Es ist nicht lange her, da haben die Themen Brennstoffzellen und Grüner Wasserstoff die letzten Messeplätze am hinteren Ende der Hallen belegt. Auf den Energiemessen und der Hannover Messe fand man immer dieselben Forschungsinstitute mit neuen Innovationen in diesem Bereich, aber irgendwie war das Interesse nicht da, obwohl sich viele Fachleute einig waren, dass Wasserstoff einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Die Antwort auf die Frage, wie wir im großen Stil Sonnenund Windenergie nutzbar machen, und zwar auch dann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, ist weiterhin offen. Mittlerweile sind mehr Batterien im Einsatz, in großer Skalierung ist diese Technologie einfach noch zu teuer und die Frage bleibt: Wo sollen die ganzen Batterien herkommen, wenn zeitgleich auch noch die Mobilität voll elektrifiziert werden soll?

Die Idee, überschüssigen Strom in Wasserstoff umzuwandeln, ist daher zunächst einleuchtend. Wenn er dann gebraucht wird, kann er jederzeit in einer Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt werden. Technisch werden Brennstoffzellen seit den ersten Missionen im Weltall eingesetzt, die Nutzung dieser Technologie im großen Maßstab auf der Erde hat jedoch bisher auf sich warten lassen. Noch heute wird Wasserstoff am meisten in der chemischen Industrie eingesetzt und aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas gewonnen . Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wasserstoff ist in der Produktion und verbunden mit dem aufwändigen Transport einfach viel zu teuer. Nach einem kurzen Aufflammen des Interesses Mitte der 2000er Jahre war klar, die Wasserstoff Ökonomie wird ein langer, harter Weg sein, es sei denn, die Preise für Gas steigen dramatisch.

Deutsche Forschungsinstitute und Unternehmen setzen weltweite Maßstäbe

Das Unternehmen Sunfire generiert Wasserstoff auf Basis von Elektrolyse, aber auch Vergasungsverfahren im industriellen Bereich. Erst in den letzten Tagen wurde eine weitere Finanzierungsrunde von 109 Mio.Euro durch Lightrock und Planet First Partners bekannt gegeben. Das macht Sunfire zu einem ernsthaften Konkurrenten auf dem Markt, der ansonsten von Firmen wie beispielsweise der Linde AG dominiert wird.

Sunfire hat u a. im Jahr 2020 den ersten großtechnischen Elektrolyseur in Zusammenarbeit mit der Salzgitter AG in Betrieb genommen. Der Einsatz von Wasserstoff im energieintensiven großtechnischen Bereich wie etwa in einem Stahlwerk erscheint derzeit als die am ehesten wirtschaftliche Einsatzmöglichkeit auch in Deutschland, wo der Strom im internationalen Vergleich recht teuer ist.

EX VENTURE Investiert in die Zukunft von MFC aus Dresden

Enorm vielversprechend ist derzeit die Entwicklung der Firma MFC aus Dresden, deren Entwicklung von EX Venture aus den USA finanziert wird. In einem bahnbrechenden Verfahren werden im kleinen Maßstab Abfälle in Wasserstoff umgewandelt. EX Venture beschreitet seit geraumer Zeit neue Wege, indem erfolgversprechende deutsche Technologieentwicklungen kofinanziert werden. Somit entsteht schon in der Frühphase eine nachhaltige Finanzierungsstruktur für Technologie-Entwicklungen, die eventuell Jahre bis zur Marktreife brauchen, und die kein konventioneller Venture Kapital Fond finanzieren würde.

Derzeit wird das Verfahren an der Technischen Hochschule Zittau Görlitz getestet. Die Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten, auch dezentral ohne Sonnenstrom und bedeutend günstiger Grünen Wasserstoff herzustellen. Da die Entsorgung von Abfällen in der Regel mit Kosten verbunden ist, können so die Kosten noch einmal um 50% gesenkt werden im Vergleich zum Einsatz von Überschussstrom. Die Entwicklung der Integration einer Brennstoffzelle wird in einem vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Netzwerk unterstützt, was auch die Einbindung von Partnern wie dem Fraunhofer Institut IKTS aus Dresden ermöglicht. Laut Aussagen der Geschäftsleitung könnte die Technologie bereits im kommen Jahr kommerziell eingesetzt werden.

