Berlin - Die Corona-Warn-App soll besser werden und erhält daher im April mehrere neue Funktionen. Neben dem bereits verkündeten Update, in Gaststätten oder bei privaten Events per QR-Code einchecken zu können, wurde in dieser Woche eine weitere neue, lang ersehnte Funktion von der Bundesregierung bekannt gegeben: In der zweiten Aprilhälfte sollen endlich Schnelltestergebnisse in die App eingetragen werden können. Bisher war das nur bei PCR-Tests möglich.  

SAP und Deutsche Telekom haben die Schnelltest-Funktion im Auftrag der Bundesregierung entwickelt und dafür Gespräche mit Unternehmen geführt, die solche Tests durchführen. Partner in der ersten Phase sollen laut Bundesregierung unter anderem BUDNI und der dm-drogeriemarkt sein.

Eine zentrale Rolle spielt auch das Berliner Start-up DoctorBox, das die Test-Ergebnisse über die selbst entwickelte Software SchnelltestToGo an die Corona-Warn-App übermitteln soll. Eigentlich wurde DoctorBox als digitale Patientenakte von dem Orthopäden und Unfallchirurgen Oliver Miltner und dessen Co-Gründer Stefan Heilmann 2016 ins Leben gerufen. Doch in der Pandemie haben sie ein neues Feld entdeckt: das Testen. Mehr als 400 Testzentren deutschlandweit nutzen bereits die Software des Berliner Start-ups. DoctorBox erlangte vor allem Bekanntheit durch den Einsatz bei den Modellversuchen in Tübingen und Böblingen. 

Armbänder mit QR-Codes als Eintrittskarte

Doch wie funktioniert das Ganze genau? Wenn ein Testzentrum mit DoctorBox zusammenarbeitet, können sich Nutzer testen lassen und müssen nicht warten, sondern können das Zentrum direkt wieder verlassen. Sie erhalten dabei einen QR-Code. 15 bis 30 Minuten nach dem Test können sie den Code mit der Smartphone-Kamera abscannen, um das Ergebnis zu erfahren. Wenn die Corona-Warn-App die Schnelltest-Funktion im April eingeführt hat, können die Nutzer das Ergebnis anschließend dort eingeben. Eine weitere Option ist, dass man sich die DoctorBox-App herunterlädt und dort registriert. So erhält man das Ergebnis des Tests direkt auf das Handy zugeschickt. „Dadurch, dass die Getesteten nicht lange warten müssen und das Ergebnis digital versendet wird, ist der ganze Testprozess deutlich schneller. Die über 400 Testzentren, die mit uns zusammenarbeiten, können pro Tag mehr als 30.000 Menschen testen, ohne Software wären es sicher zwei Drittel weniger“, erklärt Gründer Oliver Miltner. „Wir sind sehr stolz, dass wir der Bundesregierung durch unsere Software helfen können, nun auch Schnelltestergebnisse in die Corona-Warn-App zu integrieren.“

Das Start-up hat vor gut zweieinhalb Wochen eine weitere Alternative auf den Markt gebracht: ein Armband mit einem QR-Code, auf dem das Schnelltestergebnis für 24 Stunden gespeichert wird. In einem Pilotprojekt am 24. März wurden die Bändchen bei einem Volleyballspiel der BR Volleys in Berlin mit 800 Zuschauern getestet. Hatten die Armbänder mit dem QR-Code ein negatives Testergebnis, war das die Eintrittskarte für das Spiel. Miltner hatte die Idee für das Projekt, da er neben der Arbeit bei DoctorBox und als Orthopäde und Unfallchirurg auch Mannschaftsarzt der BR Volleys ist. „Das war ein Erfolg. Die Leute haben auch das Bedürfnis, wieder rauszugehen, Sportevents zu besuchen. Mehr testen mithilfe neuer digitaler Lösungen kann dabei unterstützen“, sagt Miltner. 

Personenspezifische Daten werden nicht erfasst

Auch in Tübingen wurde das Armband mit QR-Code am selben Tag von DoctorBox eingeführt. Ein negatives Ergebnis wird 24 Stunden lang im QR-Code des Armbands gespeichert. In Restaurants, Kinos oder im Theater werden die Codes von den Mitarbeitern abgescannt. Nur wer negativ ist, darf rein. Der Vorteil: Auch Menschen ohne Smartphone können diese Eintrittskarte per Bändchen nutzen. Nach 24 Stunden werden die Daten gelöscht. 

Doch welche Daten erfasst Doctorbox überhaupt? In den Testzentren werden die persönlichen Daten der Getesteten erhoben – zur Verifikation. Bei einem positiven Ergebnis wird ein PCR-Test durchgeführt und anschließend das Gesundheitsamt kontaktiert. Bei einem negativen Ergebnis werden die persönlichen Daten gelöscht. „Auf dem QR-Code, den unsere Software erstellt, ist lediglich das Ergebnis zu sehen: Bin ich positiv oder negativ? Außerdem wird der Zeitpunkt des Tests gespeichert“, erklärt Miltner. Personenspezifische Daten werden hingegen nicht erfasst. 

Miltner ist davon überzeugt, dass die Methode mit dem QR-Bändchen deutschlandweit Erfolg haben wird. „Es geht uns auch nicht automatisch darum, zu testen, um dann wieder lockern und öffnen zu können“, sagt der Gründer. „Je mehr man testet, desto mehr Sicherheit kann man gewährleisten, weil man die Infizierten identifizieren kann. Die Übermittlung der Schnelltestergebnisse in die Corona-Warn-App ist daher auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorne.“