In der aktuellen Studie gaben 37 Prozent der befragten Abhängigen an, dass sie hauptsächlich Online-Spiele spielten, während weitere 37 Prozent der Abhängigen in sozialen Netzwerken aktiv waren. 27 Prozent nutzten andere Internetanwendungen.

Insgesamt betrachtet sind Männer und Frauen fast gleichermaßen von Internetabhängigkeit betroffen. Deutliche Unterschiede bestehen allerdings in der Art der exzessiven Internetnutzung: Während abhängiges Computerspielen primär bei Männern anzutreffen ist, sind Frauen eher von der Nutzung Sozialer Netzwerke abhängig.

Zur Bestimmung der Internetabhängigkeit wurde in der Studie erstmals der Kriterienkatalog der American Psychiatric Association (APA) aus dem 2013 neu erschienenen "Diagnostischen und Statistischen Manual für Psychische Störungen 5 (DSM-5)" für die Internet-Spiel-Störung ("Internet Gaming Disorder") verwendet.

Dort sind neun unterschiedliche Symptome beschrieben, zum Beispiel: Entzugserscheinungen, wenn das Internet nicht zur Verfügung steht, Verlust des Interesses an anderen Hobbys, andauernde exzessive Nutzung trotz des Wissens um psychosoziale Probleme, Täuschen von Familienmitglieder über das wirkliche Ausmaß der Internet-Nutzung, Gefährdung oder Verlust von Freundschaften, Verlust von Karriere-Möglichkeiten im Beruf, Nutzung von Online-Spielen, um negative Emotionen (Schuld, Ängstlichkeit, Hilfslosigkeit) zu lindern. Liegen mindestens fünf der neun Symptome vor, sprechen die Experten von Internet-Spielsucht. In der Lübecker Studie wurden die Kriterien auch bei der Nutzung sozialer Netzwerke angewendet.

Die aktuelle Studie weist nach, dass mit einer Diagnose der Internetabhängigkeit häufig auch andere psychische Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörungen verbunden sind. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass die Internetabhängigkeit unabhängig von der Art der exzessiven Nutzung mit deutlichen negativen Auswirkungen auf das Sozialleben bis zur Arbeitsunfähigkeit verbunden ist.

Die Studie wurde vom Bundesgesundheitsministerium mit 250.000 Euro gefördert. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP) erklärte, die Ergebnisse zeigten, dass die auf Computerspieler zugeschnittenen Präventions- und Therapieangebote ausgebaut und weiter entwickelt werden müssten. Die Hilfsangebote sollten außerdem um spezielle Angebote für weibliche Internetabhängige und Nutzer von sozialen Netzwerken ergänzt werden. „Die Gefahr, bei der Nutzung von Sozialen Netzwerken ein exzessives oder abhängiges Verhalten zu entwickeln, muss künftig besser ins Blickfeld genommen werden."