/Niculai Constantinescu

BerlinDer rasant zunehmende Verkauf von Audiostreams hat die deutsche Musikindustrie vor einem Corona-Absturz bewahrt und ihr sogar ein beachtliches Umsatzplus beschert. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erlöste die Branche mit Musik aus dem Internet, CDs und Vinylplatten insgesamt 783,7 Millionen Euro – 4,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (748,1 Millionen Euro).

„Verantwortlich für das positive Ergebnis ist das weiter auf hohem Niveau dynamisch wachsende Audiostreaming, das um 20,7 Prozent zulegte und seine Position als umsatzstärkstes Format weiter ausbauen konnte“, teilte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Donnerstag in Berlin mit. Die CD (minus 22,9 Prozent) habe hingegen „mit einer gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelten Rückgangsrate stark gelitten durch die krisenbedingten Maßnahmen, die auch den stationären Handel betrafen“.

Dagegen bleibt die schon seit Jahren wieder populäre Vinylscheibe im Aufwärtstrend – und zwar trotz coronabedingter Probleme vieler Plattenläden seit März: plus 4,6 Prozent im ersten Halbjahr 2020. Beim Verkauf von Downloads ging es erneut deutlich bergab (minus 22,5 Prozent). Videostreaming sei mit 31,3 Prozent stark gewachsen, habe aber „mit 3,3 Prozent noch immer einen sehr geringen Marktanteil“, hieß es.

Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke sagte: „Dass sich die Branche in der Corona-Krise im ersten Halbjahr 2020 insgesamt belastbar gezeigt hat, ist sehr erfreulich und ein Ergebnis der erfolgreichen Digitalstrategie der Mitgliedsfirmen in den vergangenen Jahren.“ Audiostreaming habe mit 65,7 Prozent den größten Anteil an den Brancheneinnahmen, es folgten die CD mit 20 Prozent, Downloads mit 5,1 Prozent und Vinylplatten mit 4,5 Prozent, so der Verband.

Drücke warnte zugleich: „Unbedingt wichtig ist jedoch, diese positiven Zahlen im musikwirtschaftlichen Gesamtkontext einzuordnen, denn das leichte Wachstum in unserer Branche darf nicht davon ablenken, wie groß die Krise für den Live-Sektor ist.“ Dies habe verheerende Auswirkungen für die Künstler. Sein Verband vertritt die Interessen von rund 200 Tonträgerherstellern und Musikunternehmen, die mehr als 80 Prozent des deutschen Musikmarkts repräsentieren.