Berlin. Seit 100 Jahren produziert die Fritz Werner AG Werkzeugmaschinen in Berlin. Gestern, genau am Tag des Jubiläums, eröffnete das Amtsgericht Charlottenburg den Konkurs gegen das Traditionsunternehmen. Trotz der prekären Lage wollte die Belegschaft feiern und bezahlte die Festlichkeiten aus eigener Tasche.Mit 300 Gästen hatte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Abel gerechnet, gekommen waren weit mehr. Dichtgedrängt sitzen Belegschaft und ehemalige Mitarbeiter auf den Bänken in der festlich geschmückten Kantine. Fritz Werner feiert 100jähriges Bestehen. Sekt, Bier und kaltes Büfett hat die Belegschaft selbst bezahlt."Natürlich ist die Stimmung heute eher gedrückt", stellt Betriebsrat Abel fest. "Die meisten sitzen hier mit gemischten Gefühlen, jeder Kollege hat Angst um seinen Arbeitsplatz."Trotzdem habe die Belegschaft das Jubiläum unbedingt feiern wollen, "schließlich wurde hier 100 Jahre lang gute Arbeit geleistet". "Jeder hat 20 Mark in den Topf getan, auch viele ehemalige Mitarbeiter", berichtet Abel. Anders hätte sich die Feier nicht finanzieren lassen, denn die wirtschaftliche Lage des Maschinenbauers ist alles andere als rosig.Hier, in der Kantine, hatte Mitte Februar Geschäftsführer Erik von Woedke der Belegschaft das Aus für das Traditionsunternehmen verkündet. Nach zähen Verhandlungen mit dem Senat und den Banken mußte Fritz Werner & Niles wegen finanzieller Schwierigkeiten Konkurs beantragen.Gestern, ausgerechnet am Tag des Jubiläums, eröffnete das Amtsgericht Charlottenburg das Verfahren. Im Moment sei die Finanzierung für das Unternehmen gesichert, teilte die Kanzlei des Konkursverwalters Peter Leonhardt mit. Bis zum Sommer werde auf jeden Fall weiter produziert. Eine langfristige Lösung sei aber noch nicht in Sicht. Viel mehr Hoffnung konnte auch Wirtschaftssenator Elmar Pieroth der Belegschaft nicht machen. In seiner Jubiläumsansprache sagte er, "es gibt noch Chancen, das Unternehmen zu retten, aber die sind recht gering." Über die Ostertage will er mit einem US-Maschinenbauer verhandeln. Die Firma aus Cincinnati ist nach Pieroths Worten an einer Übernahme von Fritz Werner & Niles eventuell interessiert.Betriebsrat Klaus Abel hofft, daß es doch noch gelingt, möglichst viele der 500 Arbeitsplätze an den Standorten in Marienfelde und Weißensee zu retten. Die Banken, der Senat und der Konkursverwalter müßten jetzt die Verantwortung für die Fortführung der Betriebe übernehmen. Erst 1995 hatte die Fritz Werner AG aus Marienfelde den Ostberliner Maschinenbauer Niles übernommen. Durch die Fusion sollte aus den beiden Firmen ein konkurrenzfähiges Unternehmen werden. Doch trotz guter Auftragslage häuften sich die Verluste in den beiden Traditionsfirmen so lange, bis ein Konkurs nicht mehr zu vermeiden war. Jetzt fürchten die 500 Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Denn selbst bei einem Erfolg der Übernahmeverhandlungen rechnen die Konkursverwalter mit dem Verlust von 250 Stellen. Für den Maschinenschlosser Henrik Rudski war der 1. April ein Doppeljubiläum. Vor genau 25 Jahren trat er in das Unternehmen ein, das gestern sein 100jähriges Bestehen feierte. "Ich hatte hier sehr gute Jahre", sagt er, "aber die Lage bedrückt alle Kollegen. Keiner versteht, warum wir in Konkurs gehen. Wir haben genug Aufträge, und die Kunden sind von unseren Maschinen wirklich begeistert." Normalerweise bekommen die Fritz-Werner-Arbeiter zum 25jährigen Jubiläum eine finanzielle Gratifikation. "Aber die fällt bei mir wohl aus, im Moment könne wir ja kaum unsere Lieferanten bezahlen", sagt Rudski. +++