Berlin - In der Corona-Krise hat sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit verstärkt. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Wuppertal Instituts für Nachhaltigkeitsforschung im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie des Online-Portals eBay Kleinanzeigen. Für die quantitative Studie wurden im Zeitraum vom 25. August bis 2. September 2021 mehr als tausend Menschen in Deutschland befragt. 

71 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die Bedeutung von Umweltschutz in ihrem Alltag zunehme. Ein Treiber dieser Entwicklung sei offenbar auch die Corona-Krise: Die Mehrheit der Befragten gab in der Studie an, infolge der Pandemie zumindest teilweise bewusster nachhaltig zu handeln. Auch gebrauchte Produkte seien für viele zunehmend eine Alternative zu Neuwaren. 

Schutz der Umwelt spielt große Rolle

Vier von zehn Befragten würden bereits mindestens zweimal im Jahr Secondhand kaufen – am häufigsten die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen. 61 Prozent der Befragten in diesem Alter hätten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal etwas aus zweiter Hand gekauft – ein Drittel in dieser Altersgruppe (33 Prozent) sogar mehrfach. Neben der Möglichkeit, beim Kauf zu sparen, spiele dabei der Schutz der Umwelt die größte Rolle für die Befragten. 

Manche Produkte werden laut der Studie mittlerweile sogar lieber gebraucht als neu gekauft. So gab etwa die Hälfte der Befragten an, Bücher bevorzugt gebraucht zu erwerben. Jede dritte Person entscheide sich außerdem bei Fahrzeugen vorrangig für ein gebrauchtes Modell, und 28 Prozent griffen bei Kleidung, Schuhen oder Accessoires lieber zu Secondhand-Ware statt zu neuen Produkten.

„Die vorliegende Studie zeigt, wie gigantisch das Potenzial der Wiederverwendung von guten und funktionsfähigen Gegenständen ist“, sagt Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz bei der Senatsverwaltung. Auch das Land Berlin verfolge eine Zero-Waste-Strategie, bei der durch Wiederverwendung und Recycling ökologische Stoffkreisläufe geschlossen werden. „Hierzu kann jede und jeder Einzelne etwas beitragen. Das fängt damit an, alte Sachen nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie zu reparieren oder zu verkaufen,“ sagt Tidow. 

Ungenutzte Produkte in 88 Prozent der Haushalte 

Insgesamt gibt es laut der Studie in 88 Prozent der deutschen Haushalte Produkte, die nicht genutzt würden. Deren Wert betrage durchschnittlich 1297 Euro. Damit würden hierzulande rechnerisch insgesamt gut 52,6 Milliarden Euro in den Haushalten ungenutzt herumliegen.

Auch wenn der Handel mit gebrauchten Produkten im vergangenen Jahr an Bedeutung gewonnen habe, blieben dennoch einige Vorbehalte. So gebe es unter den Befragten etwa eine Unsicherheit bezüglich der Funktionsfähigkeit der Produkte oder es fehle das nötige Vertrauen in den Verkäufer.