Am vergangenen Wochenende verstarb in Berlin mit 88 Jahren die Schauspielerin Manja Behrens. Geboren 1914 in Dresden, durch Erich Ponto Bühnenschliff erhaltend, hatte sie am Dresdener Staatsschauspiel mit der Titelrolle von Hauptmanns "Pippa tanzt" ihren Durchbruch. Bis 1954 gehörte sie mit der Darstellung bedeutender Frauenfiguren der Weltdramatik - Julia und Rosalinde (Shakespeare), Gretchen und Iphigenie (Goethe), Tatjana (Gorki), Cleopatra (Shaw), Nora (Ibsen), Minna (Lessing), Maria Stuart (Schiller), Ljubow Jarowaja (Trenjow) - zu den beliebtesten Schauspielerinnen des Dresdener Staatsschauspiels. Nach dem Krieg mit dem Bühnenbildner Karl von Appen verheiratet, folgte sie ihm nach Berlin, als Appen 1954 Chefbühnenbildner des Berliner Ensembles wurde. Bis 1967 war sie vornehmlich an der Volksbühne Berlin tätig. 1956 beeindruckte sie das Publikum als Frau John in Hauptmanns "Die Ratten", 1965 stellte sie die Claire Zachanassian in Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" dar. Im Berliner Ensemble wechselte sie sich seit 1964 mit Helene Weigel in der Interpretation der Rolle der Volumnia in "Coriolan" ab. Von 1967 bis 1991 am Maxim Gorki Theater engagiert, hatte sie ihren wohl größten Erfolg als Wassa Shelesnowa in Inszenierungen durch Maxim Vallentin (1967) und Albert Hetterle (1970). In den 90ern gab sie Gastspielrollen in Wien, Bern, Ingolstadt. Von Herkommen wie Erscheinung her lag ihr die Darstellung herrscherlicher Frauen, von Ausbildung wie Gefühl her das Mitleiden (bis hin zur Identifizierung) mit beleidigten und unterdrückten Frauen, von der Gesinnung her mit solchen, die revoltieren. Und, wie im Fall der Zachanassian, sich rächen. Sie konnte eine sehr spitze Zunge haben, kaschierte sie aber auf Sächsisch wie Berlinerisch. Sie wird an der Seite von Karl von Appen im Friedhof am Weißen Hirschen in Dresden beigesetzt.