Kerpen - Die Aktivistin wirkt in ihrer sandigen, ehemals schwarzen und etwas zu großen Kleidung zerbrechlich, als sie neben zwei Polizisten mit Helmen und Sturmhauben im Hambacher Forst steht. Mit zitternder Stimme erzählt sie in einem Video auf Facebook von der Räumung des Baumhauses, in dem sie für den Erhalt des Walds protestiert hatte, bevor es mit schwerer Maschinerie zerstört wurde.

Allein auf Facebook wurde das Video auf der Seite „Soli für Hambi“ seit Samstag fast 820.000 Mal angesehen und mehr als 16.000 Mal geteilt.

Aktivistin erzählt von Erfahrungen im Baumhaus

„Sie denken wahrscheinlich, sie haben gewonnen. Aber sie können nicht gewinnen, weil sie den Wald genauso brauchen“, sagt die junge Frau und beginnt zu weinen. „Und weil sie nicht verstehen, dass wir nicht für uns kämpfen, sondern für uns alle.“ Sie wischt sich eine Träne aus dem Gesicht und erzählt von der Erfahrung, in dem Baumhaus zu leben.

„Sie werden es nicht verstehen, wie es ist, wenn man auf einem lebenden Wesen wohnt. Das sich bewegt. Oder Schiss zu haben, wenn es stürmisch ist. Sie werden nicht verstehen, wie es ist, mit Menschen zusammenzuleben, denen es scheißegal ist, wie du heißt, wie alt du bist oder welchen Schulabschluss du hast.“ Ihre Stimme bricht immer wieder.

„Ich würde niemals tauschen“

Die Frau hält eine immer emotionaler werdende Ansprache. Die Einsatzkräfte in schwerer Ausrüstung stehen betreten daneben, wenden sich zwischendrin sogar ab.

„Ich würde niemals mit wem tauschen. Weil ich weiß, dass ich das Richtige mache. Weil ich hier die schönste Zeit meines Lebens hatte.“ Hier, im Hambacher Forst, habe sie gelernt, das zu vergessen, was ihr die heutige Gesellschaft versuche einzutrichtern: Dass man sich mit anderen Menschen vergleichen soll, mit ihnen konkurrieren muss. „Oder dass angeblich wichtig ist, wie wir aussehen. Diese ganze Scheiße musste ich wieder verlernen.“ Die anderen Aktivisten hätten sie als Wesen akzeptiert.

„Und das können sie mir nicht mehr wegnehmen.“ Deshalb, sagt sie, sei es ihr egal, dass das Baumhaus geräumt wurde. Sie sei stolz auf das, was sie zusammen mit den anderen Aktivisten „nur mit ihren Händen und Füßen“ geschaffen habe. „Deswegen ist es für mich jetzt okay, zu gehen“, sagt sie. Und, nach einer kurzen Pause: „Weil diese Menschen hier einfach nur ihr eigenes Grab schaufeln“.