Nur wer schon einmal persönlich mit seinem Arzt gesprochen hat, kann während einer Videosprechstunde krankgeschrieben werden.
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BerlinWer von Übelkeit oder Kopfschmerzen geplagt wird, musste für eine Krankschreibung bisher immer zum Arzt gehen. Das hat sich geändert: Arbeitnehmer können sich auch online per Videosprechstunde krankschreiben lassen. Eine entsprechende Anpassung seiner Arbeitsunfähigkeits-
Richtlinie, die nicht im Zusammenhang mit der Coronavirus-
Pandemie steht, hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juli in Berlin beschlossen. Fragen und Antworten, was Beschäftigte dazu wissen sollten.

Was ändert sich konkret für Patienten?

Ärzte können Patienten nun auch nach einem Gespräch in einer Videosprechstunde krankschreiben, und zwar für höchstens sieben Kalendertage. Eine Folgekrankschreibung per Video ist allerdings nur dann möglich, wenn die vorherige Krankschreibung nach einer persönlichen Untersuchung in der Praxis erfolgt war.

Was sind die Voraussetzungen dafür?

Der Arbeitnehmer muss bereits Patient in der Praxis sein. Wer also bislang nie persönlich dort war, darf nicht nach einer Videosprechstunde krankgeschrieben werden. Ausgeschlossen sind Krankschreibungen außerdem allein auf Basis eines Online-Fragebogens, einer Chat-Befragung oder eines Telefonats. Letzteres war im Frühjahr während der ersten Hochphase der Corona-Pandemie eine Zeit lang zwar möglich, doch Ende Mai ist diese Sonderregelung des G-BA wieder ausgelaufen.

Ebenfalls wichtig: Selbst wenn der Arzt eine Videosprechstunde anbietet, hat der Patient keinen Anspruch darauf, auf diesem Weg krankgeschrieben zu werden, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) betont. Die medizinische Einschätzung des Arztes entscheidet. Wenn der Mediziner also per Video nicht sicher feststellen kann, ob der Patient arbeitsunfähig ist, kann er ihn in die Praxis bitten. „Entscheidend ist, dass die Patientin oder der Patient in der Praxis bekannt ist. Als Standard für die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit gilt weiterhin die unmittelbare persönliche Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Im Einzelfall soll aber die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit über eine Videosprechstunde möglich sein, ganz unabhängig von Pandemiegeschehnissen“, sagt Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied beim G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Veranlasste Leistungen.

Wie verbreitet sind Videosprechstunden überhaupt?

Nach Angaben der KBV hat es hier im Zuge der Corona-Pandemie in Deutschland einen sprunghaften Anstieg gegeben. Zum Ende des ersten Quartals 2020 hätten mehr als 25.000 Praxen eine Videosprechstunde anbieten können – das sei mehr als ein Viertel aller Praxen. Der GKV-Spitzenverband, also die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland, und die Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangen, dass Anbieter von Diensten zur Durchführung von Videosprechstunden die Anforderungen an den Datenschutz und die Informationssicherheit erfüllen müssen.

Was brauchen Patienten, um dieses Angebot zu nutzen?

Benötigt wird ein Computer, Tablet oder Smartphone mit Kamera. Außerdem erforderlich sind Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Videosprechstunden sind eine Kassenleistung.

Wie kommt die Krankschreibung zum Patienten?

In der Regel per Post. Nach Angaben der KBV kann es aber auch passieren, dass einzelne Praxen möchten, dass die Krankschreibung abgeholt wird – was in dem Fall wohl eher bedeuten dürfte, dass man die Bescheinigung abholen lässt, zum Beispiel von einem Angehörigen.