Berlin - Die Frage lässt sich leicht beantworten, zumindest für Edward Snowden. Warum er denn den Messengerdienst Signal benutze, wurde er im Netz gefragt. Seine knappe Antwort: Weil er den Dienst jeden Tag benutze und noch am Leben sei.  Snowden gilt nach seinen Enthüllungen zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation als Experte, wenn es um Datensicherheit geht.

Und weil gleichzeitig auch der Unternehmer Elon Musk den gleichen Messengerdienst als sicher bezeichnete, glühten die Drähte des Krypto-Pioniers aus den USA. Durch den enormen Zulauf war der verschlüsselte Messengerdienst Signal zeitweise so überlastet, dass es kurzzeitig Probleme mit dem Verifizierungs-System gab. 

Auch der Schweizer Anbieter von Threema* meldet eine sehr stark gestiegene Nachfrage. „Wir erleben derzeit einen regelrechten Ansturm. Am Sonntag verzeichneten wir fünfmal mehr neue Downloads als an einem normalen Sonntag. Schon die Tage zuvor war das Wachstum um ein Vielfaches größer als üblich. Das ist der größte Zuwachs an privaten Nutzerinnen und Nutzern seit Jahren“, erklärte Roman Flepp, zuständig fürs Marketing bei Threema. Der Vorteil des Messengerdienstes: Es ist keine Angabe von personenbezogenen Daten wie zum Beispiel einer Handynummer notwendig, sämtliche Kommunikation ist Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Die Aufregung ist dadurch entstanden, dass WhatsApp in der vergangenen Woche angekündigt hatte, dass die Datenschutzrichtlinien am 8. Februar geändert werden sollen. Anwender müssen den veränderten Nutzungsbedingungen bis zu dem Datum zustimmen, sonst können sie den Messenger nicht weiter nutzen. Allerdings scheint es so zu sein, dass sich für die Nutzer in der Europäischen Region nichts ändern soll , was das Teilen von Daten mit anderen Facebook-Unternehmen betreffe, erklärte ein WhatsApp-Sprecher.

Wie das konkret mit der Zustimmung geht, hat das Fachmedium heise.de auf seiner Webseite erklärt: „Wer den Links in dem aufploppenden Fenster folgt, landet bei den Nutzungsbedingungen und muss zunächst schauen, ob es sich um jene handelt, die für Europa gelten oder außerhalb der Europäischen Region. Das lässt sich auswählen. Die hierzulande gültige Datenschutzerklärung ist mit EWR-Feb. 2021 betitelt.“

Anders sieht es global aus. Denn für den Rest der Welt gilt eine andere Datenschutzrichtlinie. Außerhalb der EU fließen Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten – allerdings bereits seit dem Jahr 2016.

Doch welche Änderungen bringt dann die neue EU-Datenschutzrichtlinie? Als wesentliche Änderungen stellt Facebook „klarer formulierte, detailliertere Nutzer-Informationen, wie und warum Daten verarbeitet werden“ heraus, sowie Informationen darüber, wie Unternehmen, die über WhatsApp mit ihren Kundinnen und Kunden kommunizieren, Chats speichern und verwalten können.

Ohne Zustimmung bald keine Whatsapp-Nutzung mehr

Den neuen Bedingungen muss in jedem Fall zugestimmt werden, um WhatsApp auch künftig weiter nutzen zu können. Allerdings lässt sich das Pop-up vorerst noch mit einem Fingertipp auf das Kreuz ganz oben rechts (iPhone) oder auf den Button „Nicht jetzt“ (Android) verbannen. In diesem Fall funktioniert WhatsApp noch bis zum 8. Februar weiter. Anschließend hat man ohne Zustimmung jedoch keinen Zugriff mehr auf den Dienst.

Auch wenn WhatsApp-Nutzerdaten aus der EU-Region nach wie vor nicht für Facebook-Produktverbesserungen oder -Werbung eingesetzt werden: Die geänderte EU-Datenschutzrichtlinie offenbart weiterhin, welche Informationen WhatsApp erhebt und teils auch mit anderen Facebook-Diensten austauscht: Neben der Mobiltelefonnummer, Status-Informationen oder Transaktionsdaten gehören dazu automatisch erhobene Daten wie Nutzungs- und Protokollinformationen, Geräte- und Verbindungsdaten oder der Standort in Gestalt der IP-Adresse.

Den Zweck dieser Metadaten-Sammlung legt der Dienst in der neuen EU-Datenschutzrichtlinie wie folgt dar: Gemeinsam wolle man „gegen Spam, Drohungen, Missbrauch oder Rechteverletzungen“ vorgehen, heißt es. „WhatsApp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.“

Dann wird aber eingeschränkt: „Keine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden.“ Soll heißen: keine Produktverbesserungen und keine personalisierte Anzeigen bei Facebook und seinen Diensten mit Hilfe dieser Daten.

Wer allerdings schon damit, dass WhatsApp solche Daten überhaupt aufzeichnet, nicht einverstanden ist, dem bleibt nur, dem Dienst den Rücken zu kehren, seinen Account zu löschen und auf andere Messenger zu setzen.

Es gibt zahlreiche Messenger-Alternativen

Das ist auch problemlos möglich. Gute, vertrauenswürdige, quelloffene Messenger-Apps, die Whatsapp in der Funktionalität in nichts nachstehen, aber einen Privatsphäre-orientierten Umgang mit Nutzerdaten pflegen, gibt es einige. Verschiedene Messenger-Apps lassen sich auch problemlos parallel ausprobieren oder nutzen – zum Beispiel dann, wenn sich im Familien- oder Freundeskreis noch kein eindeutiger Trend zur Nutzung eines Messengers abzeichnet.

Das Verbraucherportal Mobilsicher.de empfiehlt zum Beispiel die Messenger Signal, Threema oder Wire, die alle mindestens als Android- und iOS-App sowie als Desktop-Anwendung verfügbar sind. Nicht sonderlich gut bewertet wird Telegram. Die Webseite netzpolitik.org machte neulich noch einmal klar, dass der Dienst unter Verschlüsselungsexperten seit Jahren umstritten ist. Die Begründung: Telegram setzt von allen gängigen Messengern die schlechteste Verschlüsselung ein.

*Die Informationen von Threema trafen am Nachmittag ein. Deshalb wurde der Text aktualisiert.