Wenn Judith Holofernes in Berlin spielt, ist sie aufgeregter als sonst. Schließlich sind alle Freunde der Frontfrau von "Wir sind Helden" bei den Konzerten mit dabei. Die Sängerin glaubt allerdings nicht, dass die Helden in Berlin mehr Fans haben als anderswo. "Die ganze Tour ist schockierend super gelaufen", sagt die 27-Jährige. Judith Holofernes ist froh, wieder in ihrer Heimatstadt Berlin zu sein. "Ich liebe Berlin, ich liebe Kreuzberg, ich fühle mich hier pudelwohl", sagt sie. Wenn man so wenig zu Hause sei wie sie, dann sei man noch verliebter in die Stadt. Vier von sieben Tagen ist sie mit der Band unterwegs.Ausverkaufte HallenDa zwei der Bandmitglieder, Mark Tavassol und Jean-Michel Tourette, nicht in Berlin, sondern in Hamburg und Hannover wohnen, und da sich die Bandmitglieder auch nicht in Berlin kennen gelernt und gefunden haben, findet die Frontfrau: "Wir sind nicht wirklich eine Berliner Band." Die Musik der Helden sei mehr von anderen deutschen Bands beeinflusst, als durch die Haupstadt. "Berlin spielt da nicht so ne große Rolle."Die Mischung aus Punk, Pop, Synthie und Neuer deutscher Welle hat die Band innerhalb eines Jahres zu Stars gemacht. Am Freitagabend spielten die vier Helden im ausverkauften Club Huxley s Neue Welt. Am Sonnabend gibt es zum Abschluss der Tournee ein Zusatzkonzert in der Columbiahalle, das mittlerweile auch ausverkauft ist. Vor einem Jahr veröffentlichte die Band im Eigenverlag eine Mini-LP mit fünf Songs. Das Lied "Guten Tag, ich will mein Leben zurück" wurde überraschend und ohne Einsatz von Geld und Promotion-Geschenken von den Radios gespielt Die Helden drehten ein Video und obwohl die Band noch keinen Plattenvertrag hatte, lief "Guten Tag" in der MTV-Rotation. Im Frühjahr kam die Single in die deutschen Charts und im Juli erschien das Debütalbum "Reklamation". Seit Februar tourten die Helden durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bei Konzerten rufen Männer "Judith wir lieben Dich", außerdem gab es schon Anfragen von Männermagazinen für Nacktfotos, die bisher von Judith Holofernes abgelehnt wurden. Sie findet es seltsam und verwirrend, plötzlich ein Sexsymbol zu sein. "Das mag meinetwegen auch zu dem Beruf gehören, aber wenn das zu sehr im Vordergrund steht, dann finde ich das blöd." Sie legt Wert darauf, dass die Leute weniger ihr Äußeres wahrnehmen, als vielmehr ihre Musik. Schließlich bestehen die Helden nicht nur aus Frontfrau Judith.Was hat sich für die Band verändert? "Wir können jetzt die ganze Zeit das machen, was wir schon immer machen wollten, nämlich Musik", sagt Judith Holofernes. Sie findet es großartig, dass nun viel mehr Leute zu den Konzerten kommen und auch die Texte mitsingen können. Zwar wird sie mittlerweile auf der Straße erkannt, aber das sei noch erträglich. "Man wird nicht so oft angesprochen. Die Leute in Berlin sind diesbezüglich recht zahm." Sie wohnt immer noch in ihrer Kreuzberger Studentenbude. "Ich könnte mir vorstellen, mit meinem Freund Pola zusammenzuziehen", sagt die Sängerin. An ihrem Lebensstandard werde sich aber nicht viel ändern. Berlin wird sie treu bleiben.LABELS Liegt voll im Trend: Judith Holofernes, Sängerin der Band "Wir sind Helden". Im Hintergrund: Keyboarder und Gitarrist Jean-Michel Tourette, Bassist Mark Tavassol und Schlagzeuger Pola Roy (v. l. ).