Bereits in diesem Projekt soll sowohl Klärschlamm als auch Hausmüll in Wasserstoff umgewandelt werden. Dieses würde langfristig die Entwicklung einer dezentralen Wasserstoffversorgung ermöglichen. Biomasse und Abfall finden sich fast überall und gerade jetzt stehen viele Biogasanlagen am Ende ihrer Förderung durch das EEG Einspeisevergütungsgesetz und benötigen neue Marktmöglichkeiten. Auch im Ausland besteht großes Interesse an dieser Technologie, beispielsweise meldet Singapur Interesse an, da der Platz zur Deponierung von Abfällen in Singapur enorm limitiert ist und ein flächendeckendes Gasnetz bereits besteht. Wichtige Komponenten zur Gasreinigung wurden u.a. von der Nanyang Technological University in Singapur entwickelt, auch Indah Water, der größte Abwasseraufbereiter im benachbarten Malaysia, arbeitet mit mehreren deutschen Unternehmen unter Führung des MFC mit dem Ziel zusammen, aus Klärschlamm Energie zu gewinnen und den Abfall als Dünger einzusetzen. Da grundsȁtzlich alle Brennstoff die Kohlenstoff enthalten auch in Wasserstoff umgesetzt werden können, eröffnen sich eine enorme Möglichkeiten auch gerade im lȁndlichen Bereich Brennstoff-Zellen LWK z.b. mit Wasserstoff aus Holzabfȁllen zu betanken oder Zukunftsprojekte wie GEMINI ONE auf den Philipinen mit Strom zu versorgen.

Im Bereich der kleinen dezentralen Elektrolyse macht derzeit die Firme Enapter auf sich aufmerksam. Erst vor kurzem wurde der renommierte HRH Prince William’s Earthshot Preis gewonnen und kurz darauf die erste Gigafactory verkündet. Im nordrheinwestfälischen Saerbeck werden über 100 Millionen Euro investiert, um den Anlagen der Firma Enapter zum Durchbruch zu verhelfen. Besonders interessant könnte der Einsatz dieser Technologie im südlichen Ausland sei, wo die Kosten für Sonnenstrom enorm gesunken sind.

Was alle drei Unternehmen gemeinsam haben, ist, dass Sie auch in den Jahren, in denen Grüner Wasserstoff nicht im öffentlichen Interesse war, die Entwicklung konsequent fortgesetzt haben. Enapter wird dabei unter anderem vom Land NRW unterstützt, während Sunfire und MFC sowohl von der Sächsischen Aufbaubank als auch vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert werden. Es scheint, als würde die Kombination von öffentlichen Mitteln und ausländischen Investoren den Firmen einen vielversprechenden Weg in die internationalen Märkte öffnen. Die Entwicklungskosten und -zeiten stellen viele Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Es ist ebenfalls weitverbreitet, dass sich nicht alle Unternehmen am Markt durchsetzen können. Gerade in den Bereichen des Anlagenbaus und der chemischen Industrie gibt es Expertise in Deutschland, die auch Zukunftsmärkte besetzten kann. Bleibt zu hoffen, dass die Fehler aus dem Aufbau der Solarindustrie nicht wiederholt werden und deutsche Technologie „Made in China“ vom Steuerzahler auch noch bezahlt wird und somit eine Zukunftstechnologie am Standort Deutschland komplett zerstört wird.

Genau diejenigen Forschungsinstitute, die kaum beachtet die letzte Dekade im hinteren Bereich der Messehallen verbracht haben, stehen plötzlich im globalen Fokus, um die Wasserstoff Revolution umzusetzen. Viele Forscher haben auf den Durchbruch des Wasserstoffs auch im Automobilbereich gesetzt, derzeit erscheint das als unwahrscheinlich, nachdem fast alle großen Autobauer auf Batterien setzen. Jedoch gibt es im Transportbereich für LKW und Schiffe und darüber hinaus in der Industrie noch viele ungenutzte Einsatzmöglichkeiten für Wasserstoff.

Weitere Information finden Sie unter: https://www.exventure.co/.

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