Mitinitiatorin des Projekts, Johanna Kühner.
Foto: Supercoop

BerlinEin Supermarkt, der wie ein Privatclub geführt wird, das gibt es noch nicht in dieser Stadt. Aber die Vorbereitungen dafür laufen. Supercoop nennt sich das entsprechende Projekt, das den hiesigen Lebensmittel-Einzelhandel revolutionieren soll. Denn wer in einem Supercoop-Markt einkaufen will, muss Genossenschaftsmitglied sein. Einmalig 100 Euro sind dafür in die Gemeinschaftskasse zu zahlen.

Darüber hinaus müssen die Mitglieder monatlich drei Stunden im Supermarkt arbeiten. Unentgeltlich, versteht sich, um die Betriebskosten zu senken. Die Gegenleistung: ökologisch hochwertige Produkte, idealerweise aus der Region und unverpackt, in bester Qualität zum vergleichsweise günstigen Preis.

Johanna Kühner, Mitinitiatorin des Projekts, beruft sich auf eine aktuelle Oxfam-Studie, in der das Bündnis internationaler Hilfsorganisationen festgestellt habe, dass deutsche Supermärkte „zu den intransparentesten und unnachhaltigsten Europas“ zählen. Das sei in einem kooperativen Supermarkt anders. „Bei Supercoop geht es nicht um den Gewinn für einen Investor, sondern um sehr persönlichen Gewinn an Lebens- und Ernährungsqualität für jeden Einzelnen“, sagt die 22-jährige Innovationsmanagement-Studentin. Das Hauptziel sei es, allen Mitgliedern eine gute Ernährung zu ermöglichen.

Vorbilder in New York und Paris

Dass das funktionieren kann, wurde in New York und Paris bereits bewiesen. In der US-Metropole öffnete der erste kooperative Supermarkt bereits vor 45 Jahren. 17 000 Mitglieder zählt die Kooperative dort, die etwa beschlossen hat, in ihrem Laden kein Wasser in Plastikflaschen mehr zu verkaufen. Paris zog 2016 nach. Dort hat die Genossenschaft mittlerweile 6 000 Mitglieder.

Tatsächlich sollen die Genossenschaftsmitglieder mit ihren drei Monatsstunden dem Modell nach das gesamte Geschäft im Verkaufsraum bestreiten. Sie räumen die Regale ein, sorgen für Sauberkeit, sitzen an der Kasse. Nur das Filialmanagement betreiben Mitarbeiter mit Festanstellung. Ihnen, so Kühner, werde ein „fairer Lohn“ gezahlt. Ob die Angestellten tatsächlich nach Einzelhandelstarif entlohnt werden, wollte sie indes nicht versprechen.

Im Moment sind die Einzelhandels-Revoluzzer dabei, das Startkapital für den ersten Members-only-Shop in Deutschland einzusammeln. Eine vor zehn Tagen gestartete Crowdfunding-Kampagne soll 15 000 Euro bringen. Bislang haben über 200 Unterstützer etwa 8 400 Euro aufgebracht. „Es läuft gut“, sagt Johanna Kühner. Danach soll ein Kredit aufgenommen werden.

Inzwischen ist man auf der Suche nach einem geeigneten Markt. Mindestens 800 Quadratmeter sollen zur Verfügung stehen. Eine möglichst zentrale Lage schwebt Kühner vor. Innerhalb des S-Bahnrings und mit durchmischtem sozialen Milieu. „Wir wollen dorthin, wo sich nicht alle den Einkauf in einem Biomarkt leisten können“, sagt Kühner. Bestenfalls öffnet der Markt im Sommer 2020. Damit sich das Modell rechnet, braucht Supercoop dafür mindestens 1 200 Mitglieder.