Der erste iPod wurde 2001 vorgestellt. Er enthielt eine 5-Gigabyte-Festplatte und konnte dank MP3-Komprimierung rund 1000 Musikstücke speichern.
Foto: dpa/Apple

Berlin Bei der Premiere des ersten iPods im Oktober 2001 brachte Apple-Chef Steve Jobs das revolutionäre Konzept des Musik-Dateiformats MP3 auf den Punkt. „1000 Songs in Deiner Tasche“, das war seine Botschaft. Aber wie war es möglich, dass durch Datenreduktion tatsächlich 1000 Musikstücke auf einer kleinen Festplatte Platz fanden? 

Die Ursprünge des MP3-Projekts reichen bis in das Jahr 1982 zurück. Damals ging es darum, Musikdateien so klein zu machen, dass man sie in ordentlicher Qualität über eine digitale Telefonleitung (ISDN) übertragen konnte. Der Student Karlheinz Brandenburg machte die scheinbar unlösbare Aufgabe zum Thema seiner Doktorarbeit am Lehrstuhl für Technische Elektronik in Erlangen.

Bald ging es aber nicht mehr nur darum, eine Musikübertragung via ISDN-Telefonie zu ermöglichen. Ein kleines Team in Erlangen nahm sich vor, die nächste Generation des Tons für Hörfunk und Fernsehen zu definieren

„Wir waren absolute Neueinsteiger, wir hatten noch nie in diesem Bereich ein Gerät gebaut“, erinnert sich Brandenburgs Kollege Bernhard Grill. „Wir hatten auch keine Erfahrung in Rundfunktechnik. Wir sind von Null gestartet – auf der grünen Wiese.“

Es gab bald drei verschiedenen Methoden, durchgesetzt hat sich Layer 3, der mit der Namensgebung der Dateiendung vor 25 Jahren allgemein als MP3 bekannt ist. Der MP3-Erfinder Brandenburg musste bald feststellen, dass sein Algorithmus ausgerechnet bei einem seiner Lieblingssongs, „Tom's Diner“ von Suzanne Vega, versagte und schrecklich klang. So machte er sich an die Arbeit, das Kompressionsverfahren unzählige Male zu optimieren, bis der A-Cappella-Song als MP3 natürlich rüberkam. „Ich habe auf diese Art und Weise diesen Song sicherlich Tausende Male gehört.“

Karlheinz Brandenburg, Professor und Miterfinder des mp3-Verfahrens.
Foto: Martin Schmidtr

Die Entwicklungsarbeit von Brandenburg und seinen Kollegen Heinz Gerhäuser, Ernst Eberlein, Bernhard Grill, Jürgen Herre und Harald Popp erneuerte nicht nur die Rundfunktechnik grundlegend, sondern krempelte die Musikindustrie völlig um.

Zu dieser MP3-Revolution hat auch ein krimineller Hack beigetragen. Die Erlanger Forscher hatten einen Referenzencoder ins Netz gestellt, der die Fertigkeiten von MP3 demonstrieren sollte. Er encodierte nur eine Minute Musik. Ein Student durchbrach jedoch die Spielzeitbeschränkung, stellte diese geknackte Version des Programms ins Netz – und löste damit die MP3-Welle aus, die in der Plattform Napster ihren ersten Höhepunkt erreichte.

Weltweit war es möglich, Musikdateien über das Internet kostenlos zu tauschen, auch wenn die Datenleitungen im Vergleich zu heutigen Gigabit-Verbindungen viel langsamer waren. Erst mit dem Erfolg des iTunes Music Stores ab 2003 und legalen Streamingdiensten wie Spotify ab 2008 erholte sich die Musikbranche langsam wieder. 

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