Berlin - Enthusiasten sprechen von der dritten industriellen Revolution. Chris Anderson, US-Journalist und Autor des Buches „Makers“ ist einer von ihnen.  Er ist sich sicher, dass die Gestaltung der Zukunft vor allem in den Händen von Makern liegen wird.  Als Maker werden kreative Tüftler verschiedenster Disziplinen bezeichnet, die sich verabreden, um Ideen auszutauschen, gemeinsam Problemlösungen zu entwickeln und eigene Do-it-Yourself-Projekte zu verwirklichen. Der Leitsatz lautet: „Wenn ich mir etwas vorstellen kann, dann kann ich es auch realisieren.“ Und das nicht alleine.

Interesse der Hightech-Firmen

Manche Maker interessieren sich für Mode und experimentieren mit Stoff, andere arbeiten mit Licht oder Metall. Und dann gibt es die  Tüftler, die  programmieren und konstruieren können. Manchmal, so heißt es in einem Text des Goethe-Instituts,  sind die Maker  einfallsreicher und kreativer als die Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen. Das macht die Szene auch für die Wirtschaft interessant. Viele Hightech-Firmen haben großes Interesse daran, mit den Makern in Kontakt zu kommen. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung  fördert  den Austausch zwischen Unternehmen und jungen Entwicklern.

"Wie mache ich (fast) alles?"

Dass sich Tüftler  vernetzen und so zu Makern werden, liegt auch an einer Uni-Vorlesung. 1998 forderte der Physiker Neil Gershenfeld, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) der Universität Cambridge das „Center for Bits and Atoms“ leitete, seine Studenten auf, unter dem Titel „Wie mache ich (fast) alles“ ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und mit rechnergesteuerten Maschinen technisch anspruchsvolle Gegenstände zu kreieren. Die dafür eingerichtete Kurswerkstatt nannte er „Fab Lab“, eine Abkürzung für Fabrikationslabor. 

Auch technische Laien und Außenstehenden sollten so Zugang zu neuen Technologien und Wissen bekommen und selbstbestimmt produzieren können. Inzwischen gibt es diese Werkstätten des 21. Jahrhunderts weltweit. In Berlin bieten beispielsweise das „Happylab“ (Demminer Straße 3, http://happylab.de) und „Fab Lab“ (Prenzlauer Allee 242, https://fablab.berlin/de) Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, sich an Lasercuttern, 3D-Druckern, CNC-Fräsen oder Lötkolben auszuprobieren. Wöchentlich gibt es für Neugierige kostenlose Führungen durch die Werkstätten.  Wer regelmäßig wiederkommen will, kann für kleines Geld Mitglied werden.

Keine Lehrer, nur Mentoren

Bei den Maker-Workshops und Kursen gibt es keine Lehrer, sondern Mentoren, die den anderen dabei helfen, ihre Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Juliane Jammer gehört zu denen, die bei den Teilnehmern  Lust wecken wollen auf Technik und Basteln mit Recyclingmaterialien, aber auch aufs Programmieren, auch Coden genannt.

„Es geht Makern darum, aus wenigen Ressourcen etwas Brauchbares wie beispielsweise eine Taschenlampe zu bauen, dieses Wissen dann zu teilen und weiterzugeben“, sagt Jammer und setzt vor allem auf den Nachwuchs. „Dabei sitzen die Kinder nicht nur vorm Bildschirm, sondern sollen auch handwerklich gestalten. Sie können sich ausprobieren, kreieren und Fehler machen. Denn die gehören dazu, wenn man Zusammenhänge und Funktionen verstehen will“, so die Medientrainerin, die auch unter http://www.juliane-jammer.de zu finden ist.

Ein Angebot für Mädchen und Frauen

Speziell an Mädchen und junge Frauen richtet sich das Angebot der „Rails Girls“. Die Idee kommt aus Finnland, die  Programmiererin Linda Liukas war vor sieben Jahren die Initiatorin. „Technologie ist die Zukunft, ein Teil der großen Revolution, die vor uns liegt. Es macht mir Sorgen, dass diese Veränderungen oder Umwandlungen nur von ein paar kalifornischen Jungs in den frühen Zwanzigern mit einer sehr engen Weltsicht angetrieben werden. Ich möchte mehr Vielfalt sehen“, sagte Liukas, die Programmieren nicht als Wissenschaft begreift, sondern als aufregende Möglichkeit, die Welt zu verändern.

Davon wollen die „Rails Girls“ Mädchen und Frauen in kostenlosen Workshops und Lerngruppen, die weltweit von Freiwilligen organisiert werden, überzeugen und fürs Programmieren begeistern. Die spendenfinanzierte Bewegung hat auch in Berlin einen Ableger (http://railsgirlsberlin.de).

Coden für die Kleinen

An Fünf- bis Siebzehnjährige Jungen und Mädchen richtet sich das Angebot der „CoderDojo“. „Dojo“  kommt aus dem Japanischen und ist der Begriff für eine Übungshalle, in der Kampfkünste trainiert werden. Den ersten dieser Programmier-Trainingsräume gab es 2011 im National Software Centre im irischen Cork, initiiert von dem damals 18-jährigen irischen Programmierer James Whelton und dem australischen Entrepreneur Bill Liao. Inzwischen gibt es unter dem Dach der Stiftung in fast 60 Ländern von ehrenamtlichen Helfern organisierte CoderDojos.

Auch in Berlin kommen an wechselnden Orten regelmäßig Kinder, Jugendliche und Mentoren zusammen, um –   ganz im Maker-Sinne  – miteinander und voneinander die Grundlagen des Programmierens zu lernen und Spaß zu haben. Die Teilnahme ist kostenlos, man muss sich nur rechtzeitig anmelden. (https://zen.coderdojo.com/?search=berlin).

Für eine gerechtere Gesellschaft

Die „Open Knowledge Foundation Deutschland“ und das Netzwerk „mediale pfade“ laden seit 2013 regelmäßig zu Wettbewerben für den digitalen Nachwuchs ein. Unter dem Titel  „Jugend hackt“ kommen 12- bis 18-Jährige zu mehrtägigen Programmier-Marathons, Hackathon genannt, zusammen. Gemeinsam wird programmiert, designt, entwickelt und versucht, mit Daten eine gerechtere  Gesellschaft zu bauen.  

Im Jahr 2013 wurde mit einem Hackathon als Pilot gestartet, um zunächst den Bedarf an einer derartigen Veranstaltung zu klären, die  Nachfrage überraschte die Organisatoren. Seitdem wird das Programm stetig ausgebaut, inzwischen gibt es Veranstaltungen nicht nur in Deutschland. Das Kernelement von „Jugend hackt“ sind und bleiben jedoch regelmäßig stattfindende Veranstaltungen in Form von Jugend-Hackathons. Drei Ziele verfolgen die Organisatoren. Es geht darum, die  technischen Fähigkeiten von Programmiertalenten zu fördern, Jugendliche  zu vernetzen und  gesellschaftliche  Fragen zu identifizieren (https://jugendhackt.org).