Es ist wieder an der Zeit, das alte Lied zu singen. Das Lied von einem Stück alten West-Berlin, das stirbt. Die Rede ist von der Eierschale, über lange Jahre einer der bekanntesten Jazzclubs der Halb-Stadt. Der Club selbst im alten Landhaus Dahlem an der Schorlemer-/Ecke Podbielskiallee in Dahlem machte bereits vor vier Jahren zu, jetzt zieht zum Jahreswechsel auch die Eierschale Veranstaltungs GmbH aus. Heute ist Schlüsselübergabe an einen Gastronomen, der bereits ein Restaurant am Schloss Charlottenburg und eines am Hackeschen Markt betreibt. Während der Gastronom einen größeren Umbau plant, zieht die Veranstaltungsagentur zum Robert-Koch-Platz nach Mitte.Seit 25 Jahren arbeitet Dieter Trojan in Dahlem. Zusammen mit seinem inzwischen gestorbenen Chef Gert Wiechert betrieb er lange Zeit den schon damals legendären Club, eher er schließlich Veranstalter wurde. "Leute wie Louis Armstrong haben hier gespielt", erinnert sich Trojan, während er die Kisten packt. Die Eierschale war so bekannt, dass selbst Weltstars nach ihren Konzerten in Deutschlandhalle oder Sportpalast in Dahlem bis in die Nacht weiterjammten. Eine unvollständige Liste liest sich wie das Who-is-who der damaligen Jazzwelt: Duke Ellington, Sidney Bechet, Chris Barber, Count Basie, Mr. Acker Bilk, Rolf Kühn .Die Geschichte der Eierschale begann eigentlich 1952. Hans Wolf Schneider, Chef der Spree City Stompers, über Jahre Berlins bekannteste Dixieland-Kapelle, öffnete in einer Ruine am Rathaus Schöneberg den Jazzclub Kajüte. Ein Jahr später zog die Band zum Breitenbachplatz, nannte den Laden Eierschale. Im Jahr 1968 übernahm Gert Wiechert den Club und zog mit ihm 1977 ins landeseigene Landhaus Dahlem. Die Miete am Breitenbachplatz war einfach zu hoch geworden. Im Jahrzehnt danach wurde investiert. 1986 machte die Eierschale an der Gedächtniskirche auf und hielt dort bis Januar 1996 durch. Im April 1992 erhielt der traditionsreiche Biergarten Zenner in Treptow den Namenszusatz Eierschale. Ende 2000, nach dem Tod von Gert Wiechert, kam dann das Ende der Eierschale.Dieter Trojan macht mit seiner Veranstaltungsagentur jetzt also in Mitte weiter, gar nicht mal ungern, wie er sagt. "Schließlich sind wir hier viel näher am Zentrum allen Geschehens." Zeit für Sentimentalitäten gönnt er sich nicht. Zunächst einmal muss der Mann jedoch mitten im Umzugsstress einen Rückschlag hinnehmen: Chuck Berry, 78-jähriger Urvater des Rock 'n' Roll, hat sein für den 21. Januar im Tempodrom geplantes Berlin-Konzert endgültig abgesagt, nachdem es schon einmal verlegt worden war. Das Geld für die Eintrittskarten wird zurückerstattet. Jetzt hofft Trojan, dass die Comets durchhalten, die Begleitband des längst schon verstorbenen Bill Haley. Die alten Herren hat Trojan für den 28. Mai im Palais am Funkturm gebucht.------------------------------Foto (2): Wenn Louis Armstrong in Berlin Konzerte gab, ging er anschließend gerne zum Jammen in die Eierschale.Dieter Trojan, Konzert- veranstalter im Umzugsstress