Seit zehn Jahren werden Smartphones mit der Bluetooth-Technologie ausgestattet. (AP Photo/Altaf Qadri)
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BerlinUnser Leben spielt sich auf einer Frequenz von 2,4 Gigahertz ab. Egal, ob das elektrische Garagentor, WLAN-Steckdosen oder der Router – zahlreiche Geräte im Haushalt funken auf 2,4 GHz. Auch die Bluetooth-gestützten Corona-Apps, die nun in zahlreichen Ländern geplant sind oder bereits zum Download bereitstehen, laufen über das Frequenzband. Man kann es sich wie einen kleinen Leuchtturm vorstellen, der in die Umgebung abstrahlt.

Die Nahfunktechnik ist schon ein paar Jahre alt. Mitte der 1990er-Jahre tüftelten der niederländische Elektrotechniker Jaap Haartsen und sein Kollege, der schwedische Ingenieur Sven Mattisson, in den Ericsson-Entwicklerlaboren an einer Nahfunktechnik, die Handys mit anderen elektronischen Geräten auf einer Distanz von drei bis vier Metern verbinden sollte. Das Ziel: eine kostengünstige und energiearme Alternative zu Kabeln.

Ingenieure führten ja schon immer einen zähen Kampf gegen das Kabelgewirr, und den beiden Entwicklern sollte dabei ein entscheidender Schritt gelingen: Haartsen, so beschrieb er seine Innovation einmal in einem erstaunlich unprätentiösen Aufsatz im Fachmagazin Nature („How we made Bluetooth“), ahnte früh, dass die Frequenz von 2,4 Gigahertz der Schlüssel für eine schnelle Datenübertragung sein könnte.

Das Problem: Weil das Frequenzband öffentlich und lizenzfrei ist und jeder auf der Welt darin funken kann, können sich die Signale stören. Um die Störanfälligkeit zu reduzieren, setzte Haartsen daher auf eine spezielle Codierung, das sogenannte Frequenzsprungverfahren, bei dem Datenpakete zerlegt und auf verschiedenen Frequenzbereichen verschickt werden.

Der Vorteil gegenüber Infrarot besteht darin, dass bei der Funkübertragung keine Sichtverbindung zwischen den Hardwarekomponenten mehr notwendig ist. Man muss also nicht wie bei einer Fernbedienung auf das TV-Gerät zielen, um das Programm zu wechseln, sondern kann auch mit dem Rücken zu einem anderen Endgerät stehen. Branchenkenner waren sich schnell einig, dass Bluetooth zum neuen Standard der Nahbereichskommunikation werden würde. 1998 schlossen sich Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba zu einer Interessengemeinschaft zusammen, die die Technik vereinheitlichen sollte.

Im Jahr 2000 brachte Ericsson das erste  Handy mit Bluetooth auf den Markt. Mittlerweile gibt es auf der Welt mehr als fünf Milliarden Geräte dieser Art. Die Nahfunktechnik ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sei es, um den Kopfhörer mit dem Computer zu koppeln, Musikdateien zwischen Smartphones zu übertragen oder jetzt, in einer Pandemie, Infektionsketten zurückzuverfolgen. Inzwischen gibt es zahlreiche Versionen des Funkstandards. Die aktuellste, Bluetooth 5.0, kommt auf eine Reichweite von 200 Metern und eine Übertragungsgeschwindigkeit von 2 MBit pro Sekunde.

Woher stammt das Symbol?

 Im Sommer 1997 zogen Ericsson-Ingenieur Sven Mattisson und der Intel-Ingenieur Jim Kardach durch die Bars von Toronto. Zu vorgerückter Stunde kamen die beiden dann auf Geschichte zu sprechen. Mattisson erzählte, dass er gerade ein Buch über die Reisen der dänischen Krieger unter der Herrschaft von Harald „Blauzahn“ Gormsson lese. So kam man auf den Namen Bluetooth. Auch das Logo, das sich aus den altnordischen Runen für H und B, den Initialen des Wikingerkönigs, zusammensetzt, erinnert daran. 

Eine weitere Technologie zur drahtlosen Datenübertragung ist der Nahfunkstandard NFC (Near Field Communication), der mit zehn Zentimetern allerdings eine viel geringere Reichweite besitzt. Er kommt vor allem beim kontaktlosen Bezahlen oder Online-Marketing zum Einsatz, etwa wenn es darum geht, Informationen zwischen zwei Geräten schnell auszutauschen.

In den USA haben zahlreiche Geschäfte, vor allem in Shopping-Malls, Beacons installiert, Minisender, die die Kunden via Bluetooth orten und Coupons aufs Handy schicken. Auf dem Smartphone installierte Apps suchen nach solchen Beacons in der Umgebung und tauschen Daten aus. Das System weiß also nicht nur, dass ein Kunde gerade die Ladenfläche betreten hat, sondern auch, dass er fünf Minuten vor dem Chips-Regal gestanden hat.

Datenschützer sind alarmiert. Die Eletronic Frontier Foundation (EFF) hat in einem ausführlichen Bericht davor gewarnt, dass sensible Standortdaten an Drittparteien verkauft werden könnten. Unternehmen könnten daraus detaillierte Käuferprofile erstellen.

Nicht nur Unternehmen, auch Parteien nutzen die Technik. So haben die Republikaner im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 auf Kundgebungen Beacons auf Schildern platziert, um Handy-Daten von Besuchern abzugreifen und Push-Nachrichten zu verschicken.

Neben dem Datenschutz gibt es auch Zweifel an der Datensicherheit. Wissenschaftler der Boston University (BU) haben im vergangenen Jahr Schwachstellen im Kommunikationsprotokoll von Bluetooth entdeckt, die es einem Angreifer erlauben, unerkannt Geräte zu verfolgen. Das Einfallstor für solche Attacken sind öffentliche und unverschlüsselte Anzeigenkanäle, die ihre Präsenz anderen Geräten signalisieren. Ob der Funkstandard geeignet ist, Kontakte anonym und sicher nachzuverfolgen, ist also eher fraglich.

Der Name Bluetooth stammt vom Wikingerkönig Harald „Blauzahn“ Gormsson, der von 940 bis 989 regierte und als großer Kommunikator in die Geschichte einging: Während seiner Regentschaft einigte und christianisierte er verschiedene Stämme im heutigen Dänemark und Norwegen.