Wissenschaftspreis 2017: Berlins bester Forscher ist ein cooler Mathematiker

Er ist ein brillanter Mathematiker und zugleich äußerst kommunikativ und gut vernetzt. Er engagiert sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch für die Bildung von Schülern und Lehrern. Er schreibt anerkannte Lehrbücher – und auch Bücher für Laien, die Lust auf die Welt der Zahlen machen.  Für derartige Leistungen erhält der Mathematikprofessor Günter M. Ziegler von der Freien Universität (FU) den diesjährigen Berliner Wissenschaftspreis.

Die mit 40.000 Euro dotierte Auszeichnung überreichte ihm am Dienstagabend im Festsaal des Rathauses der Regierenden Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller. Was die Jury vor allem beeindruckt hat, ist die außergewöhnliche Breite seines mathematischen Werks.

Großer Ort für Mathematik

Ziegler freut sich über die Anerkennung – und verweist zugleich bescheiden auf die Fachkollegen in der Hauptstadt. „Ich sehe diesen Preis vor allem als Auszeichnung für die Berliner Mathematik“, sagt er. Berlin sei ein großer Ort fürs Mathe-Machen und -Studieren. Dieser Erfolg sei vor allem dadurch möglich geworden, dass die drei Berliner Universitäten sowie außeruniversitäre Institute seit Jahren eng zusammenarbeiten.  

Günter Ziegler (54) wurde in München geboren. Seit 1992 lebt er in Berlin. Zunächst war er am Zuse-Institut. 1995 wurde er Professor für Mathematik an der Technischen Universität (TU) Berlin. Im Jahr 2011 wechselte er an die FU. Er engagierte sich für den Aufbau und die Arbeit des Matheon – ein Zentrum für anwendungsorientierte Mathematikforschung – und der Berlin Mathematical School, eine gemeinsame Promotionsschule der drei Berliner Universitäten.

Fachlich beschäftigt sich Ziegler zusammen mit seinen fast 30 Mitarbeitern unter anderem mit  sogenannter Diskreter Geometrie – etwa mit Polyedern. Darüber hinaus hat er etliche Management-Aufgaben. Nicht nur am FU-Institut für Mathematik, sondern auch als Leiter der Berlin Mathematical School, im Vorstand der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und des Einstein-Zentrums für Mathematik Berlin sowie als Mitinitiator des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik.

Lehrerausbildung verändert

„Wir haben an der FU gerade die Ausbildung für Mathelehrer erneuert“, berichtet Ziegler. Im ersten Semester bekämen die Studierenden nun ungewöhnliche Vorlesungen geboten. „Uns geht es darum, auch über das Fach zu erzählen, damit die angehenden Lehrer ein besseres Bild davon bekommen, mehr Spaß haben und genau wissen, was sie da vermitteln.“

Er hält es für notwendig, die Vermittlung von Mathematik zu erneuern. „Mathematik regiert mittlerweile die Welt. Man sollte zumindest im Ansatz verstehen, was es mit Verschlüsselung, Datenbanken und Datenauswertung auf sich hat“, sagt Ziegler.

Auch der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchspreis wird in diesem Jahr im Bereich Mathematik verliehen. Geehrt wurde Myfanwy Evans von der TU Berlin. Sie forscht an der Schnittstelle von Geometrie, Physik und Materialwissenschaften und interessiert sich für die Formen der Natur. Bekannt wurde sie für ihre geometrische Untersuchung schrumpelnder Haut beim Baden. So alltagsnah kann Mathematik sein.