Apple-Mitbegründer Steve Wozniak.
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San JoseAm Ende des Gesprächs legte Steve Wozniak seine Visitenkarte auf den Tisch: Name, Adresse, Telefonnummer, alles so weit ganz normal. Nur war diese Karte aus Metall, sie war gestanzt worden, sie hatte scharfe Kanten. Wozniak sagte beim Abschied lächelnd: „Ich benutze sie gern, um Steaks damit zu schneiden.“ 

So ganz nebenbei: Das Gespräch fand in der Zeit nach dem 11. September 2001 statt, es gab höchste Sicherheitsvorkehrungen weltweit an den Flughäfen, aber das hielt Wozniak nicht davon ab, seine speziellen Visitenkarten mit sich zu führen, auch auf dem Flug nach Deutschland, wo er damals sein Buch „iWoz“ vorstellte. Bei einem Wiedersehen vor drei Jahren in Berlin sagte er, dass er die Metall-Visitenkarten noch immer verteile.

Warum sollten seine Visitenkarten auch aus Papier sein? Mit der Erfindung des Personal Computers hat der Mann aus San Jose (Kalifornien) maßgeblich dazu beigetragen, dass die Menschen moderne Speichertechnik verwenden, wenn sie Texte schreiben und Post verschicken - auch mit dem Ziel, weniger Papier zu verschwenden. 

Das Beispiel zeigt, dass Wozniak immer seinen eigenen Weg gegangen ist. Oder, wie er sagen würde, immer dem gefolgt ist, was zu ihm gekommen ist. In einem Video auf der Webseite zu seinem Geburtstag ist im Hintergrund ein großer Song von Fleetwood Mac zu hören: „Go your own way“. Seinen eigenen Weg gehen, der Satz ist so etwas wie sein Lebensmotto geworden.

An diesem Dienstag wird der Mann, der zu einer Ikone der Digitalisierung aufstieg, 70 Jahre alt.

Aber fangen wir am Anfang an: Bis heute bezeichnet Wozniak die Mittwochabende im „Homebrew Computer Club“ als den Höhepunkt seines Lebens. Damals, zu Beginn der 70er-Jahre, gab es schrankgroße Rechenanlagen, die für normale Menschen unbezahlbare Technikmonster waren. Nur wenige Unternehmen, einige Universitäten und das Militär konnten sich die Geräte leisten. Im „Homebrew Computer Club“ redeten sich Hobbybastler aber darüber die Köpfe heiß, wie man die Technologie erschwinglich machen könne, so hat es Christoph Dernbach von der Deutschen Presseagentur recherchiert.

Obwohl: Reden war nicht Wozniaks Stärke. Er bezeichnete sich als sehr schüchtern damals. Er überzeugte mit dem, was er präsentieren konnte. „Ich wollte immer nur Ingenieur sein“, sagte er später, und seine Arbeit mit Freunden teilen. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computers, des Apple I, wollte Woz ursprünglich deshalb auch für andere Bastler offenlegen. Steve Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen. Erst so entstand Apple.

Wozniak war schon mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug aufgewachsen. Als Teenager lötete „Woz“, wie er von allen Freunden genannt wird, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese unzugänglichen Maschinen zu gelangen. 

Auf der High School lernte„Woz“ den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen - von den  elektronischen Sachen bis hin zum Spaß an ulkigen Scherzen.

„Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich“, sagte Jobs später. Wozniak brachte ihm die Songs von Bob Dylan nahe. Gemeinsam verabschiedeten sie eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später.

Gemeinsam mit Steve Jobs brachte Steve Wozniak den ersten Personal Computer auf den Markt.  
Foto: Apple

Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. Bei HP war man sich damals allerdings noch nicht bewusst, welches Potenzial im PC-Markt steckte. Deshalb lehnte das Unternehmen den Kauf von Wozniaks erstem Computers mit der Begründung ab, dass sich HP nicht mit der Entwicklung von Personal Computern beschäftige.

Ich finde es nicht in Ordnung, dass so viele Dinge nicht funktionieren, wenn sie funktionieren sollten. Und ich fürchte, dass wird sich auch nicht so schnell ändern.

Steve Wozniak

In seiner Freizeit sicherte der Tüftler sich in dieser Zeit einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game „Breakout“ von Atari. Später erzählte Wozniak, dass die Begeisterung für Computerspiele ihn auch dazu animiert habe, die Computer-Bildschirme nicht nur zweifarbig zu gestalten.

