Mit einem Biss zermalmte Tristan Knochen, er fraß mehrere Kilogramm Fleisch am Tag, und seine Zähne waren so groß wie Steakmesser. Der Tyrannosaurus rex war eines der gefährlichste Raubtiere seiner Zeit – vor ungefähr 67 Millionen Jahren. Der zwölf Meter lange und sechs Meter große Tristan wurde 2010 entdeckt, in der hügeligen Prärie des US-Bundesstaates Montana. Zwei Jahre lang haben Experten seine Knochen mit Meißel und Hammer aus dem Stein im Boden befreit.

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Früher, vor Jahrmillionen, war das Gebiet eine große Ebene mit Flüssen gewesen. Dort wuchsen Bäume, ein paar Gräser und kleinere Büsche. „Vermutlich ist der Fluss über die Ufer getreten, und in dem überschwemmten Gebiet hat der tote T-Rex dann ungestört gelegen“, sagt Heinrich Mallison, Paläontologe am Naturkundemuseum Berlin. „Wäre er mitten in der Landschaft verwest, hätten ihn andere Saurier vermutlich angenagt.“ Aber Tristan hat die Zeit gut überdauert, viele seiner Knochen sind unbeschädigt. Das macht sie besonders wertvoll. Tristan ist der erste T-Rex, dessen Originalskelett in Europa zu sehen ist.

Großer Schädel, kurze Arme

Der Tyrannosaurus rex zählt heute zu den beliebtesten Dinosauriern, damals war er ein gefürchteter Fleischfresser. Doch bis die Evolution diesen Giganten hervorbrachte, dauerte es mehrere Millionen Jahre. Denn die ersten Tyrannosaurier existierten vor 170 Millionen Jahren, und sie waren vermutlich menschengroß. Sie lebten im heutigen China, in Russland und Nordamerika. Die Tiere passten sich ihrer Umgebung an, einige blieben klein, andere wuchsen.

„Nordamerika war damals schon ein großes Land mit vielen Beutetieren. Gleichzeitig lebten da viele Raubtiere, die alle etwa gleich groß waren. Das bedeutet, dass sie auch ähnlich jagten. Der T-Rex ist sozusagen gewachsen, um diese Konkurrenz zu umgehen“, erklärt Mallison. Aber Größe hat für Tiere noch andere Vorteile, sie können zum Beispiel länger mit wenig Nahrung auskommen als kleine Tiere. Der Tyrannosaurus rex bildete in seiner Entwicklung zudem zwei wichtige Merkmale aus: seinen großen Kopf und seine kurzen Arme. Tristans Schädel misst beispielsweise anderthalb Meter. „Der T-Rex hatte wegen seines massigen Schädels einen kurzen gedrungenen Rumpf mit breitem Nacken. Deshalb konnte das Tier seinen Kopf halten und war trotzdem wendig“, sagt der Paläontologe.

Nicht geklärt ist die Funktion der kurzen Arme. „Sie waren ungefähr so lang wie die Arme eines Menschen – nur doppelt so dick. Die Tiere hatten also sehr viel Kraft.“ Deshalb vermuten die Forscher, dass die Arme auch eine Funktion hatten. Theorien dazu gibt es viele – bewiesen ist jedoch keine. Dem T-Rex wird wegen seiner kurzen Arme auch unterstellt, er hätte nach einem Sturz nicht mehr aufstehen können. „Das stimmt nicht. Er hat sich auf den Bauch gedreht, und sich auf seinen Füßen hin- und hergeschaukelt, bis er aufstehen konnte“, erklärt Mallison. Zumindest, wenn der „Eidechsenkönig“ – was sein Name übersetzt bedeutet – sich nicht verletzt hatte. Der T-Rex hatte zwar kaum natürliche Feinde. Doch bislang wurde kein Skelett eines Tiers gefunden, das länger als 30 Jahre gelebt hatte.

