Weltweit sind Tesla-Autos begehrt, aber vor allem in Deutschland wird auch massiv auf Datenschutz geachtet.
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BerlinDer Autobauer Tesla gilt als besonders innovativ, wenn es um den Straßenverkehr der Zukunft geht. Aber was passiert eigentlich mit den Daten, die von den Bordcomputern erhoben werden? Die Redaktion des ARD-Magazins „Kontraste“ wirft nach seiner Recherche die Frage auf, ob der Autobauer systematisch gegen Datenschutzregeln verstößt. Tesla wird jedenfalls in dem im Netz veröffentlichten Artikel als Datenkrake bezeichnet.

In dem Text wird davon berichtet, dass Aufzeichnungen aus acht Kameras rund um den Wagen per Fernzugriff von Tesla abgerufen werden können. Dem Konzern gehe es dabei um die Erfassung von Telematik- und Videodaten zur Verbesserung seiner autonomen Fahrsysteme, aber auch um Marketing, heißt es weiter.

In einem Statement antwortete Tesla der Berliner Zeitung, dass man sich an die Datenschutz-Grundverordnung halte. Nur im Falle eines sicherheitskritischen Ereignisses (Airbag-Auslösung, Beinahe-Auslösung) oder wenn ein Kunde sich bei einem Entwicklungsprogramm angemeldet habe, würden personenbezogene Videos gesichert. Und nur wenn der Fahrer der Datenfreigabe zustimme, könne das Unternehmen das Filmmaterial empfangen.  

Als besonders kritisch wird in dem ARD-Beitrag die Möglichkeit beurteilt, dass die im und am Auto verbauten Kameras die Umgebung in hoher Auflösung filmen und die Videos unverfremdet gespeichert werden. So seien Nummernschilder klar zu erkennen. Eine Nutzung solch personenbezogener Daten sei unzulässig, so der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. 

Die Recherche wirft aber auch die Frage auf, welche Daten notwendig sind, um sicheres autonomes Fahren in Zukunft zu ermöglichen. Für Stefan Bratzel, Chef und Gründer des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, wird der gläserne Autofahrer geradezu zwingend eine Folge des autonomen Fahrens sein.

Aktuell sei vieles ungeklärt und die Automobilhersteller bewegten sich noch in einer Grauzone. „Wir müssen uns darüber im Klaren werden, was wir wollen“, sagt Bratzel der Berliner Zeitung. Aber wir sollten Innovationen nicht verhindern. Autonomes Fahren bedeute Fortschritt und auch mehr Sicherheit. „Am Ende geht es um die Abwägung zwischen Datenschutz und Menschenleben“, so der studierte Politikwissenschaftler.

Tatsächlich kommen im Automobilbau heute bereits etwa 90 Prozent aller Innovationen aus den Bereichen Software und Elektronik. In einem modernen Pkw stecken rund acht Kilometer Kabel, Hunderte Sensoren und etwa hundert Steuergeräte. Die dafür nötige Software besteht schon heute aus etwa 100 Millionen Software-Codezeilen. In autonom fahrenden Fahrzeugen wird dieser Bedarf auf 300 bis 500 Millionen Codezeilen ansteigen. Zum Vergleich: Windows 7 kam mit 40 Millionen Codezeilen aus, das Space Shuttle sogar mit nur 400.000 Zeilen.

Aber möglicherweise wird der Bedarf noch höher liegen. An der Technischen Universität wurde gerade erst eine Software vorgestellt, die auf Basis der Kamera-, Lidar- und Radardaten die Bewegungen aller Verkehrsteilnehmer in der Nähe im Voraus berechnet. Nach Angaben der Forscher des Informatik-Instituts der TU könne das System so drei bis sechs Sekunden in die Zukunft schauen.

Der ARD-Bericht wirft auch noch die Frage auf, welche deutsche Behörde in Zukunft für die Überwachung des Datenschutzes bei Tesla zuständig ist. Vielleicht die Behörde in Brandenburg, weil dort das große Werk entsteht? „Derzeit wird in Grünheide (Mark) eine Fabrik errichtet. Eine Verarbeitung personenbezogener Daten in oder durch Fahrzeuge ist damit aber nicht verbunden“, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Und weiter: „Auch lässt sich dem Handelsregistereintrag nicht entnehmen, dass am Standort Grünheide (Mark) mehr als die reine Produktion von Fahrzeugen geplant ist. Eine Entscheidung über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung personenbezogener Daten in den Fahrzeugen ist damit also nicht verbunden.“