Was ist da schiegelaufen mit den Daten? Auch darüber sprachen US-Journalisten mit Ari Rabin-Havt, dem Kampagnen-Chef von Bernie Sanders. 
Foto:  AP/Pablo Martinez Monsivais

BerlinNur ganz kurz zum Verständnis: Die Vereinigten Staaten sind eigentlich das Land für digitale Innovationen. Googles Suchmaschine, Facebooks Netzwerk, Apples Handy – alles Produkte, die in den vergangenen Jahren in Nordamerika entwickelt worden sind und die Welt verändert haben. Und dann das: Bei den Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat Iowa versagte die Technik. Warum? Weil offensichtlich Anfängerfehler gemacht worden sind.

Die von den Demokraten verwendete App war innerhalb von zwei Monaten zusammengebastelt worden, einen echten Härtetest habe es vor der Abstimmung nicht gegeben, sagten Leute, die mit der Wahlkampfplanung vertraut waren der New York Times. Als dann die Ergebnisse aus den Wahlkreisen erwartet wurden, zeigte sich, dass etwas nicht stimmte. Die Zahlen kamen mit großer Verspätung oder erst gar nicht an.

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In der Vergangenheit waren die Ergebnisse am frühen Abend eingetroffen, diesmal mussten die Parteichefs gegen 22.30 Uhr eine Telefonkonferenz ansetzen, weil noch viele Ergebnisse fehlten. Mehrere Regionalvorsitzende teilten mit, dass sie Schwierigkeiten gehabt hätten, die App zu nutzen. Außerdem seien Wartezeiten von bis zu einer Stunde aufgetreten, als sie versuchten, die Telefon-Hotline zu erreichen.

Offensichtlich kein Hackerangriff

Bei der Auswertung stellten die Funktionäre dann auch noch fest, dass die drei verschiedenen Datensätze, die zur Abstimmung erhoben worden waren, nicht übereinstimmten. Schnell bemühte sich die Führungsspitze, das Schlimmste auszuschließen. Einen Hackerangriff hatte es offensichtlich nicht gegeben, die Fehler waren hausgemacht.

Die App war von dem Unternehmen Shadow Inc. aus dem Silicon Valley entwickelt worden, das eigentlich einen guten Ruf genießt. Auf der Homepage werden Hillary Clinton, Barack Obama, Google und Apple als Kunden genannt. „Unsere Mission: Politische Power für eine progressive Bewegung“, heißt es auf der Website. Das Ziel, das speziell die Demokraten in Iowa vorgegeben hatten: Ergebnisse berechnen und dann möglichst schnell weitergeben.  

Nur genaue Tests könnten Fehler verhindern

Matt Blaze, Informatik-und Rechtsprofessor in Georgetown, sagte, dass die Einführung von Apps inmitten einer Wahl viele Probleme aufwerfe. Jede Technologie, sagte er, sollte von der breiteren Cybersecurity-Community getestet und immer wieder getestet werden, bevor sie öffentlich eingeführt wird. Nur so könnten kleine Fehler oder große Sicherheitslücke erkannt werden.

Das Problem der Demokraten: Auch die Parteikollegen in Nevada haben bisher mit dem Start-up Shadow zusammengearbeitet. Doch steht der nächste Wahltermin im Vorwahlkampf an – in zweieinhalb Wochen.