"Raubtiere leben gefährlich"

„Raubtiere leben gefährlich. Meistens ist ein Tyrannosaurus rex durch einen Jagdunfall gestorben“, sagt Mallison. „Zum Beispiel, wenn der T-Rex hingefallen ist, sich ein Bein brach und nicht mehr jagen konnte.“ Wenn das Tier jedoch ausgewachsen war, sind ihm nur noch wenige Fehler beim Jagen passiert. Einige Tyrannosaurier wurden vermutlich auch von Konkurrenten getötet und gefressen, vor allem als Jungtiere. Bislang wissen Forscher nicht, wie alt ein T-Rex werden konnte. Auch das Alter von Tristan können sie nur schätzen. „Er war auf jeden Fall ausgewachsen. Denn er hatte kleine Hörner am Kopf – ein Merkmal, das nur die großen Tiere hatten“, sagt Paläontologe Mallison. Seine volle Körpergröße erreichte der Tyrannosaurus rex ungefähr mit 20 Jahren.

US-Forscher vermuten, dass der Dinosaurier aber schon als Jugendlicher geschlechtsreif war. Er hätte sonst wertvolle Zeit verloren. Wie auch bei den Vögeln legte der weibliche T-Rex Eier. Für die Schalen benötigte das Tier Kalzium, das in den Oberschenkelknochen gespeichert wurde. Diese Einlagerungen sind bis heute das einzige sichere Indiz, um herauszufinden, ob ein T-Rex männlich oder weiblich war. „Aber Weibchen hatten diese Kalziumablagerungen nur in der Paarungszeit. Also nur, weil wir sie bei Tristan nicht gefunden haben, muss das nicht bedeuten, dass Tristan kein Weibchen war“, sagt Mallison.

Der Tyrannosaurus hatte noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Vögeln: Beim Schlüpfen war der Dinosaurier gefiedert. Ob er als ausgewachsenes Tier noch Federn hatte, konnten Forscher bislang nicht nachweisen. Federn überdauern die Zeit nicht so gut wie Knochen. „Es würde mich aber sehr wundern, wenn der T-Rex als ausgewachsenes Tier gar keine Federn mehr hatte“, sagt Mallison. Im Laufe seines Lebens hat der Tyrannosaurus rex seine Gestalt stark verändert.

Lauern auf Beute

„Als Jugendlicher hatte der Dinosaurier vermutlich einen grazilen Körperbau“, sagt Mallison. Offenbar war er flink und jagte seine Beute. Gegen Ende seiner Teenagerzeit hatte der T-Rex dann einen immensen Wachstumsschub. Er wurde größer, legte mehrere Kilogramm pro Tag zu, und sein massiger Schädel bildete sich aus. Das Tier musste in diesem Alter sein Jagdverhalten ändern. „Denn ein ausgewachsener T-Rex konnte nicht schnell rennen. Er hatte weder starke Knöchel noch Knie – beides benötigt man als schneller Läufer“, sagt Heinrich Mallison. „Im Vergleich zu einem Pferd war der T-Rex langsam.“

Deshalb wurde er zum Lauerjäger. Er hat hinter Bäumen und Büschen auf Beute gewartet und dann angegriffen. Bei dieser Art der Jagd ist die Schnelligkeit des Angreifers nicht entscheidend – viel wichtiger ist der Überraschungseffekt. Ein weiterer Vorteil des Tyrannosaurus war seine Größe. „Er musste nicht um Büsche und Äste herumgehen, sondern konnte schnurstracks von seinem Versteck zur Beute laufen“, sagt der Paläontologe. Er jagte vor allem zwei pflanzenfressende Dinosaurierarten, den Hadrosaurus und den Ceratops. Denen hat der T-Rex in den Rücken gebissen, und ihnen eine große Wunde in den Körper gerissen. Das Beutetier konnte nicht mehr fliehen.

Lange Zeit war nicht klar, ob der T-Rex überhaupt aktiv jagte oder nur Aas gefressen hat. Doch Forscher haben das Skelett eines Hadrosauriers entdeckt, in dessen Schwanzwirbel der Zahn eines Tyrannosaurus rex steckte. Die Wirbel um den Zahn waren fest zusammengewachsen. Die Wunden des Hadrosauriers waren also nach dem Angriff des T-Rex verheilt. Der Gigant jagte lebende Tiere – nur wissen die Forscher nicht, ob er einzeln oder in einer Gruppe auf Beutesuche ging.