London - Im Jahr 2015 werden 233 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Empfängnisverhütungsmethoden haben, obwohl sie sich dies wünschen. Das schätzen Forscher vom Department of Economic and Social Affairs der Vereinten Nationen und der National University of Singapore. Sie werteten die Daten über die Häufigkeit von Verhütungsmethoden und den ungedeckten Bedarf bei Kontrazeptiva in 194 Ländern weltweit zwischen 1990 und 2010 aus.

Die Studie zeigt, dass die Verwendung von Verhütungsmitteln bei verheirateten Frauen im gebärfähigem Alter zwar von 55 Prozent 1990 auf 63 Prozent 2010 gestiegen ist. Der ungedeckte Bedarf der Pille und anderen empfängnisverhütenden Mitteln sank jedoch im selben Zeitraum von 15 auf 12 Prozent. Die Gründe für diese Diskrepanz seien das Bevölkerungswachstum und der weltweit zunehmende Wunsch nach moderner Familienplanung, schreiben die Forscher in der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“. Beides trage dazu bei, dass die Nachfrage nach Verhütungsmitteln steige.

Fehlende Verhütung hat Konsequenzen

2015 werden den Wissenschaftlern zufolge 233 Millionen Frauen weltweit einen ungedeckten Bedarf an Kontrazeptiva haben. Die Wissenschaftler erhoffen sich, dass ihre Studienergebnisse zu gezielten Investitionen in der Familienplanung führen.

Im Jahr 2010 hätten 20 Prozent der verheirateten Frauen in Ost-, Zentral- und Westafrika gerne Verhütungsmittel angewendet. Besonders in dieser Region hat ihr Fehlen Konsequenzen. Die Länder in der Sahelzone, wie der Tschad, Mali und Mauretanien werden ohne eine verbesserte Verhütung vermutlich eine Verdreifachung ihrer Bevölkerung bis zur Mitte des Jahrhunderts erleben, schreibt Prof. John Cleland von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in einem Kommentar zur Studie. Dies sei eine zu große Last für ihre ohnehin schon fragilen Ökosysteme. (dpa)