Tierische Architekten: Liebeslaube mit Vorhof

Die Bauwirtschaft hat gerade wieder Hochkonjunktur. Im Frühling wird ständig irgendwo Material herangeschleppt, gemauert und gehämmert. Allerdings mit unterschiedlichem Ergebnis. Ein Feldsperling wird mit seinem unordentlichen Nest aus Grashalmen, Blättern und Federn wohl nie einen Designpreis gewinnen. Genauso wenig wie eine Ringeltaube, die nackte Zweige zu einem schütteren Haufen aufgeschichtet hat. Doch es gibt auch im Tierreich Architektur-Talente, die eindrucksvolle Behausungen errichten.

Einige Wespen der Gattung Vespula sind zum Beispiel durch ihr Faible für Monumentalbauten aufgefallen. Zwar begnügen sie sich normalerweise mit einem vielleicht basketballgroßen Nest, für das sie ein papierähnliches Material aus zerkautem Holz verwenden. Ab und zu aber scheinen sie einen Anfall von architektonischem Größenwahn zu erleiden. In einigen milden Regionen Neuseelands, Australiens und der USA können die Wespenvölker den Winter überleben, so dass sie mehr als eine Saison Zeit zum Bauen haben. Und diese Zeit nutzen sie. In einem verlassenen Stall im US-Bundesstaat Alabama fanden Insektenforscher der Auburn University im Jahr 2006 ein Wespennest von der Größe eines VW-Käfers. Das Zile ist immer das Gleiche

Das Ziel ist immer das Gleiche

Doch selbst über dieses eindrucksvolle Bauwerk würden die Biber in der kanadischen Provinz Alberta wohl nur müde die Köpfe schütteln. Denn eine ihrer Konstruktionen ist sogar aus dem All zu erkennen. Satellitenbilder des Wood Buffalo Nationalparks zeigen den größten bisher bekannten Biberdamm der Welt: Das riesige Holzgebilde, an dem Generationen der Nager mehr als 25 Jahre lang gearbeitet haben müssen, ist stolze 850 Kilometer lang.

Größe aber ist in der Architektur nicht alles. Wer bei den Webervögeln Eindruck schinden will, sollte auf einen raffinierten Baustil setzen. Es gibt an die 120 Arten dieser Schnabelwerker, von denen die meisten in Afrika, einige auch im tropischen Asien leben. Und bei fast allen flechten die Männchen Grashalme und anderes Pflanzenmaterial zu kunstvollen kugel- oder flaschenförmigen Gebilden, die von den Ästen der Bäume hängen.

Das Ziel der flatternden Architekten ist immer das Gleiche: Nur wer mit seinen Baumeister-Qualitäten überzeugt, kann eines der Weibchen in sein Nest locken und zur Paarung schreiten. Doch wie wird so ein Männchen zum sexy Architekten?

Bis vor kurzem hatten Biologen angenommen, dass Bautalent bei Vögeln vor allem eine Frage der Genetik ist. Die Konstruktionspläne für das arttypische Nest seien den Tieren größtenteils angeboren. „Dann würde man aber erwarten, dass ein bestimmter Vogel immer nach dem gleichen Muster baut“, erläutert Patrick Walsh von der University of St. Andrews in Schottland. Doch als er und seine Kollegen männliche Maskenweber in Botswana bei der Arbeit filmten, erlebten sie eine Überraschung.