Nicht bei allen Geräten lief die Corona-Warn-App störungsfrei.
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BerlinHannes Federrath beurteilt die Entwicklung der Corona-Warn-App trotz der Funktionsstörungen in den vergangenen Wochen weiterhin eher positiv. „Erwartet wird immer ein Wunderwerk der Technik, aber die Entwickler können vorher nicht an alles denken“, sagte der Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI) im Gespräch mit der Berliner Zeitung und ergänzte: „Es ist wie bei jeden gut laufenden Software-Projekt. Ganz fehlerfrei geht es nie.“

In der vergangenen Woche hatte sich herausgestellt, dass die Corona-Warn-App auf Android- und Apple-Geräte die Nutzer nicht immer zuverlässig informierte. Deshalb haben die Entwickler in den vergangenen Tagen eine neue Version der Anwendung veröffentlicht, mit der die technischen Probleme auf dem iPhone von Apple und auch bei Android-Geräten beseitigt werden können. Auf dem Apple-Betriebssystem iOS hatte die Warn-App zwar wie versprochen ständig anonyme Codes mit anderen Nutzern ausgetauscht, die Warnung vor gefährlichen Begegnungen erfolgte allerdings nicht im Hintergrund, sondern nur wenn die App aktiv geöffnet wurde.

Bei anderen Geräten, die einwandfrei funktionieren, werden die Nutzer einmal täglich informiert, ob sich die Werte weiterhin im grünen Bereich befinden. Die Anzeige ändert sich, wenn eine Person in ihrer App anonym meldet, dass sie positiv getestet wurde und sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in der Nähe des anderen Handybesitzers aufgehalten hat.  

Das Apple-Betriebssystem iOS auf dem iPhone führte nach Darstellung der beiden für die App verantwortlichen Unternehmen SAP und Telekom, die Hintergrundaktualisierung nicht immer regelmäßig durch. Das Entwicklerteam habe am Sonnabend einen Weg gefunden, die betriebssystembedingten Einschränkungen zu umgehen, bis Apple das Systemproblem selbst gelöst habe, hieß es in der Mitteilung, die die Hersteller der App veröffentlicht hatten. Dazu müssen die Anwender ein Update auf die Version 1.1.2. vornehmen. Für die vollständige Aktivierung des Updates müssten die Anwender dann die App einmal aufrufen. „Dies gilt auch dann, wenn ein Smartphone über längere Zeit ausgeschaltet war“, heißt es weiter.

Ähnliche Probleme waren bei bestimmten Android-Smartphones, vor allem bei den Herstellern Samsung und Huaweii aufgetaucht. Ursache war ein vom Android-Standard abweichender Energiesparmodus, der bei einigen Geräten die Hintergrundaktualisierung stark eingeschränkt oder sogar deaktiviert haben könnte. Ein Update des Robert Koch-Instituts hatte es im Laufe der vergangenen Woche gegeben.

Versprochen wurde, dass die Corona-Warn-App auch dann im Hintergrund weiterlaufen und Daten aktualisieren kann, wenn sie nicht geöffnet ist. Das ist wichtig für den Fall, dass sich eine Person infiziert hat. Sie kann dann anonym per App über den Vorgang informieren. Die Nachricht erhalten alle Personen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in der Nähe des Infizierten aufgehalten haben. Wenn sie von der Nachricht aber erst erfahren, wenn sie die App öffnen, geht wertvolle Zeit verloren. 

Nach den technischen Problemen bei der Corona-Warn-App ist die Kritik an der Bundesregierung lauter geworden. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte Aufklärung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die App sei ein wichtiger Baustein, um das Coronavirus in Schach zu halten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Jetzt soll auf immer mehr Smartphones die Kontaktüberprüfung nur lückenhaft funktionieren. Das beunruhigt die mehr als 15 Millionen Nutzer.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, befürchtet, dass das nötige Vertrauen in die App Schaden nehmen könnte. Er forderte: „Die Bundesregierung muss nach dieser Pannenserie für Transparenz sorgen und gezielt App-Nutzer, Öffentlichkeit und das Parlament umgehend und umfassend informieren.“

Der FDP-Politiker Theurer plädierte für eine Kommunikationskampagne, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Menschen vom Nutzen der App zur Bekämpfung des Virus neu zu überzeugen. Zudem müsse die Regierung dafür sorgen, dass die technischen Probleme schnellstens bei allen Geräten und Betriebssystemen behoben werden. „Schließlich fordere ich die Bundesregierung auf, Lösungen für ältere Smartphones und zur vernetzten Anwendung der App in ganz Europa zu entwickeln“, so Theurer.

Federrath, der Präsident der Gesellschaft für Informatik, erinnerte daran, dass die App ein wichtiger Baustein bleibe im Kampf gegen die Verbreitung des Virus, weil so Infektionsketten erkannt und unterbrochen werden können. In nächster Zeit werde die App noch an Bedeutung gewinnen, vermutet Federrath. Das liegt daran, dass die Menschen bei sinkenden Temperaturen wieder in geschlossene Räume zurückkehren werden. Niemand kann sich aber merken, wem er da in den vergangenen Tagen begegnet ist. Auch wenn die Schulen wieder öffnen, sind Informationsketten wichtig, um frühzeitig auf die Gefahr der Infizierung hinzuweisen. „Die App ist kein Wundermittel, aber ein wichtiger Baustein“, sagte er. Die Kontaktnachverfolgung werde nicht an Bedeutung verlieren.

Und die Technik führt seiner Meinung nach zu Verhaltensänderungen. Er beobachtete, dass viele Menschen – vor allem in Berufen, in denen sie anderen Personen nahe kommen – die App herunterladen und das Handy inzwischen immer am Körper tragen, damit der Datenaustausch auch funktionieren kann.