Es ist nicht das Problem, in der Karibik Schiffe auf dem Meeresgrund zu finden. Davon gibt es viele. Das Problem besteht vielmehr darin, das richtige Schiff zu finden, wenn man ein ganz bestimmtes sucht. Seit 1979 forschten Unterwasserarchäologen nach der „San José“, die 1708 von britischen Schiffen vor der kolumbianischen Küste in der nähe des Küstenortes Cartagena versenkt wurde. Nun teilte ein Team aus kolumbianischen und internationalen Wissenschaftlern mit, das mit Gold, Silber, Schmuck und Edelsteinen beladene Schiff gefunden zu haben. Ein Sehnsuchtstraum wird wahr. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sagte bei einer Pressekonferenz am Sonnabend in Cartagena im Nordwesten des Landes: „Das ist der wertvollste Schatz, der in der Geschichte der Menschheit gefunden wurde.“

Der Reichtum der Ladung bedeutet jedoch nicht nur Glück, sondern ist auch ein Problem. Laut Unesco sind im Fall eines solchen Fundes vier Punkte zu beachten: Erstens die Verpflichtung, unterwasserarchäologisches Erbe zu erhalten, zweitens es möglichst am Fundort zu erhalten, drittens die Informationen Wissenschaftlern zugänglich zu machen und viertens keine kommerzielle Ausbeutung zu betreiben. Der vierte Punkte ist kritisch. Der Wert der Ladung wird zwischen einer und 17 Milliarden Dollar geschätzt. Aber ein Verkauf schließt sich eigentlich aus. Und auf dem Meeresgrund kann man nichts lassen, nachdem der Fund nun öffentlich wurde. Vermutlich würde die Stätte geplündert werden.

Die „San José“ war im Juni 1708 Teil einer Schatzflotte. Die Ladung sollte König Philipp V. im Spanischen Erbfolgekrieg finanzieren. Großbritannien bekämpfte den von Frankreich unterstützen König, nachdem der letzte spanische Habsburger auf dem Thron, Karl II. (1661-1700), ohne Kinder geblieben war. Unter dem späteren Admiral der Royal Navy, Charles Wager, griffen vier britische Schiffe die spanische Flotte an, die aus drei Schiffen bestand. Von 600 Besatzungsmitgliedern der "San José" überlebten nur wenige. Seitdem aber war zumindest der ungefähre Untergangsort bekannt.

Dass es sich bei dem Fund vom 27. November tatsächlich um die „San José“ handelt, hat Ernesto Montenegro, Leiter des Kolumbianischen Instituts für Anthropologie und Geschichte, mit seinem Team an den für das Schiff typischen Bronzekanonen mit eingravierten Delfinen erkannt. Drüber hinaus ließen Menge und Art des Materials der Ladung „keinen Zweifel an der Identität“, sagte er am Sonnabend. Der kolumbianische Anthropologe Fabian Sanabria sagte, es könnten noch tausend Wracks vor der Küste liegen – aber nur sechs bis zehn hätten Schätze an Bord. Der bedeutendste Fund sei jedoch der der „San José“.