Berlin -  Die schockierende Nachricht hatte die Welt am Montag erreicht: Hackern war es in Florida gelungen, sich Zugang zu einer Wasseraufbereitungsanlage zu verschaffen und das Wasser chemisch zu manipulieren. Der oder die Täter hätten den Anteil von Natriumhydroxid im Wasser mehr als verhundertfacht, sagte der Sheriff des Bezirks Pinellas, Bon Gualtieri. 

Die Sache ging glimpflich aus, weil Mitarbeiter der Anlage in Oldsmar die potenziell gefährliche Änderung sofort bemerkt und rückgängig gemacht hätten, sagte Gualtieri. „Zu keiner Zeit gab es eine signifikante negative Auswirkung auf das behandelte Wasser“, versicherte der Sheriff.

Inzwischen sind bei den Ermittlungen weitere Details bekannt geworden, wie es zu der Hacker-Attacke kommen konnte. Die Behörden stellten Schwächen in der digitalen Infrastruktur des Wasserwerks fest. So soll die veraltete Software Windows 7 verwendet worden sein, für die seit einem Jahr keine Sicherheitsupdates angeboten wird. Auch war die Rede davon, dass die Angestellten nicht sonderlich sorgsam mit ihren Passwörtern umgegangen sind. Eine Firewall, um ein- und ausgehende Datenpakte zu kontrollieren, soll es auch nicht gegeben haben.

Aber auch ein deutsches Software-Unternehmen geriet unter Verdacht: Teamviewer. Die Firma aus dem schwäbischen Göppingen gilt eigentlich als europäische Erfolgsgeschichte. Vor 16 Jahren gegründet, bietet sie den Nutzern eine Software an, mit der man Geräte aller Art miteinander verbinden und somit aus der Ferne auf diese zugreifen und auf ihnen arbeiten kann. Bei IT-Problemen im Freundeskreis oder bei Störungen von komplexen Maschinen und Anlagen im geschäftlichen Kontext, heißt es dazu auf der Webseite des Unternehmens.

In den USA gibt es jetzt Spekulationen, dass Hacker sich über Teamviewer den Zugang zum System verschafft haben könnten. Bei der Pressestelle des deutschen Unternehmens heißt es dazu, dass man sich mit den zuständigen US-Strafverfolgungsbehörden in enger Abstimmung befinde. Erste Ergebnisse? „Basierend auf dem kooperativen Informationsaustausch haben sorgfältige technische  Analysen  keine Hinweise auf verdächtige Verbindungen über unsere Plattform ergeben“, teilte Pressesprecherin Martina Dier auf Anfrage der Berliner Zeitung mit und ergänzte: „Wir beobachten die Situation weiterhin sehr genau und tun unser Möglichstes, um die Ermittlungen zu unterstützen.“

Gerade in der Zeit, in der viele Menschen durch die Pandemie gezwungen sind, von zu Hause aus zu arbeiten, wächst generell die Gefahr, dass Hacker sich private Ziele suchen, um so in die Netzwerk von Unternehmen eindringen zu können. In einem Sonderbericht des Bundeskriminalamtes zur Lage in der Corona-Zeit hieß es im Frühjahr: „Cyberkriminelle fanden schnell einen Weg, um für ihre Zwecke die vermehrte Nutzung von digitalen Angeboten zu missbrauchen.“ Daran hat sich offensichtlich auch im neuen Jahr nichts geändert.