Bill Gates gehört zu den wenigen Menschen, die die digitale Revolution mit ihren Ideen massiv vorangetrieben haben. Der Mann aus Seattle war der Bote einer neuen Zeit, er hat mit seiner Firma Microsoft das Betriebssystem Windows erfunden und damit eine Software, die irgendwann in fast jedem Computer eingesetzt wurde. Noch immer faszinieren ihn Projekte, die das Leben der Menschen verbessern – und in besonderen Fällen sogar retten können.

Gemeinsam mit Entwicklungsminister Gerd Müller war Gates am Montagnachmittag in die TU Berlin an den Ernst-Reuter-Platz gekommen, um über Innovationen für eine gesunde Zukunft zu sprechen. In Berlin ist er auch wegen der Weltgesundheitskonferenz „World Health Summit“ zu Gast. Gates stellte sich ans Rednerpult, sondern ließ sich gemeinsam mit Müller interviewen, beantwortete auch Fragen, die Studenten vorher eingereicht hatten.

TU Berlin stellte umweltschonende Kühlschränke her

Als es um Innovationen ging, nannte Gates das Beispiel mit den Kühlschränken, um Medikamente sachgerecht zu lagern. Sie können dort benutzt werden, wo es keine Stromversorgung gibt. Sie sind außerdem klimafreundlich. Weil Gates – und das wurde an diesem Nachmittag auch deutlich – eher ein Zahlenmensch und kein großer Geschichtenerzähler ist, machte er nicht ganz deutlich an welches Beispiel er da gedacht hatte. Das war schade, denn an der TU Berlin ist ein Kühlschrank für den Einsatz in Entwicklungsländer konzipiert worden. Coolar heißt das Start-up, das umweltschonend mit Verdunstungskühlung arbeitet. Bis zu 75 Prozent der Impfstoffe müssen in Afrika wegen unzureichender Kühlung weggeworfen werden – so kamen die Berliner auf die Idee, die Gates gemeint haben könnte.

Danach sprach der Gast aus den USA in einer kleinen Diskussionsrunde vor allem über Hilfsprojekte in Afrika und Asien, dort wo seine Gates-Stiftung besonders aktiv ist im Kampf gegen Malaria, Aids und andere Krankheiten – außerdem werden dort massiv Bildungsprojekte gefördert. Lauter und launiger äußerte sich oben auf der Bühne der Entwicklungsminister aus Bayern. Müller und Gates kennen sich schon einige Zeit, das Ministerium arbeitet mit Gates-Stiftung zusammen.

Bevölkerung in Afrika deutlich jünger

Während Gates eher vorsichtig an seinem Cola-Glas nippte und ein wenig verloren in seinem etwas zu großen, grauen Anzug wirkte, genoss Müller die Aufmerksamkeit der 1200 Zuhörer, vor allem Studenten waren dabei. Aus Sicherheitsgründen hatten die Zuhörer das Gebäude schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung betreten müssen und wurden dann sorgfältig kontrolliert. Als Besucher konnte man den Eindruck gewinnen, dass Gates auch große Sorge um seine eigene Gesundheit und sein Wohlergehen hat.
Müller sprach vor allem über die Möglichkeiten, die die Digitalisierung den Menschen bringen kann.

In Afrika ist die Bevölkerung im Schnitt deutlich jünger, dort wachsen viel mehr Menschen mit Smartphones auf und können die Flexibilität der digitalen Technik wie selbstverständlich nutzen. Müller sprach von Lernen in Echtzeit. Wer einen Zugang zum Internet hat, kann beispielsweise Vorträge und Vorlesungen von den besten Wissenschaftlern und Forschern der Welt verfolgen, oft sogar in Echtzeit, also live. Er hat die Kontakte auch zu den großen technischen Hochschulen in Deutschland hergestellt. Müller hofft, dass das schon bald dazu führt, das Nobelpreise von der jungen afrikanischen Generation abgeräumt werden. 

Der Minister sprach aber auch über die Schattenseiten, über den Raubbau auf der Jagd nach den edlen Rohstoffen für die Fertigung der Smartphones, er sprach über die Kürzung der Entwicklungshilfe in den USA (keine Reaktion bei Gates) und wünschte, dass weltweit in den Haushalten der Nationen Ausgaben für Rüstung und Entwicklungshilfe auf einem Niveau liegen sollten (ein wenig Applaus von Gates). Dann war Schluss. Ein schüchternes Winken, dann fuhr Gates weiter zum nächsten Termin.