Sein Meisterstück lieferte Wozniak im April 1977 mit dem Apple II ab, der zu einem Preis von 1298 Dollar verkauft wurde. Untergebracht in einem Kunststoffgehäuse mit aufsetzbarem Bildschirm und einer Tastatur war der Apple II in Basic programmierbar, konnte Grafik ausgeben und verfügte über die Möglichkeit, ein Diskettenlaufwerk anzuschließen. Ausgestattet war der Rechner mit 4 Kilobyte RAM, die sich auf maximal 48 Kilobyte erweitern ließen. Wozniak war es gelungen, sämtliche Funktionen auf eine einzige Platine zu verbauen, und benötigte dazu nur ein Minimum an Schaltkreisen, heißt es dazu auf der Webseite macprime.

Beim Design der Platine des Apple II erwies sich Wozniak als Genie, denn ihm gelang es, mit unvorstellbar wenigen Bauteilen auszukommen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er vielseitig erweiterbar. Der Rechner erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Er sorgte dafür, dass Apple zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären. 

Der Apple II wurde zum Symbol eines neuen Industriezweiges, der Computerbranche. Die Firma wuchs rasant und stellte laufend neue Mitarbeiter ein. Am Apple III arbeiteten bereits mehr als 50 Ingenieure  - das bedeutete für Wozniak allerdings, dass er an Einfluss verlor.

Für die Geburtstagsfeier von Steve Wozniak wurde eine spezielle Webseite eingerichtet. 
Große Party im Netz

Aus Anlass des Geburtstages veranstaltet Janet Hill eine riesige Online-Party für ihren Mann Steve Wozniak. Weltweit sind alle Menschen eingeladen. Die Feierlichkeiten beginnen um 2 Uhr morgens deutscher Zeit und werden auf der spezielle eingerichteten Webseite Wozbday.com und bei twitch.tv live übertragen. Zu den Gästen zählen der  Opernsänger Andrea Boccelli, die Country-Musiker Brad Paisley und Emmylou Harris, die Schauspieler Ashton Kutcher und William Shatner, die Comedians Chris Rock, Jay Leno und Drew Carey, der Magier Penn Jillette und der ehemalige Basketball-Star Shaquille O'Neal. Gastgeberin ist die Musikerin Jewel, deren Stiftung auch den Erlös erhält.

Die Zusammenarbeit der beiden Steves dauerte auch nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen. Danach nahm sich Woz eine Auszeit von Apple und suchte sich neue Aufgaben: So organisierte er zwei Festivals mit den größten Popstars der Zeit, er wollte Musik, Menschlichkeit und Technologie zusammenbringen. Wozniak versprach 1983 den „Super Bowl des Rock“. Damit lag er nicht ganz falsch angesichts von 750.000 Besuchern über vier Tage.

Im selben Jahr kehrte er auch zu Apple zurück - nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. Formal ist Wozniak bis heute Angestellter von Apple und bezieht ein symbolisches Gehalt. 

In den vergangenen Jahren hat er das getan, was ihm Spaß macht. In seiner Heimatstadt San Jose organisierte er jahrelang das Popkultur- und Technologie-Festival „Silicon Valley Comic Con“, er fördert die Museen in der Stadt, die Kinder an Zukunftstechnologien heranführen sollen, und trat weltweit als Sprecher auf, um jungen Menschen Mut zu machen, ihren Platz in der Technologiebranche zu finden.  In Berlin sagte er vor drei Jahren, dass Kinder Freiheiten brauchten, um das zu tun, was sie wirklich wollten – so wie er es damals konnte. Frontalunterricht sei dafür keine gute Lösung, mahnte Wozniak. Oder wie es in dem oben genannten Song heißt: „Go your own way“. 

Seinen eigenen Weg wählte er auch, als er eher ungelenk durch die TV-Show „Dancing with the Stars“ im US-Fernsehen tanzte und persönlich in der Serie „Big Bang Theory“ auftauchte. In jüngster Zeit konnten die US-Fernsehzuschauer ihm und seiner Frau Janet in der Fox-Show „Celebrity Watch Party“ dabei zusehen, wie sie gemeinsam in ihrem Wohnzimmer andere Fernsehsendungen anschauen und witzig kommentieren.