Jeder Zanussi-Film ist für mich ein Ereignis", so schwärmte einmal ein Rezensent der Warschauer Wochenzeitschrift "Kultura", "und ich schätze die Konsequenz, mit der er seine Interessen vertritt, seine Leidenschaft und Unruhe." Tatsächlich geriet Krzysztof Zanussis Frühwerk zu einer beeindruckenden Reihe existenzieller Kinoessays: In "Struktur des Kristalls" (1969) nutzte er zwei extrem unterschiedliche Charaktere, um über Wissenschaftsgläubigkeit und Moral, den eigenen Platz im Leben und die verschiedenen Wege zum Glück nachzudenken. "Hinter der Wand" (1971) reflektiert die Anonymität in einem großstädtischen Appartement-Neubau. Und "Illumination" (1972) fügt Bruchstücke aus der Biografie eines jungen Mannes aneinander: ein Mosaik aus impressiven Beobachtungen, dokumentarischen Debatten, inszenierten Albträumen, in dem es erneut um das Ethos des Wissenschaftlers ging, um die Verantwortung von Atomphysik und Genetik, das Verhältnis von Beruf und Familie, geistiger und körperlicher Arbeit.Neue WelleDamals wurde Zanussi von der internationalen Kritik gern als "polnischer Godard" apostrophiert. Mit seinen analytischen, sezierenden Filmen vermittelte er dem "Kino der moralischen Unruhe" kräftige Impulse: jener polnischen "neuen Welle", die gesellschaftliche Diskurse anregte und wesentlich zu den politischen Umwälzungen beitrug. In "Tarnfarben" (1977) zum Beispiel nahm Krzysztof Zanussi endgültig Abschied von den eigenen Illusionen eines möglichen demokratischen Sozialismus: Die Hauptfiguren des Films sind ein idealistischer Assistent, der für Recht und Gesetz eintritt, und sein opportunistischer, zynischer Professor. Zanussis Meisterstücke, zu denen auch die Filme "Spirale" (1978) und "Konstante" (1980) gehören, versetzen ihre Helden in eine Welt vielfältiger Verlockungen und Versuchungen: rationale Bestandsaufnahmen von Ideal und Wirklichkeit, großen Aufbrüchen und kleinen Ankünften, auch von der Chance, sich seine Lauterkeit zu bewahren.Später verabschiedete sich der Regisseur von derart intellektuellen, grüblerischen Stoffen. Er drehte ein biografisches Epos über den polnischen Papst Johannes Paul II., "Aus einem fernen Land" (1982). Zanussi wurde Mitglied der Kulturkommission des Vatikan und verfilmte ein frühes Drama von Karol Wojtyla, "Der Bruder unseres Gottes" (1998), das ihm "in übergroßem Respekt vor der päpstlichen Autorität" arg thesenhaft geriet. Zanussi, schon immer Moralist, ließ sich nun zunehmend auf einfache Glaubenssätze ein; auch ästhetisch gerieten ihm seine Filme konventionell.Zuletzt meldete er sich mit der Komödie "Ein warmes Herz" (2008) zu Wort: Hier jagt ein fieser Geschäftemacher dem Spenderorgan eines jungen potenziellen Selbstmordkandidaten nach. Am Ende verwandelt sich der Bösewicht in einen gütigen Mäzen, der sein Geld an Mittellose verschenkt. Leider legte Zanussi diesen Plot nicht als sarkastisches Märchen an, sondern entsprach vielmehr dem trügerischen Harmoniebedürfnis eines großen Publikums; er inszenierte das Ganze als freundliche, bunte Lüge. Heute feiert der in Warschau geborene Krzysztof Zanussi, der immer noch einer der einflussreichsten Produzenten des modernen Polen ist, seinen 70. Geburtstag.------------------------------Foto: Krzysztof Zanussi wurde am 17. Juni 1939 geboren.