Das digitale Abbild einer APAS-Station ist auf einem Bildschirm zu sehen. 
Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Berlin73 Prozent der Menschen in Deutschland haben Angst vor einem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Beratungsagentur Edelman. Grund für die Angst sei vor allem der technologische Wandel. 

„Die Menschen ahnen eine schlechte Zukunft voraus, sie sind nervös“, sagt Agenturchef Richard Edelman der Deutschen Presse-Agentur. Befürchtet werde, dass mit der zunehmenden Automatisierung Arbeitsplätze wegfielen. So sei zum Beispiel unklar, was die Entwicklung autonomer Fahrzeuge für Lastwagenfahrer bedeute.

Die Agentur fragte, ob etwa Unternehmen und Medien kompetent wie auch ethisch seien

Aus der Furcht um den Arbeitsplatz entstehe auch Angst, weniger Geld zu verdienen oder soziale Anerkennung zu verlieren. Der Studie zufolge findet die Hälfte der Menschen hierzulande, dass der technologische Wandel mit zu hoher Geschwindigkeit voran schreite. Laut Edelman müssten Wirtschaft und Regierung Hand in Hand arbeiten, um das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen. Wichtig seien etwa faire Löhne sowie Möglichkeiten bei der Mitarbeiterschulung.

Als Möglichkeiten nannte Edelman steuerliche Anreize für Unternehmen, zum Beispiel bei der Aus- und Weiterbildung oder bei Angeboten eines Fernstudiums für die Mitarbeiter. Institutionen werden der Umfrage zufolge in Deutschland sehr skeptisch gesehen. Dazu fragte die Agentur, ob Unternehmen, Regierung, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGO) kompetent und ethisch seien. Denn dies seie die beiden Hauptkriterien, die für die Entstehung von Vertrauen entscheidend sind.

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Unternehmen müssen besser werden

Christiane Schulz, Edelman-Deutschland-Chefin

Resultat: Keine Institution wird als kompetent und ethisch empfunden. Nur die Wirtschaft gilt als etwas kompetent, nur Medien und NGO als leicht ethisch korrekt. „Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Unternehmen müssen besser werden“, betont Edelman-Deutschland-Chefin Christiane Schulz. Dabei gehe es nicht um Wertschöpfung oder Wertsteigerung, sondern um ethisches Verhalten - „also in Aspekten wie Fairness, Glaubwürdigkeit und ihrem Einsatz für die Zukunft unserer Gesellschaft“.

Richard Edelman fasst zusammen: „Es gibt eine Ablehnung von Autoritäten, von Fachwissen. Das ist äußert problematisch.“ Eine Möglichkeit sei es, Influencer einzubinden, in Gesundheitsfragen etwa solche, die in sozialen Medien wissenschaftliche Fragen erklären. „Ihnen wird mehr vertraut als dem Gesundheitsministerium.“ Dieses Vertrauen beträfe aber auch Nichtregierungsorganisationen: „Klassische NGO wie der WWF werden von jungen Aktivisten aufgemischt“, sagt Edelman. Die Aktivisten könnten junge Leute besser mitnehmen, sie teilten und diskutierten öffentlich.

Mehr als die Hälfte stellt den Kapitalismus und das bestehende System in Frage

Greta Thunberg nutzt die sozialen Medien äußerst professionell. Sie ist ein Vorbild für junge Leute“, sagt er. Wie Edelman bereits zuvor mitgeteilt hatte, blicken die Menschen in Deutschland der Studie zufolge pessimistisch in ihre Zukunft. Nur 23 Prozent erwartet, dass es ihm in den kommenden fünf Jahren ökonomisch besser gehen wird. Mehr als die Hälfte stellt demnach den Kapitalismus (55 Prozent) und das bestehende System in Frage (61 Prozent).

Die Umfrage ist in dem Bericht „Edelmann Trust Barometer“ zu finden, an diesem Montag soll er in Berlin  vorgestellt werden. Er ist eine jährliche Studie zu Vertrauen in Regierungen, NGO, Wirtschaft und Medien.