In China haben die Menschen viele Vorteile, wenn sie bei digitalen Überwachung nicht negativ auffallen, sondern Pluspunkte sammeln.
Foto: Imago/Gary Waters

BerlinWer versteht schon alle Zusammenhänge der vernetzten Welt? Wer kennt sich wirklich aus mit den technischen Veränderungen? Und was bringt die digitale Zukunft für die Menschheit? Drei TV-Dokumentationen widmen sich digitaler Ausbeutung, Täuschung und Unterdrückung.

„Ghost Workers. Wie Klickarbeiter von Konzernen ausgebeutet werden“: Eigentlich paradox: Maschinen werden immer mächtiger und schlauer – und die Menschen bleiben arm. Die französische Reporterin Sandrine Rigaud besucht sogenannte Clickworker, die daheim an ihren PCs sitzen und helfen, die Programme zu verbessern. So müssen sie auf Tausenden Fotos Personen markieren, damit die Kameras von selbstfahrenden Autos sie später als Menschen erkennen. Doch die Bezahlung für das monotone Klicken ist lausig: Selbst eine trainierte „Ghostworkerin“ kam nur auf fünf Euro – am Tag! Dagegen streichen, so wird es im Film gesagt, ihre Auftraggeber, wie Lukas Biewald und seine Firma „Figure 8“, Millionengewinne ein. Ebenso bedenklich ist der Umgang mit den „Content-Managern“, die im Auftrag von Facebook die Plattform säubern sollen. Mit versteckter Kamera filmte ein Reporter ein geheimes Training in Portugal, wo Mitarbeiter für Gehälter weit unter Mindestlohn den ganzen Tag lang brutale Bilder ertragen mussten.

Die Reportage läuft am Dienstag, 23. Juni, um 20.15 Uhr und am Montag, 29. Juni, um 18 Uhr bei ZDFinfo und steht bis zum 30. Juni in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.

„Falsch bewertet und getäuscht. Das Geschäft mit Restaurant-Bewertungen“: Auch auf Portalen wie „Tripadvisor“ kann der Nutzer auf das Werk von den sogenannten Ghostworkern stoßen. Hier geben nicht nur Kunden ihre Bewertungen von Restaurants und Hotels ab. Unternehmen können Klicks kaufen – positive fürs eigene Geschäft, negative für die Konkurrenz. Die französische Doku „Falsch bewertet und getäuscht“ verfolgt die Spur ominöser Einträge und landet in Madagaskar, wo Klickarbeiter für 150 Euro im Monat auf Bestellung Restaurants bewerten. Selbst der Manager von „Tripadvisor“ muss in dem Beitrag  zugeben, dass etwa jeder zehnte Eintrag unseriös ist.

Die Dokumentation läuft am Donnerstag, 2. Juli, um 9.45 Uhr bei ZDFinfo und steht danach einen Monat lang in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.

„Das überwachte Volk – Chinas Sozialkredit-System“: Wie Klicks das Leben der einen erleichtern und die Existenzen anderer zerstören, das zeigt die australische Doku „Das überwachte Volk“ über Chinas Sozialkredit-System. Matthew Carney staunt, wie viele Kameras das Verhalten im öffentlichen Raum überwachen. Er trifft eine Vorzeige-Familie, die die kulturelle Harmonie beschwört, vom System profitiert und dank hoher Punktzahlen keine Kaution auf Miete oder Leihwagen hinterlegen muss. Doch wer nicht den Parametern der chinesischen Führung entspricht, bekommt massive Probleme: Ein investigativer Journalist steht auf einer schwarzen Liste und kann wegen der Herabstufung nicht einmal Tickets für den Fernzug kaufen.

Die Reportage läuft am Mittwoch, 24. Juni, um 19.45 Uhr bei ZDFinfo und steht ein Jahr lang in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.