Wlan-Gratis-Hotspots: Berlin kann nur W-Lahm

Berlin - 650 Gratis-Wlan-Hotspots für alle. Was auf den ersten Blick wie eine Jubelmeldung aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als lahme Lösung. Kritik am Wlan-Konzept des Senats kommt nicht nur von der Opposition, sondern auch von Experten.

Drei Anläufe über acht Jahre hinweg hat es gedauert, bis Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, nun endlich verkündet: Gratis-Wlan für alle! 650 Hotspots werde ein privater Betreiber, die Firma ABL Social Federation, bis Mitte 2016 auf öffentlichen Gebäuden anbringen.

Flächendeckendes Wlan sieht allerdings anders aus: „Allein um den Bereich innerhalb des Rings abzudecken, bräuchte man Tausende Hotspots“, erklärt Monic Meisel. Die IT-Expertin kämpft seit 14 Jahren für freies Internet in Berlin, organisiert die Initiative „Freifunk“ mit, in der Privatpersonen ihr Wlan für Dritte zugänglich machen.

„Nach acht Jahren rumeiern ist das endlich ein erster, magerer Anfang“, so auch das Urteil des Netzpolitik-Sprechers der Grünen, Stefan Gelbhaar. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Senat besser überlegt, wo Internet für alle Sinn macht – also etwa an Verkehrsknotenpunkten, BVG-Haltestellen und Flughäfen“, so Gelbhaar. Auch Meisel hätte sich eine besser durchdachte Lösung gewünscht. „Mir fehlt das Gesamtkonzept. Damit Gratis-Wlan was bringt, müsste eine Partnerschaft mehrerer Anbieter her. Für den Bürger sollte das als nur ein freies Berlin Wlan sichtbar sein. Also nur ein oder gar kein Login!“, erklärt Meisel.

Auch der große Außenwerber Wall AG kritisiert die jetzige Lösung. Denn die Werbefirma hatte schon 2012 testweise ein Wlan-Projekt in Berlin am Start (30 Hotspots, gratis für drei Monate) und hätte dem Senat jetzt ein Gratis-Konzept angeboten. Der Plan: Werbestandorte und City-Toiletten mit Sendern ausstatten.

Laut Angaben des Unternehmens würde man dazu keine neuen Standorte mit Werbung zupflastern. Kosten für die Stadt: 0,0 Euro. Das jetzt beschlossene Konzept kostet 170.000 Euro. So viel erhält die ABL Social Federation vom Senat als Anschubfinanzierung.

Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, weist eine Kritik, zu wenig Zugangspunkte für ein Gratis-Wlan zu planen, zurück. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt er, es sei nie darum gegangen, die ganze Stadt zu versorgen. "Ich halte das auch für unrealistisch. Dafür wären Hunderttausende Hotspots nötig." Der Koalitionsvertrag spreche von "zentralen Orten". Böhning: "Das wird jetzt umgesetzt."