Heute ist Mehmet Bulut schon um drei Uhr morgens aufgestanden, viel früher als sonst. Er hat sich die weiße Schürze umgebunden und begonnen, den ersten Teig auszurollen. Zwölf bis 14 Stunden am Stück bäckt er Baklava - süßes Gebäck aus hauchdünnen Blätterteigschichten, gefüllt mit Walnüssen und Pistazien, getränkt in Zuckersirup. In seinem Laden, dem Pasam Baklava in der Schöneberger Goebenstraße, werden drei Öfen in Betrieb sein. An normalen Tagen reicht einer.Heute endet der Fastenmonat Ramadan, auch für die mehr als 220 000 Berliner Muslime, die 30 Tage lang nur nach Sonnenuntergang essen und trinken durften. Ab morgen wird dann drei Tage lang das Zuckerfest gefeiert, mit dem die Fastenzeit ihr Ende findet. Zuckerfest heißt es, weil man bei Besuchen bei Verwandten und Freunden Süßes reicht und mitbringt. Und da braucht es eben auch jede Menge Baklava. Seit sieben Jahren verkaufen Mehmet und sein Bruder Ali Bulut, die in Berlin aufgewachsen sind und türkische Eltern haben, die orientalische Spezialität.In den Tagen vor dem Fastenende hilft die ganze Familie in der Backstube mit. Der Cousin, der in der Türkei den Meisterbrief für die Baklava-Herstellung erworben hat, sowieso. Auch die drei Schwestern werden mit eingespannt. "Normalerweise verbrauchen wir zehn Kilo Mehl am Tag, jetzt sind es 15", erzählt Bulut. Morgen, wenn das Zuckerfest beginnt, würden die ersten türkischen Kunden schon um 6 Uhr morgens vor der Tür stehen, "aus Angst, dass sie nichts mehr bekommen." Der Laden öffnet dann früher als sonst, damit die Wartenden versorgt werden. Aber auch während des Fastenmonats ist viel zu tun. "Wenn die Muslime wieder essen dürfen und abends zum Essen eingeladen sind, nehmen sie Baklava als Mitbringsel für den Gastgeber mit", sagt Bulut, der auch das Adlon mit seinem Gebäck beliefert.Die türkischen und arabischen Händler können sich also über mehr Umsatz freuen. Viele kaufen deutlich mehr Ware ein als sonst. Es ist ein bisschen wie zu Weihnachten. Die Familie kommt zusammen, es wird viel gegessen und jede Menge Süßes verschenkt.Daher sind auch in den türkischen Supermärkten an der Potsdamer Straße in Schöneberg vor allem Süßwaren gefragt. Im Eurogida-Markt von Ali Gürkan stapeln sich Dutzende Kisten mit Frucht-, Karamell- und Kaubonbons. Normalerweise sind es zwei Kisten, doch jetzt musste das salzige Knabberzeug, das sonst hier steht, den Bonbons weichen. Denn, so erklärt Gürkan, nachdem die Männer morgen früh die Moschee besucht haben, kommen am restlichen Tag Verwandte und Bekannte, um zum Ramadanfest zu gratulieren. Dann wird meist üppig gekocht - und Süßigkeiten werden verteilt - vor allem an Kinder. Auch an vielen Kassen in türkischen Läden stehen extra Schalen mit Konfekt und Bonbons.Kinder gingen auch von Tür zu Tür, gratulierten zum Ramadanfest, küssten Älteren die Hände und fragten nach Süßem, sagt Gürkan. Dafür kaufen viele Muslime extra einen Bonbon-Vorrat.Aber es sei durchaus nicht so, dass seine Landsleute während des Fastenmonats sparsam einkauften, berichtet Gürkan. Im Gegenteil: "Viele kaufen eher mehr ein als sonst. Sie sollten eigentlich abends nicht viel essen, um den Körper zu reinigen und zu verstehen, was es heißt, arm zu sein und wenig zu essen zu haben. Aber sie treffen sich abends öfter als sonst mit Freunden und dann wird viel zu viel gekocht." Außerdem hätten seine Kunden, nachdem sie den ganzen Tag nichts gegessen haben, großen Hunger und Appetit, wenn sie mit dem Einkaufswagen durch die Regalreihen fahren. Und dann landet eben - das Phänomen ist gemeinhin bekannt - mehr Gemüse und Fleisch im Wagen, als man jemals essen kann.------------------------------Verwandtenbesuch und üppiges EssenDas mehrtägige Zuckerfest (türk. Seker Bayrami) beginnt morgen. Es wird zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan gefeiert und auch Ramadanfest genannt. Zum Ablauf gehören ein Besuch der Moschee und entsprechende Gebete. Die Zeit wird mit Verwandtenbesuchen und opulentem Essen verbracht. Besonders ehrenhaft ist es, Bedürftigen Geschenke zu bereiten.Gemeinsam gefeiert wird am Freitag ab 16 Uhr im Neuköllner Gemeindehaus St. Clara, Briesestraße 17, sowie ab 14 Uhr im Nachbarschaftszentrum Kotti, Oranienstraße 34. Die größte Feier beginnt am Sonntag um 12 Uhr im Heimathafen Neukölln, Saalbau, Karl-Marx-Straße 141.------------------------------Foto: Mehmet Bulut und seine Schwester Gülbahar backen viel mehr Baklava als sonst. Denn heute endet der Ramadan.