Köln - Mehr als zwei Millionen Nutzer in Deutschland. Tendenz steigend. Die Dating-App Tinder verzeichnet seit ihrer Einführung große Erfolge. Doch wie auch viele andere beliebte Apps bringt das Netzwerk für die Entwickler ein Problem mit sich: Wie lässt sich damit Geld verdienen?

In den USA wurde der Wert des Unternehmens im vergangenen Jahr auf rund eine halbe Milliarde Dollar geschätzt – ohne dass die Gründer auch nur einen Cent damit verdient haben. Ein Phänomen, das auf dem hart umkämpften App-Markt kein Einzelfall ist. Ob Facebook, Instagram oder WhatsApp, die Beliebtheit und der gehandelte Marktwert einer App garantieren nicht automatisch, dass sie auch Geld abwirft. Zumindest nicht, ohne das Unternehmen zu verkaufen.

Durch personalisierte Werbung und In-App-Käufe – zum Beispiel bei Spielen – hat Facebook das Problem inzwischen gelöst. Daher kann es sich das Unternehmen leisten, Apps wie Instagram und WhatsApp zu entwickeln oder zu kaufen – ohne daraus vorerst wirtschaftlichen Profit zu schlagen. Denn Internet-Start-Ups sind ebenso Wirtschaftsunternehmen wie große Bau- oder Automobilkonzerne. Auch hier gilt: Die Kosten-Nutzen-Rechnung muss stimmen.

Aus diesem Grund hat Tinder Anfang März die Premiumversion Tinder Plus gestartet. Im Gegensatz zum einfachen Prinzip der App verstrickt sich das Bezahlmodell in kaum nachvollziehbare Verschachtelungen:  In den USA zahlen Nutzer weniger als in Deutschland oder Großbritannien. Dazu gibt es unterschiedliche Preisstufen für verschiedene Altersklassen.

Nutzer in den USA zahlen für Tinder Plus einen Preis von 9,99 Dollar pro Monat, sofern sie unter 30 Jahre alt sind. Denn die Generation Ü30 muss zum Preis von 19,99 Dollar gut das Doppelte zahlen. In Großbritannien wird die Altersgrenze bereits bei 28 Jahren gezogen. Dort beläuft sich der monatliche Beitrag für junge Nutzer auf vier Pfund. Ältere zahlen mit 15 Pfund fast das Vierfache. Für deutsche Tinder-User erstreckt sich die Preisspanne von 1,99 Euro bis 19,99 Euro. Insgesamt gibt es sechs unterschiedliche Preise – abhängig vom Alter der Nutzer. Alte Singles müssen draufzahlen.

Doch wofür eigentlich? Neue Funktionen sollen den Anreiz geben, aus einfachen Usern zahlende Kunden zu machen. So besteht mit Tinder Plus beispielsweise die Möglichkeit, bereits weggewischte Kontakte wieder zurückzuholen. Außerdem können Premium-Nutzer ihre Flirt-Aktivitäten auf andere Städte weltweit ausweiten. Das Problem dabei: Das zusätzliche „Plus“ im Namen suggeriert eine Erweiterung, einen Premiumbereich. Doch stattdessen wird Tinder in seiner bisherigen Form ersetzt. Denn wer weiterhin unbegrenzt tindern will – ob nun mit oder ohne die neuen Funktionen – der muss zahlen. Sonst gerät er irgendwann „out of Dates“.

Weil sich Tinders In-App-Käufe aber noch in einer Testphase befinden, prüfen die Entwickler – in Zusammenarbeit mit Facebook – auch die Möglichkeit von Werbung. Solche Werbeerlöse könnten Facebook auch dazu verhelfen, mit Instagram und WhatsApp Geld zu verdienen. Während die Foto-Sharing-App von Facebook entwickelt wurde, zahlte Zuckerbergs Unternehmens für den Messenger-Dienst WhatsApp rund 22 Milliarden Dollar, und sicherte zu: Der Dienst bleibt unabhängig. Auch Gerüchte um geplante Werbung wies der Konzern zu Beginn des Jahres noch zurück.

Werbung im Foto-Feed

Anders bei Instagram. Dort wurde bereits eine Werbeform namens „Carousel Ads“ eingeführt. Der Nutzer bekommt einen gesponserten Beitrag in seinem Foto-Feed angezeigt – und kann sich per Wischgeste zur entsprechenden Webseite navigieren. Getestet wird diese Werbeform bislang aber nur in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien. Deutschland bleibt davon zunächst unberührt. Es ist eine Methode, die sicherlich auch Tinder-User eher begrüßen würden – vorausgesetzt die In-App-Käufe überstehen die Testphase nicht.