Berlin - Was die Zukunft angeht, so sind wir in der Regel fantasielos. Sollen wir uns ausmalen, wie unsere Nachkommen in hundert Jahren leben, dann fallen uns in der Regel nur Steigerungen des Bestehenden ein: mehr Digitalisierung, mehr Beschleunigung, mehr Informationsaustausch, mehr Künstliche Intelligenz. Die systematischen Sprünge, die unsere Entwicklung immer wieder erfährt, können wir uns nur schlecht vorstellen. Daher bleibt lediglich eine Tatsache gewiss: Das, was kommt, wird uns überraschen.

Es bedarf der Forschung, damit die Zukunft uns nicht völlig unvorbereitet trifft, wenn sie Gegenwart wird. Hier sind Flexibilität und Fantasie nötig – genau daran mangelt es oftmals. Ein typisches Beispiel bot lange Zeit die EU-Förderpolitik. Sie folgte den großen Themen – den „grand challenges“ –, verriet aber wenig Gespür für Kreativitätsbedarf und Zukunftsoffenheit. Indem sie vorrangig die angewandte Forschung unterstützte, bediente sie gängige Erwartungen. Sie stärkte Schlüsselthemen, ließ jedoch außer Acht, dass Innovationen vielfach aus unkonditionierten Erkenntnisprozessen resultieren. Das neue Rahmenprogramm „Horizon Europe“ intensiviert jetzt punktuell die Förderung der Grundlagenforschung, wenn es den diesbezüglichen Etat um 1,1 Milliarden Euro aufstockt. Hier muss aber mehr getan werden, auch in Deutschland. Vor knapp zwei Jahren hat man deshalb eine „Agentur für Sprunginnovationen“ geschaffen. Sie soll die verstreuten Potenziale für zukunftsträchtige Entdeckungen sammeln und vielversprechende Entwicklungen in der Grundlagenforschung unterstützen.

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