Statistiken besagen, dass weltweit 179 Millionen Menschen die TikTok-App nutzen. 
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BerlinDie Betreiber der Video-App TikTok planen offensichtlich, ein Daten-Center in Europa zu eröffnen. Dort sollen Videos, Nachrichten und andere Daten von europäischen Nutzern gespeichert werden. Das teilte das chinesische Unternehmen ByteDance in einem Blog-Post auf der Firmenseite mit. ByteDance will dafür 500 Millionen Dollar in Irland investieren, von Hunderten Arbeitsplätzen ist die Rede.

Als Symbol einer langjährigen Verbindung zu Europa bezeichnete Theo Bertram, verantwortlich für die Außendarstellung des Unternehmens, die Entscheidung. Sein Kollege Roland Cloutier erklärte, dass das  regionale Datenzentrum etliche Vorteile für die Nutzer bringen werde, darunter schnellere Ladezeiten.

Sollte ByteDance allerdings seine Daten der europäischen Nutzer in Zukunft tatsächlich in Irland speichern, dann würden für das Unternehmen in Europa die Datenschutzgrundverordnung und die europäische Rechtsprechung gelten. Mitte Juli hatte der Europäische Gerichtshof noch geurteilt, dass Unternehmen, die personenbezogene Daten von Europa in die USA übertragen, genau prüfen müssen, ob die Datenschutzvorkehrungen dort ähnlich hoch sind wie in Europa. Diese Forderung müsste auch TikTok erfüllen.

TikTok war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag eine Verbannung der beliebten Videoplattform vom US-Markt angedroht hatte. Microsoft erklärte daraufhin am Sonntag, bereits laufende Gespräche mit ByteDance für eine mögliche Übernahme von TikTok sollten bis zum 15. September abgeschlossen werden. Der Hintergrund: Trump geht es vor allem darum, wo die Daten der amerikanischen Nutzer in Zukunft gesichert werden. Bei der bisherigen Lösung, fürchtet der Präsident, hätte die chinesische Regierung jederzeit die Möglichkeit, auf die Nutzerdaten zuzugreifen. 

Für Aufsehen und Diskussionsstoff in den sozialen Medien sorgte der französische Cybersicherheitsexperte Elliot Alderson, der sich seit Jahren mit den Sicherheitsstandards von Apps beschäftigt und sich die TikTok-App genauer angesehen hat. Die App ist dafür bekannt, viele Daten zu sammeln, die BBC hat eine lange Liste zusammengestellt. Die Angaben über das Alter der Nutzer, die E-Mail-Adressen und Telefonnummern gehören genauso dazu wie der Zugriff auf die Kontakte. Trotzdem kommt Alderson zu dem Ergebnis, dass die App im aktuellen Zustand kein verdächtiges Verhalten zeige und keine ungewöhnlichen Daten herausfiltere. „Das Abrufen von Daten über das Benutzergerät ist in der mobilen Welt weit verbreitet. Ähnliche Ergebnisse würden wir bei Facebook, Snapchat, Instagram und anderen erzielen“, beendet er seine Analyse.

Aus politischer Sicht schloss Anke Domscheit-Berg, die für die Linkspartei im Bundestag sitzt, daraus: „TikTok ist gar nicht schlimmer als andere Apps – was meine These stützt, dass es Trump beim Verbot von TikTok mitnichten um den Datenschutz geht, sondern um Rache und verletztes Ego“, schrieb sie bei Twitter. So weit würde Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung nicht gehen. Er erinnert daran, dass die Codes von Unternehmen auch jederzeit geändert werden und mit einem Update auf die Geräte der Nutzer ausgespielt werden können. 

US-Regierung geht gegen weitere Apps vor

In den USA geht die Regierung zurzeit nicht nur gegen TikTok vor, sie will auf breiter Front nicht-vertrauenswürdige Apps aus China von Smartphones der Amerikaner fernhalten. „Apps aus der Volksrepublik China bedrohen unsere Privatsphäre, verbreiten Computerviren und streuen Propaganda und Falschinformationen“, erklärte US-Außenminister Mike Pompeo in der Nacht zum Donnerstag. Sie sollten aus den App-Stores in den USA entfernt werden.

Neben TikTok erwähnte Pompeo auch den in China äußerst populären Messenger-Dienst WeChat. Es gab zunächst keine Angaben dazu, wer und nach welchen Kriterien die Vertrauenswürdigkeit der Apps feststellen soll. Pompeo will auch dafür sorgen, dass persönliche Informationen amerikanischer Bürger und Daten von US-Unternehmen nicht in Cloud-Diensten chinesischer Anbieter wie Alibaba, Baidu und Tencent landen. Ferner will die US-Regierung den Zugang chinesischer Netzbetreiber wie China Mobile zu amerikanischen Telekom-Netzen unterbinden.

Der US-Außenminister rief auch Unternehmen aus anderen Ländern auf, ihre Anwendungen nicht in den hauseigenen App-Store des chinesischen Smartphone-Anbieters Huawei zu bringen. Huawei baut eine eigene App-Plattform auf, da die Firma durch US-Sanktionen bei neuen Modellen nicht mehr auf Googles Download-Angebot Play Store für Android-Smartphones zurückgreifen kann. Die amerikanische Regierung wirft Huawei unter anderem Spionage vor, das Unternehmen weist dies zurück. (mit dpa)