Um ein Uni-Stipendium zu erhalten, muss man für gewöhnlich exzellente Leistungen vorweisen, begabt und strebsam sein. Doch die kleine private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee geht jetzt ganz anders an die Sache heran. Sie vergibt ein Anti-Streber-Stipendium.

Auf ihrer Internetseite hat sie gezielt Menschen zur Bewerbung aufgerufen, die normalerweise nie ein Stipendium bekämen: Ausbildungsabbrecher, Gründungspleitiers, Sitzenbleiber, Kinder von Zuwanderern, Absolventen des zweiten Bildungswegs, Studenten mit Kind, Bachelor-Bewerber, die 30 Jahre oder älter sind. Eine Altersgrenze wird bewusst nicht gezogen. Die Uni will mit den Stipendien die Diversität in ihrem Hause fördern. Denn klassische Streber habe man bereits. Nun suche man Menschen, die durch ihre Biografie bewiesen hätten, „dass sie trotz aller Widerstände die Fähigkeit besitzen, wieder aufzustehen, selbst wenn sie einmal gescheitert sind“, sagt Uni-Vizepräsident Tim Göbel. Teams in Unternehmen würden durch solche Leute selbstkritischer, selbstbewusster und achtsamer.

Werbegag?

Auch wenn das alles zunächst wie ein Werbegag klingt, scheint es die Uni ernst zu meinen. Mehr als hundert Bewerber haben sich gemeldet. Sie wurden nach ihrer Motivation und Selbstsicht befragt, mussten in einem anspruchsvollen Bewerbungsverfahren ihre Eignung nachweisen. Am Ende wählte man zwölf aus, darunter einen Berliner, der sich an einer Brennpunktschule bis zum Abi hochgekämpft hat, und eine Bewerberin, die einst als Flüchtlingskind vom Balkan nach Deutschland kam. Die Zeppelin-Uni bietet Fächer in Politik, Kultur, Kommunikation, Wirtschaft und Soziologie. Normalerweise zahlt jeder ihrer tausend Studenten zwischen 3.500 und 5.000 Euro Gebühren pro Semester. Diese werden den Ausgewählten nun erlassen.

Zwölf Studenten sind zwar nicht besonders viel. Aber das „Stipendium fürs Anderssein“ soll eine Dauer-Einrichtung an der Uni werden. Es ist sicherlich auch eine gute Idee für andere Hochschulen – gerade, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten Lebenswege gründlich änderten. Geradlinige Karrieren wurden zur Ausnahme. Brüche, Umwege, Auszeiten, Widerstände und Scheitern – das sind Themen, bei denen heute viele junge Menschen mitreden können.