Am Sonnabend vor fünf Jahren starb Heinz Galinski im Alter von 79 Jahren im Weddinger Herzzentrum. Ihm zu Ehren richtet die Jüdische Gemeinde zu Berlin am Sonntag um 10.30 Uhr eine Gedenkfeier auf dem Friedhof Scholzplatz in Charlottenburg aus. Ignatz Bubis, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Andreas Nachama, der heutige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, werden dort kurze Ansprachen halten. Andreas Nachama erinnert in der Berliner Zeitung an seinen Vorgänger.Heinz Galinski steht für den Aufbau nach dem Untergang. Unser Gemeindehaus ist sein Denkmal, mit der Schule, dem Gemeinderaum und der Gedenkstätte im Hof - das war sein Konzept. Unsere Gemeinde sollte eine sein, die die Versorgung jüdischen Lebens von der Wiege bis zur Bahre leistet. Heinz Galinski hat sich beim Wiederaufbau an der großen jüdischen Vorkriegsgemeinde orientiert. Er ist die historische Gestalt, die jüdisches Leben in Berlin überhaupt erst wieder möglich gemacht hat. Wir müssen sein Werk heute nur noch am Leben erhalten.Galinski war ein Politiker, aber nicht im parteipolitischen Sinn. Er war d e r Sprecher der Juden in Deutschland. Er war messerscharf und unbequem. Zu seiner Zeit hätte Berlin es sich niemals geleistet, den Museumsdirektor Barzel in die Wüste zu schicken. Wir sind heute Zwerge im Vergleich mit Heinz Galinski.Solange noch jede Woche Weltkriegsbomben in Berlin gefunden werden, ist die Geschichte nicht vergangen, bleibt der Anspruch auf Wiedergutmachung bestehen. Von der Normalität sind wir noch meilenweit entfernt. Das zeigen die Jugendlichen, die durch Potsdam ziehen und Nazi-Lieder grölen. Das zeigen die Ausfälle der CDU-Mitglieder Ortwin Kuhn und Georg Klaffus, die von einem "extensiven Wiedergutmachungsbedürfnis der Juden" schwafeln, ohne daß ihr Parteivorsitzender, der Regierende Bürgermeister Diepgen, dagegen einschreitet. Das hätte es zu Galinskis Zeiten nicht gegeben.Was hätte er an meiner Stelle getan, frage ich mich. Ich bin kein lauter Mensch. Ich schreibe Briefe, an Manfred Stolpe, den brandenburgischen Ministerpräsidenten, und an Eberhard Diepgen. Letzterer hat noch nicht geantwortet. Galinski hätte an meiner Stelle sofort Presserklärungen herausgegeben. Und ich kann diejenigen, die laut nach Normalität schreien und Vergessen meinen, nur warnen.Wir wissen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir stehen. Wir stehen in der Tradition Heinz Galinskis und werden nicht aufhören, auch unbequeme Mahner zu sein.