Per Signal aus dem Geschäft wird der registrierte Besitzer des Smartphones informiert. 
Foto: Doctor Box

BerlinAuf einmal ist Ahrenshoop, das beschauliche Urlaubsziel an der Ostsee, zum Hotspot der Digitalisierung geworden. Als die Touristen über Pfingsten Entspannung suchten, machte ein Team des Berliner Start-ups Doctor Box den Ort zum Testlabor. Rund 40 Bluetooth-Boxen, sogenannte Beacons, hängen dort seit Ende Mai in Hotels, Supermärkten und an öffentlichen Plätzen. Das Ziel: Mit technischen Mitteln die Verbreitung des Coronavirus zu minimieren.

Das Beispiel zeigt, dass Entwickler, die im Digitalen unterwegs sind, weiterhin daran glauben, dass moderne Technik helfen kann im Kampf gegen Covid-19, auch wenn viele Bundesbürger das inzwischen anders sehen. Das lässt sich jedenfalls an den Download-Zahlen der Corona-Warn-App erkennen. 

Offiziell spricht das RKI von einer kontinuierlich positiven Entwicklung. Dazu passt auch, dass die Zahl der Menschen, die die Möglichkeit erhielten, über ihre Infizierung per Smartphone zu informieren, auf mehr als 1700 gestiegen ist. In der Öffentlichkeit wird die App allerdings immer häufiger als nicht sonderlich hilfreich bezeichnet. Das hat mit technischen Schwierigkeiten zu tun und den Vorgaben der Smartphone-Hersteller, die ältere Geräte-Generationen ausgeschlossen haben. Aber Experten beklagen auch eine gewisse Sorglosigkeit in der Gesellschaft.

Julian Maar gehört zu den Menschen, die die App für eine gute Sache halten. Er ist für das operative Geschäft bei Doctor Box verantwortlich. Das junge Unternehmen hatte sich zunächst auf die Digitalisierung von Patientenakten konzentriert, dann kam Corona und die Idee, das technische Fachwissen zu nutzen.

In Ahrenshoop mussten zunächst die Händler und die Gemeindevertreter überzeugt werden. Die Bereitschaft war schnell da, so konnten die sogenannten Beacons in den Geschäften, Hotels, Restaurants und der Kurverwaltung angebracht werden. Diese kleinen Geräte verständigen sich dann mit den Smartphones der Gäste oder Kunden, vorausgesetzt, diese haben die passende App dazu heruntergeladen. 

Die anonymisierten Daten sollen infizierten Personen helfen, sich an die Orte zu erinnern, an denen sie sich an den 14 Tagen zuvor aufgehalten haben. Diese Angaben sind für die Gesundheitsämter wichtig, um Infizierungswege nachverfolgen zu können. Auf die Frage, warum man dem Projekt vertrauen könne, antwortet Maar mit dem Hinweis, dass das Unternehmen jahrelange Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten habe. Das Kerngeschäft von Doctor Box besteht darin, digitale Patientenakten anzulegen, sodass Gesundheitsdaten gespeichert werden können. Hacker finden solche Daten auch sehr spannend. Deshalb gibt es hohe Sicherheitsstandards.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass digitale Angebote im Kampf gegen Corona noch in der Experimentierphase stecken. Ein Start-up aus München versucht gerade, Spitzensportlern im Football in den USA zu helfen, Abstand zu halten. Ganz so schlecht kann die Technik aus Deutschland also nicht sein. Die Europäische Union hat Ende Juli einen Auftrag vergeben, damit die Warn-Apps der EU-Staaten miteinander kommunizieren können. Den Zuschlag erhielten die beiden deutschen Unternehmen, die auch im Auftrag der Bundesregierung gearbeitet haben. 

Grafik: BLZ/Galanty, Quelle: Connect.de