Beethovens Kompositionen haben bei Generationen von Menschen die Vorstellung von klassischer Musik geprägt: als Publikumsanker des Konzertbetriebes, als Schullehrstoff und Gegenstand der Liebhabermusik. Das Klangbild von Beethoven in der DDR bestimmte über Jahre Franz Konwitschny. Dadurch ist der Dirigent, der heute vor 100 Jahren im mährischen Fulnek geboren wurde und als Bratscher am Gewandhausorchester Leipzig begann, selbst fast klassisch geworden. Seit den 50er-Jahren hatte Konwitschny für das Plattenlabel "Eterna" alle Sinfonien Beethovens eingespielt, dazu das Violinkonzert mit David Oistrach, die "Missa solemnis" und weitere Werke.Fast immer gingen seine Aufnahmen von der Kraft, vom dramatischen Impetus aus. Sie wuchsen aus der Tradition von Furtwängler und Arthur Nikisch und rückten Beethoven nah an die Romantik: an die Sinfonien von Brahms, Bruckner, Dvorak oder Tschaikowskij, an die Klangfarbenwelten von Richard Wagner, Hans Pfitzner oder sogar Richard Strauss. Nicht zufällig waren dies auch die anderen Komponisten, die Konwitschny als Chefdirigent an den drei wichtigsten Musikhäusern der DDR bevorzugte.Nach der Tätigkeit als Opernchef seit 1938 in Frankfurt (Main), wirkte er ab 1946 in Hamburg und Hannover, nachdem er von den Amerikanern wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft Dirigierverbot erhalten hatte. Seit 1949 stand er dem Gewandhausorchester vor, von 1953 bis 1955 auch der Staatskapelle Dresden. Ab 1955 bis zu seinem Tode 1962 auf einer Orchesterprobe in Belgrad leitete Konwitschny zudem die Staatsoper Berlin. Den Häusern sicherte das Weltgeltung. Für seinen Sohn Peter - heute ein namhafter Opernregisseur - war es eine wichtige Lehrzeit.Erst seit Ende der 70er-Jahre traten in der DDR an die Stelle von Franz Konwitschnys Beethoven-Aufnahmen die von Kurt Masur oder Otmar Suitner, die nun das Gewandhaus und die Berliner Staatsoper führten. Beide stützten einen musikalischen Generationswechsel, den auch die alte Bundesrepublik erlebte: hin zu einer strukturelleren Sicht der Klassik, die dem Original in Tempo und Farbe näher sein wollte, ohne Klangkraft und Eindringlichkeit zu verlieren.